WM-Einwurf: Für Honduras ein Abend der Respektlosigkeit

Ein mitentscheidender Zweikampf: Pogba (blau) gegen Palacios (weiß). Foto: dpa

Was wäre wenn? Das dürften sich die Fans von Honduras ernsthaft fragen nach dem Spiel gegen Frankreich. Klar, der Ex-Weltmeister war der Favorit, zumal Honduras, das dritte...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Honduras gegen Frankreich, das ist auch der 33. gegen den 17. der Fifa-Weltrangliste. Okay, den Unterschied hat man auf dem Platz deutlich gesehen, aber auch im Umgang mit dem Team haben Fifa-Offizielle, Schiedsrichter, Kommentator und Co. einiges nachzuholen.

Allein der Faux-pas mit den nicht gespielten Hymnen, der natürlich auch die Franzosen trifft, deren Fans ihre Marseillaise zumindest singend nachholten, war schon eine enorme Respektlosigkeit gegenüber den Nationen, die sich im Fall von Honduras die seltene Teilnahme am Weltturnier auch für solche Momente hart erarbeitet haben. Dann die harte Entscheidung zu Gunsten des Franzosen Pogba, der zwar übel gefoult worden war, aber für sein Nachtreten - eindeutig eine Tätlichkeit - mit Gelb weiterspielen durfte. Seinem unmittelbaren Gegenspieler Palacios wurde dieses Gelb aber zum Verhängnis, als er in der 43. Minute erneut robust gegen Pogba in den Zweikampf geht. . Immerhin war der Elfmeterpfiff für Frankreich in dieser Szene korrekt, die Ampelkarte für den Honduraner folgerichtig. Doch hätte es nach Rot wegen Tätlichkeit für Pogba besagten Zweikampf im Strafraum gar nicht mehr geben dürfen.

Gesprächsbedarf, wo keiner mehr sein sollte

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Die dritte Szene, über die sich die Honduraner, die Frankreich in allen Belangen deutlich unterlegen waren und ohne Frage auch verdient verloren haben, ärgern dürften, ist die, über die Dortmundfans überall auf der Welt applaudieren dürften. Das 2:0 durch Benzema wurde per Torlinientechnik gegeben. Grandios, so eine Technik, die dem Schiedsrichter eine eindeutige Entscheidung ermöglicht. Ohne Diskussionen, ohne Korrekturen. Eigentlich. Dass es mehr als fünf minuten dauerte, die bilder einzuspielen, die Technik zunächst zwei verschiedene Aussagen traf, Schiedsrichter und Assistenz darüber ebenfalls Gesprächsbedarf hatten und schließlich Keeper Valladares das Ding angekreidet wurde, dürfte diesen traurig gestimmt haben. Und die Fußballwelt auch. Eindeutige Technik, aber so viel hin und her.

Zu guter Letzt gönnte sich Carlo Costly einen Ausflug in den französischen Strafraum, eroberte dort sogar den Ball zurück und wurde schließlich umgestoßen. Honduras bekommt in dieser Szene keinen elfmeter für ein anschlusstor, das erste WM-Tor seit 1982 für das kleine Land. Die durchaus strittige Szene ist den Bildverantwortlichen nicht einmal eine wiederholung wert, dem deutschen kommentator liegt sogar das Wörtchen Schwalbe auf der Zunge. Was wäre wenn. Vielleicht hätten sie ja auch verschossen.

An diesem Abend wollte man nun wirklich kein Honduraner sein.