WM-Analyse: Island - wenn Eiseskälte stark macht

Alfred Finnbogason hat sich in der Bundesliga zu einem Goalgetter gemausert. Und auch für Island ist der Stürmer äußerst wertvoll. Foto: dpa

Alfred Finnbogason war nicht immer ein bärenstarker Knipser wie in Augsburg. Aber er war schon immer eingefleischter Isländer. Was auch sonst, wenn man als Wikinger...

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. Von Frederik Voss

Erst Europa und jetzt die ganze Welt? Sie erinnern sich noch an die Europameisterschaft vor zwei Jahren in Frankreich: Da war diese kleine Insel aus dem Norden Europas, die bei der EM für Furore sorgte. Island war in aller Munde, schaffte es ins Viertelfinale und Smartphone-Apps machten sogar hierzulande aus Dieter Meier und Michael Schulze ruckzuck einen echten Wikinger-Namen. Augsburgs Alfred Finnbogason braucht keine App, der heißt wirklich so. Geht ja auch gar nicht anders, wenn man in der Fußball-Metropole Reykjavik geboren wurde.

Der 29-jährige Stürmer gehört zur „goldenen Generation“, wie Petur Petursson (auch echt ohne App) Islands aktuelle Auswahl gegenüber der „Deutschen Welle“ bezeichnet hat. Petursson muss es wissen. Er war schon Co-Trainer der Nationalmannschaft und leitet die Einheiten bei Breidablik UBK, wo auch Finnbogason in der Jugend kickte. Dass sich fußballerische Wege auf der Insel kreuzen, verwundert bei knapp 334.000 Einwohnern nicht besonders. Bei einer Weltmeisterschaft gab es nie ein Land mit weniger Einwohnern (Ja, sogar in Trinidad & Tobago leben mehr Menschen).

Erste fußballerische Schritte in Eiseskälte

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Alfred Finnbogason startete 1995 bei Fjönir Reykjavik mit dem Kicken. Zehn Jahre später landete er bei Breidablik UBK – einem durchaus erfolgreicheren Erstligisten in der Pepsideild, wie Islands erste Liga benannt nach dem Cola-Produzenten heißt. Dort spielen sie im Frühjahr und im Sommer und damit wird auch schon deutlich, unter welchen Umständen Finnbogason das Kicken lernte: Es war vor allen Dingen saukalt da oben auf der Insel.

Und weil das auch heute noch so ist, hat sich in den vergangenen Jahren viel getan in Islands Fußball und alle, die nach dem Rezept für die Erfolgsgeschichte des Wikinger-Fußballs suchen, landen unweigerlich bei der verbesserten Infrastruktur: immer neue Soccerhallen, Kunstrasen und überdachte Plätze. Auch wenn Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson nur rund 100 Profis hat, wie er im Gespräch mit dem Tagesspiegel nach der erfolgreichen WM-Qualifikation erklärte, so sind doch erstaunlich viele qualifizierte Trainer in Island unterwegs.

Und ihre Besten, die schicken sie dann auch ganz schnell ins Ausland. Da funktioniert die Fußball-Welt in Island nicht anders als sonst wo. Bei Alfred Finnbogason ging es sogar noch etwas schneller: Weil sein Vater die Familie Ende der 1990er-Jahre mit nach Schottland nahm, kickte der kleine Alfred als Zehnjähriger bereits ein Jahr lang auf der anderen Insel.

Europa-Tournee läuft mehr schlecht als recht

Zurück in Island ging es erst wieder zu Fjönir Reykjavik, 2005 dann in die Jugend von Breidablik UBK. Den Klub schoss Finnbogason 2010 in der ersten Liga mit 14 Toren zur ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Das bekamen sie auch anderswo mit, und so wechselte Finnbogason 2010 nach Belgien zu Sporting Lokeren. Auf eine Leihe zum schwedischen Helsingsborgs IF folgten zwei sehr erfolgreiche Jahre beim SC Heerenveen in den Niederlanden: 53 Tore in 62 Spielen weckten Begehrlichkeiten, und so klopfte Real Sociedad aus der Primera Division an. Genauso wie bei der Leihe zu Olympiakos Piräus lief es dort jedoch nicht mehr überragend.

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Von Augsburg in die ganze Welt?

Das änderte sich dann ab 2016 wieder. Im Winter kam er zum FC Augsburg, schoss drei Wochen nach seinem Bundesliga-Debüt sein erstes Tor für den FCA, ehe er im Sommer bei der EM dreimal eingewechselt wurde. Der Treffer in Frankreich blieb zwar aus, dafür ging die Erfolgsgeschichte in Augsburg weiter. In der gerade abgelaufenen Saison erzielte Finnbogason in 22 Spielen 12 Tore. Und bald kennt ihn vielleicht die ganze Welt.