WM-Analyse: Mexiko - die kleine Erbse ist längst groß

Javier Hernandez ist in Mexiko eine Ikone des Fußballs. Foto: dpa

Javier Hernandez ist schon längst aus seinem Spitznamen herausgewachsen. Könnte man meinen. Doch Chicharito, wie der mexikanische Starangreifer genannt wird, hat mit seiner...

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. Von Nils Salecker

Chicharito – kein Spieler Mexikos, dem WM-Gegner der DFB-Elf an diesem Sonntag, ist weltweit bekannter. Die „kleine Erbse“, die Übersetzung des Spitznamens von Javier Hernandez, ist längst zur großen Erbse geworden, zu „ChichaDios“, wie einige mexikanische Fans mittlerweile sagen: zur Gott-Erbse. Die meisten deutschen Fußballfans werden ihn von seiner Zeit bei Bayer Leverkusen kennen. Von Herbst 2015 an trug er zwei Spielzeiten lang das Trikot der Werkself, ehe er zurück auf die Insel zu West Ham United wechselte. Wirklich voll eingeschlagen hat Chicharito in Leverkusen zwar nicht, seinem Ansehen in Mexiko geschadet hat das aber nur unwesentlich, hier ist er unantastbar.

Javier Hernandez Balcazar lautet der bürgerlicher Name des mexikanischen Fußball-Gotts komplett. Nicht die eigene Körpergröße, die mit 1,75 Metern durchschnittlich ausfällt, als vielmehr die Größe und Augen seines Vaters Javier Hernandez Senior brachten ihm den Spitznamen Chicharito ein. Hernandez Senior hatte sattgrüne Augen, bekam den Kosenamen: El Chicharo – die Erbse. Sein Sohn dementsprechend: die kleine Erbse.

Fußballergen in der Familie

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Auch Hernandez Senior war Fußballprofi, gleichfalls Chicharitos Opa Tomas Balcazar, die beide auch in mexikanischen WM-Kadern standen. Papa Hernandez 1986 bei der Heim-WM in Mexiko, wo er aber nicht zum Einsatz kam, und Opa Tomas Balcazar 1954 in der Schweiz, wo ihm gegen Frankreich (2:3) ein Treffer gelang. Wenn also jemandem das fußballerische Talent in die Wiege gelegt wurde, dann ist das Javier Hernandez Junior.

Groß gezogen hat den jungen Fußballer neben seiner Familie auf der nächsten Stufe kein geringerer als Sir Alex Ferguson: Der Trainer lotste Chicharito 2010 zu Manchester United, hier schaffte er den Durchbruch, wurde zwei Mal englischer Meister und kam ins Champions-League-Finale (gegen Barcelona 2011 verloren). Im Anschluss an die Zeit mit Coach Ferguson kam Chicharito in Manchester immer seltener zum Zug, wechselte zu Real Madrid. Wenn auch er hier nicht aus der zweiten Reihe hervortreten konnte, seinem Ansehen in Mexiko hat auch das nicht geschadet.

30-Jähriger für Mexiko ein perfektes Aushängeschild

Chicharitos Glamour übertüncht gar die der mexikanischen Fußballlegende Rafael Marquez, der als 39-Jähriger in Russland übrigens auch im WM-Kader steht. Mittlerweile ist Chicharito 30 Jahre alt. Längst ist er nicht nur in die Fußstapfen seines Opas und Vaters getreten, sondern hat viel mehr eigene gesetzt. Er ist das Aushängeschild der Nationalmannschaft: Rekordtorschütze, Werbestar und vor allem einer der wenigen hoffnungsvollen lateinamerikanischen Kicker, die nicht nur den Durchbruch in Europa, sondern auch den Sprung zu den ganz großen Klubs schafften.

Kurzum: Javier Hernandez macht die Mexikaner stolz. Er ist der Spieler, dessen Name als erstes fällt, wenn man mit Mexikanern über Fußball redet. Im Land der Mayas wird er verehrt wie andernorts Cristiano Ronaldo in Portugal oder Lionel Messi in Argentinien.

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Und auch ein WM-Tor hat Chicharito bereits auf dem Konto: 2010 traf er – wie sein Opa – gegen Frankreich (2:0).