WM-Einwurf: Ein bisschen mehr fürs Geld - fünfmal schon...

Auch Belgien darf in die Verlängerung, um endlich zu zeigen, was das Team wirklich drauf hat. Foto: dpa

So viel WM gab’s noch nie vor der zweiten K.o.-Runde. Fünf Verlängerungen und zwei Elfmeterschießen bereits im Achtelfinale schrauben die durch Trinkpausen und...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Diese Weltmeisterschaft mausert sich mehr und mehr zur Längsten ihrer Art. Trinkpausen, exorbitante Nachspielzeiten, und nun hat die WM in Brasilien, die von Präsidentin Dilma Rousseff bereits als beste aller Zeiten bejubelt wird, auch noch einen Rekord eingestellt. Denn fünfmal Verlängerung bereits in der ersten K.o.-Runde gab es bisher erst einmal: 1938.

Auch wenn Fußball-Muffel stöhnen, weil sich ihr TV-Abendprogramm nun noch mehr nach hinten verschiebt oder ganz von der Bildfläche verschwindet, und Statistiker freudig mit immer neuen Torerfolg-Spitzenwerten der Einwechselspieler wedeln - 30 Minuten mehr Zeit für Jokertore -, so ist das doch sehr erfreulich für die Fußball-Fans, besonders in den Stadien. Fünfmal 30 Minuten plus Nachspielzeit mehr Leistung für den teilweise horrenden Eintrittspreis, immerhin zweimal sogar Elfmeterschießen - so oft wie noch bei keiner anderen WM bereits im Achtelfinale.

Prickelnde 30 Minuten

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Kein Wunder also, dass die Fans auf den Rängen sogar bei grottigen Halbzeiten wie bei Costa Rica-Griechenland, Deutschland-Algerien oder Frankreich-Nigeria grölen, jubeln, singen, die Welle machen und feiern - zur Not auch sich selbst. Besteht ja bei Not gegen Elend oder Langeweile gegen Mauertaktik noch Hoffnung, dass beim Nachschlag alles besser wird. Der Vorteil ab Achtelfinale ist ja: Das Reglement schreibt Tore zwingend vor, um das Spiel zu entscheiden. Zur Not auch fragwürdig (Robben) vom Punkt.

Wenn sich dann ein Spektakel ergibt, weil Favoriten wie Deutschland plötzlich aufdrehen, sich Außenseiter wie Costa Rica mit nur noch zehn Jungs auf dem Platz hängend und würgend ins Ziel kämpfen, weil junge US-amerikanische Talente, die beim FC Bayern München noch zu schwach für den Profikader sind, dem Klinsmann-Traum vom Viertelfinale noch eine Hoffnung einhauchen, weil Torhüter, denen man auf der Linie wenig zutraut, plötzlich zu Helden werden, und wenn sie auch für den Gastgeber halten, weil das Gestänge über Wohl oder Weh der Torschützen entscheidet, weil große Sportsmänner von der Trainerbank aufstehen und nie mehr auf den Fußballplatz zurückkehren - dann ist man glücklich. Und fragt sich aber auch, warum die 22 Kerle auf dem Rasen das nicht auch schon in den 90 Minuten vorher hinbekommen. Kolumbien kann das doch auch.