Wir backen das

Franz Beckenbauer. Foto: dpa

Die Zeit der Weihnachtsmänner ist gekommen. Während Beckenbauer noch überlegt, wieviele tausend Seiten er noch ohne Hinzuschauen unterschrieben hat, konnten...

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. Advent, Zeit der Besinnlichkeit. Die Zeit, in der sich Franz Beckenbauer überlegt, welche tausendseitigen Schriftsätze er noch so unterschrieben hat, ohne hinzuschauen, wie jetzt in der Sache mit den unbekannt verzogenen 6,7 Millionen im Zusammenhang mit dem Sommermärchen 2006. Wobei: ohne hinzuschauen, das ist bei Ballsportarten schon eine besondere Fähigkeit. Alle auf dem Platz denken: „Der guckt so blöd, innerlich bohrt er wahrscheinlich in der Nase“, aber in Wahrheit kommt dann, eben ohne hinzuschauen, der tödliche Pass in die Tiefe des Raums. Beim amerikanischen Basketball ist dann vom „no look pass“ die Rede. * Wobei sich im Fall Beckenbauer die Frage stellt, ob so etwas Ähnliches bei der legendären Weihnachtsfeier des FC Bayern vorgefallen ist (wobei „vorgefallen“ in diesem Kontext ein problematischer Begriff ist), jener Weihnachtsfeier, wo neun Monate später die Sekretärin und spätere Ehefrau Beckenbauers ein Kindlein gebar. Ob in der Krippe mit Ochs oder Esel, welchem auch immer – ist nicht überliefert. * Nun beginnt auch die hohe Zeit der Plätzchen und der Weihnachtspost, und in Anlehnung an einen weltberühmten Spruch einer weltberühmten deutschen Politikerin steht das dieses Jahr natürlich unter dem Motto „Wir backen das“, respektive „Wir packen das.“ * Da kommt es wie gerufen, dass uns die „Gütegemeinschaft Kerzen“ wieder einmal eine Mail zukommen lässt: „Die Kerzentrends für Weihnachten.“ Klar. Osterdeko wär jetzt auch in bisschen blöd. Allerdings geht die Gütegemeinschaft Kerzen diesmal ganz schön zur Sache, so kennen wir die noch gar nicht: „Weihnachten 2015 wird unkonventionell unter dem Motto: Alles ist erlaubt.“ Naaaa? Hören wir da eine gewisse Frivolität? Alles kann, nichts muss? Hoo, hoo, hoo, um mit dem Nikolaus zu sprechen, der schon mal seine Rute holt. Ferner empfiehlt die Gütegemeinschaft „kleine Mitbringsel aus dem Wald, wie Beeren oder Zapfen“. Wie meinen? Nein, nicht Bären! Beeren! Nicht zuletzt noch eine Empfehlung für ein ganz besonderes Produkt: „Kurz bevor die Kerze herunterbrennt, sorgt ein Patent für ein selbstständiges Verlöschen der Flamme.“ Super. Wir werden dieses Meisterwerk der Kerzenmacherkunst dem DFB wärmstens empfehlen, denn dort wird ja bislang geheizt, bis der Docht glüht und die Bude brennt. * Wir wissen nicht, ob Ursula von der Leyen die Bundeswehr künftig mit dieser Art von Kerzen ausrüsten will, zur inneren Erleuchtung, zu seelischem Trost oder zu Fürbitten, wenn das wunderbare Gewehr G 36 mal wieder um die Ecke geschossen hat. Die Bundeswehr soll Frankreich im Kampf/Krieg gegen den IS unterstützen. Und da hat die Ministerin jetzt gesagt: „Das ist ein gefährlicher Einsatz.“ JA! JA! JA! Frau von der Leyen, wir lieben Sie für diese, fast hätten wir gesagt: entwaffnende Klarheit! Ganz großartig. Und wir sind total positiv überrascht! War da, vom G 36 mal abgesehen, nicht vor Kurzem auch die Rede von einem Marinehubschrauber, der wasserscheu war und nicht mal sein Freischwimmerzeugnis geschafft hatte? War wohl alles nur Gewäsch von Zivilisten-Weicheiern. Und jetzt zur Frankreich-Unterstützung: Tornados, Tankflugzeug und Satellitenaufklärung – von der wir hoffen, dass es sich nicht bloß um Google Map handelt! Also, geht doch! Nach dem alten Bundeswehr-Motto: „Probleme? Lassen Sie sich was einfallen! Und wenn die Kuh das Gras nicht frisst, dann werden wir die Wiese betonieren!“ * „Totalausfall im Landtag“ lesen wir in dieser unserer Zeitung. Es geht um das rheinland-pfälzische Parlament. Reflexartig fragen wir uns: Waaas? Nur einer? Na, wenn das mal stimmt! Aber dann lesen wir: „Abgeordnete konnten tagelang keine Mails verschicken“. Ey, Leute, Ihr sollt arbeiten für mein Steuergeld und nicht am Computer rumspielen! Ganz böse Zungen behaupten, es habe lange gedauert, bis die Sache überhaupt auffiel. Erst, als auf einem Bildschirm ein Dokument mit dem Dateinamen „Bimbes“ aufgetaucht sei mit dem Anschreiben „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kohl, lieber Helmut....“ sei klar gewesen, dass was nicht stimmt. Laut unserer knallharten Recherche wollte der Pressesprecher die Sache herunterspielen. Als falsch stellten sich immerhin Gerüchte heraus, der Landtag habe alte Fernschreiber, Schreibmaschinen und Fotokopierer aus dem Keller geholt sowie den einen oder anderen Taubenschlag für den Einsatz von Brieftauben geordert. Wobei manche behaupten, im Landtag gehe es sowieso zu wie in einem Taubenschlag.