WM-Analyse: Uruguay - Ein Paket voller Überraschungen

Altmeister Maxi Pereira kämpft und rackert im uruguayischen Abwehrverbund. Für ihn ist die neuerliche WM-Teilnahme schon ein großer Erfolg. Foto: dpa

Der Schritt nach Europa war groß für das Defensivtalent Maxi Pereira. Doch der frühe Wechsel zu Benfica Lissabon hat sich für den Uruguayer mehr als gelohnt. Denn der...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Dario Rodríguez, Gustavo Varela, Vicénte Sanchez, Carlos Grossmüller - in die Reihe der Uruguayer, die sich bei Revierklub Schalke 04 die Seele aus de Leib rannten, robust Zweikämpfe gewannen, ansonsten eher bescheiden und ruhig dem großen Ärger im Verein aus dem Weg gingen und ein, zwei UI-Cups oder Ligapokale gewannen würde der Name Maxi Pereira ganz gut hineinpassen.

Den Rekordnationalspieler mit den für den Ruhrpott-Fußball so passenden Tugenden zog es allerdings seinerzeit nach Portugal - ein Schritt, den dem Halbwaisen 2007 in seinem Land niemand so richtig zutraute. Sein erster Profiklub Defensor Sporting Club in seiner Heimatstadt Montevideo sah wohl sein Talent und veräußerte deshalb zunächst nur 70 Prozent der Transferrechte an Benfica Lissabon.

Doch dem rechten Außenverteidiger hing ein Phlegma an. Zu still, zu wenig Agressivität auf dem Platz warfen ihm die Defensor-Bosse vor - trotz 119 Ligaspielen und 25 Treffern für den Hauptstadtklub. Und trotz einiger Länderspieleinsätze in der Nationalmannschaft Uruguays, die sich allerdings 2006 nicht für die WM in Deutschland hatte qualifizieren können.

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Als Kind wenig Zeit, um zu trainieren

Maxi Pereira belehrte seine Kritiker eines Besseren. Gleich im ersten Jahr bei Benfica wurde der damals 23-Jährige in den erweiterten Mannschaftsrat gewählt, mit Uruguay feierte er Platz vier bei der Copa America. Es ging aufwärts, und das, obwohl der junge Führungsspieler kaum jemanden im Nationalkader kannte - außer in der U17 hatte Pereira nie auf internationaler Ebene Spuren hinterlassen. Ein Jugendinternat oder eine Fußballschule hatte er, weil er mit Hilfsarbeiten seiner alleinerziehenden Mutter beim Unterhalt für die Familie helfen musste, aus Zeit- und Geldmangel nie von innen gesehen. Mehr als mit einem Lederball eines Jungen aus der Nachbarschaft ein bisschen auf der Straße oder einem Bolzplatz kicken war selten drin, obwohl Maxi Pereira schon mit sechs Jahren einem Verein beigetreten war. Doch Bella Vista Montevideo war stets knapp bei Kasse und konnte die Kinder nicht entscheidend fördern.

Kein Heimaturlaub, um einfacher Fuß zu fassen

Pereira nahm die Chance, die sich nun in Portugal bot, beim Schopfe und haute sich richtig rein. Er verzichtete sogar auf Heimaturlaub, um sich bei Benfica besser zurecht zu finden. Bis 2015 standen 212 Ligaeinsätze zu Buche, drei Meisterschaften und vier Pokalsiege. International reichte es für den Topklub zum Finale der Europa League 2014, das allerdings der FC Sevilla für sich entschied. 2015 zog Pereira für seinen letzten großen Vertrag zum FC Porto weiter, wo weitere Trophäen bislang jedoch ausblieben.

Uruguays Aufstieg in die Top Drei Südamerikas und unter die Mitfavoriten um einen vorderen WM-Platz ist zwar nicht mit dem Namen Pereira verknüpft. Zu unauffällig, bescheiden, zurückhaltend agiert der inzwischen 34-jährige Abwehrroutinier auf und neben dem Platz. Doch das Halbfinale 2010 in Südafrika nutzte Pereira zum 2:3-Anschlusstreffer gegen die Niederlande - sein erstes von drei Länderspieltoren in inzwischen 125 Spielen. Platz vier war für den Weltmeister von 1930 und 1950 ein großer Erfolg. Ein Jahr später siegte Uruguay bei der Copa America, Maxi Pereira stand in allen Partien über die volle Spielzeit auf dem Platz.

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Für sein letztes großes Turnier hat sich der Rechtsverteidiger in Russland im Übrigen etwas Besonderes ausgedacht. Gegenüber der heimischen Presse verriet Pereira allerdings nur, dass er der Mannschaft etwas versprochen habe, wenn er in Russland ein Tor erzielen sollte. Man darf gespannt sein.