WM-Einwurf: Soooo ein kleines Finale braucht niemand

Nach 180 Sekunden irrt sich das Schiri-Gespann das erste Mal: Thiago Silva foult Robben deutlich VOR dem Strafraum. Foto: dpa

Keine Lust hatte Louis van Gaal auf ein kleines Finale. Am Ende fand der Niederländer die Idee dann aber doch gut. Hatte seine Elftal doch Gastgeber Brasilien mit 3:0...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Eigentlich hätte ich ja gern am Finaltag der Fußball-WM über ein Spektakel im kleinen Finale um Platz drei geschrieben. Drei Tore, darunter zwei durchaus sehenswerte Treffer, hätten das auch durchaus verdient gehabt. Auch über die defensiv erneut desolate Leistung der Brasilianer ließe sich einiges schreiben. Immerhin hat die viel gelobte Mannschaft, die den Traum vom Titel im eigenen Land verwirklichen wollte, gerade in zwei Spielen zehn Gegentore gefangen.

Eigentlich hätte ich auch ein positives Fazit zu dieser WM gezogen, zu den immer munter anfeuernden Fans, die sich einen Spaß aus La Ola und Aktionsjubel gemacht haben, immer, wenn sie sich im Übertragungsbild sahen, brav in die Kamera gewunken haben, über die gute Organisation im Hintergrund der Spiele, über gute Kommentatoren und noch bessere Expertenanalysen bei den Öffentlich-Rechtlichen.

Ich hätte gern über das tolle Wetter bei dieser WM geschrieben, über die vielen Rekorde, über Trainerleistungen und Trainerrücktritte, über Karriereenden und Entdeckungen. Hätte gern lobende Worte gefunden für die Niederlande, die nur unglücklich im Elfmeterschießen am Finale gescheitert war, kritische Worte über die Brasilianer, die ohne Neymar auf dem Platz nicht an einen Erfolg geglaubt haben.

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Kritik an der Fifa

Und doch bleibt mir an dieser Stelle nur ein Thema, das sicherlich jeden Fußballfan am Samstag, während des kleinen Finales, spätestens in der 18. Minute zur Weißglut bringen musste: WARUM setzt die Fifa im kleinen Finale, wo es für die Verbände außerdem nochmal um richtig viel Geld geht, auf ein Schiedsrichter-Team aus Algerien und Marokko, das während dieser WM bislang noch keinen sicheren Eindruck machte? WO bleibt bei solchen Turnieren der Profischiedsrichter? Und WER ist denn bitteschön so DOOF, das nicht endlich einzusehen?

Okay, man kann wie beim 2:0 der Niederländer mal eine Abseitsstellung des Flankengebers übersehen. Oder ein Foul an Oscar, das ungeahndet den Angriff zum 3:0 einleitete, nicht pfeifen. Wenn es die einzigen Fehler bleiben, prima. Aber drei Szenen dieses Spiels sind nicht duldbar, unter keinen Umständen. Robben wurde in der dritten Minute vor dem Strafraum gefoult, Thiago Silva war der letzten Gegenspieler außerdem Torwart, also letzter Mann. Bedeutet: Rot für den Brasilianer, Freistoß für die Niederlande. Weil aber Schiri Djamel Haimoudi wohl Pippi-Langstrumpf-Fan ist, macht er sich die Regelwelt wie es ihm gefällt und gibt Gelb und Strafstoß. Ein Unding! Und eine Fehlentscheidung, die das ganze Spiel bereits nach 180 Sekunden entscheidend beeinflusst.

Karten doch nicht in der Kabine vergessen

Dass Haimoudi entgegen vieler seiner Funktionskollegen plötzlich die Sinnhaftigkeit des gelben Kartons erkennt, überrascht dann genauso, wie dass der Referee der erste seiner Art ist, der bei dieser WM eine vermeintliche Schwalbe ahndet. Oscar sucht im Strafraum den Kontakt zum Gegenspieler. Blind hatte das Bein ausgefahren. Für eine solche Szene hatte Robben gegen Mexiko noch einen spielentscheidenden Strafstoß bekommen. Damals eine Konzessionsentscheidung. Diesmal hätte der Algerier seinen Fehler aus der ersten Halbzeit korrigieren können, eine Konzessionsentscheidung treffen können. Und er gibt Oscar Gelb - Schwalbe. Aha!

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Die dritte Szene, die nur Kopfschütteln auslöst, passierte bereits nach 25 Minuten, als Ron Vlaar beim Versuch, den Ball aus der Gefahrenzone zu schießen, voll durchzieht und Ramirez' hart vors Schienbein - der Ball war da schon lange weg - tritt. Der Niederländer riskiert damit bei seinem Gegenspieler eine Verletzung. Egal. Und auch den Schiri weiß der Abwehrchef auf seiner Seite. Denn Haimoudi gibt in diesem Spiel gern Gelb für Trikotziehen und taktische Fouls. Doch in dieser Szene pfeift er den Brasilianern sogar den zuvor noch gewährten Vorteil ab. Eine Verwarnung hat er im Eifer des Gefechts vergessen.

Drei Szenen, die zeigen, dass der Algerier wie es ZDF-Kommentator Oliver Schmidt richtig verkündete, die Zügel des Spiels nicht hatte aus der Hand gleiten lassen, sondern sie niemals inne hatte.

Profischiedsrichter bei Turnieren her: Sofort!

Wie kann also die Fifa in so einem wichtigen Spiel diesen Algerier einsetzen? Die offizielle Begründung lautet, dass kein Schiri eines am Spiel beteiligten Kontinents zum Einsatz kommen dürfe. Klingt gut, logisch gerecht. Doch WARUM soll dann mit Nicola Rizzoli ausgerechnet ein Italiener an diesem Sonntag das Finale pfeifen. Kann bitte jemand mal dem Fifa-Chef Blatter einen Atlas schenken! Italien ist doch genauso ein Nachbarland seiner Schweiz wie Deutschland. Und wenn es dann wirklich gerecht zugehen soll, wie kann man dann ausgerechnet Rizzoli nehmen - wo er doch bei dieser Weltmeisterschaft den deutschen Gegner schon im Duell mit Nigeria sowie im Viertelfinale gegen Belgien gepfiffen hat und sich nun die Argentinier sicher sein dürfen, zu wissen, wie dieser Schiri tickt.

Ich spreche hier nicht von möglicher Bevorteilung, weder in die eine noch in die andere Richtung. Ich spreche vielmehr von unnötiger Dummheit. Denn egal wie es ausgeht, wenn der Italiener mit seinem Team nicht eine tadellose Leistung abliefert, wird er und damit auch die Fifa-Ansetzung hohe Diskussionswellen auslösen. So viel Druck wünscht man keinem Profischiedsrichter. Und Nicola Rizzoli ist Architekt. Eigentlich.