WM 2014: Frankreich erst stumpf, dann scharf

Enyeama und Pogba. Foto: dpa

Die Spieler schmettern stimmgewaltig die Nationalhymne dahin. "Aux armes citoyens" - "Zu den Waffen, Bürger", so beginnt sie. Doch die Waffen von "Les Bleus" bleiben im...

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. Von Andreas Trapp

Zwei Jahre seines Lebens in Frankreich verbracht, das geht nicht spurlos an einem vorbei. Da drückt man bei Weltmeisterschaften neben den Deutschen auch der Équipe tricolore die Daumen - und pfeift sogar leise die Marseillaise mit.

Nach einer überzeugenden Gruppenphase jetzt also Achtelfinale. Gegen Nigeria. Frankreich klarer Favorit. Da geht was, muss gehen. Mehr als 2010 sowieso, das war ja zum Vergessen. Die Grande Nation glaubt wieder an ihre Mannschaft und die auch an sich selbst.

Unnötige Ballverluste

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Und dann so eine erste Halbzeit. Wie 2010, zum Vergessen. Wirklich. Nichts von der Euphorie der Gruppenphase scheinen die Musketiere mitgenommen zu haben. Deschamps Gefechtsplan Richtung Viertelfinale soll über ein 4-1-4-1-System erfolgen. Vorne die Speerspitze Giroud, dahinter die vier offensiv ausgerichteten Adjutanten Valbuena, Pogba, Matuidi und natürlich Benzema.

Vor dem Anpfiff schmettern sie noch lauthals die "Marseillaise" durch das Stadionrund. Mut und Kraft ansingen: "Aux armes citoyens" - "Zu den Waffen, Bürger". Doch die Waffen der Franzosen stechen gegen Nigeria nicht. Bleiben stumpf. Jedenfalls zunächst. Stockfehler, Fehlpässe, unnötige Ballverluste. Benzema und Giroud - keine Harmonie. Matuidi und Valbuena - wie Musketiere ohne Säbel. Einzig Pogba weiß zu überzeugen, sorgt für Gefahr.

Griezmann bringt die Wende

Das kann dem König, darf dem König nicht gefallen. Deschamps muss reagieren. Tut dies aber erst in der 62. Minute. Griezmann für Giroud. Der goldene Schachzug des Truppenleiters. Der 23-Jährige bringt die fehlende Verve zurück in die Vorwärtsbewegung der Franzosen. Und damit die benötigten Chancen für ein Tor: Zunächst muss Moses kurz vor der Linie klären, dann trifft Cabaye mit einem starken Schuss aus der Distanz nur die Latte. Nigeria, das in der ersten Halbzeit die Führung durchaus verdient gehabt hätte, unter Druck, immer stärker werdendem Druck, zu starkem Druck.

Denn der bis dato so überzeugend agierende Torhüter Enyeama begeht einen Fehler. Und das rächt sich meist. Wie in diesem Fall: Paul Pogba kann in der 79. Minute den Ball zum Führungstreffer der Franzosen in die Maschen köpfen. Zu diesem Zeitpunkt kann man sagen: verdient. Es war die vierte französische Großchance und gleichzeitig der Todesstoß für Nigeria.

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Was folgt, ist das 2:0 in der Nachspielzeit. Ein Eigentor. Frankreich verlässt das Feld als Sieger. Doch fürs Viertelfinale müssen die Waffen auf jeden Fall neu gewetzt, neu justiert werden. Denn dort, ja dort warten Jogis Jungs. Allons enfants.