Wiederwahl von Emmanuel Macron stößt auf positive Reaktionen

Emmanuel Macron, wiedergewählter Präsident  Frankreichs, feiert mit seinen Anhängern auf dem Champ de Mars. Foto: dpa/AFP/Thomas Coex

Frankreichs Präsident Macron hat die Stichwahl gegen Le Pen gewonnen. Politiker aus Deutschland und Europa sind erleichtert. Dreyer: Sieg ist gut für Europa und Rheinland-Pfalz.

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PARIS. Frankreichs liberaler Präsident Emmanuel Macron hat die Präsidentschaftswahl nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 58,55 Prozent der Stimmen klar gewonnen. Er büßte allerdings im Vergleich zur Wahl von 2017, als er auf 66,1 Prozent kam, deutlich an Stimmen ein. Seine Herausforderin Marine Le Pen kam auf 41,45 Prozent der Stimmen, teilte das Innenministerium in Paris mit. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei rund 72 Prozent.

Am späten Abend kündigte Macron für seine kommende Amtszeit einen Umgang mit den Franzosen auf Augenhöhe an. "Wir müssen auch wohlwollend und respektvoll sein", sagte Macron am Sonntagabend vor Hunderten Anhängern in Paris. "Denn unser Land steckt tief in Zweifeln und Spaltung. Wir müssen stark sein, aber niemand wird am Wegesrand zurückgelassen."

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Macrons Sieg ist vor allem als Niederlage Le Pens zu verstehen. Etliche Parteien riefen nach der ersten Wahlrunde dazu auf, eine Mauer gegen Rechts zu bauen und eine Präsidentin Le Pen, die trotz betont gemäßigteren Auftretens weiterhin extrem rechte Positionen vertritt, durch eine Stimme für Macron zu verhindern. Der 44-Jährige profitierte zudem angesichts des Ukraine-Krieges vom Wunsch nach Stabilität. Dennoch sind viele Franzosen mit Macrons erster Amtszeit unzufrieden und empfinden seinen Politikstil als arrogant.

Der Wahlsieg Macrons dürfte eine große Erleichterung für Deutschland und Europa sein, auch wenn der charismatische Liberale bei weitem nicht überall der Wunschpartner ist. Seine Widersacherin wollte sich von der seit Jahrzehnten engen Zusammenarbeit mit Deutschland lossagen. Die europaskeptische Nationalistin Le Pen strebte zudem danach, den Einfluss der Europäischen Union in Frankreich entscheidend einzudämmen, und hätte in Brüssel etliche Vorhaben aus Eigeninteressen ausbremsen können. Nicht zuletzt ihre Nähe zu Kremlchef Wladimir Putin schürte Sorgen, die feste Pro-Ukraine-Front des Westens könnte unter Le Pen bröckeln.

Jubel vor dem Eiffelturm in Paris als die ersten Hochrechnungen bei der Präsidentschaftswahl präsentiert werden. Foto: dpa/Christophe Ena
Jubel vor dem Eiffelturm in Paris als die ersten Hochrechnungen bei der Präsidentschaftswahl präsentiert werden. (© dpa/Christophe Ena)

Malu Dreyer: Sieg Macrons ist gut für Europa und Rheinland-Pfalz

Der Sieg von Amtsinhaber Emmanuel Macron bei der französischen Präsidentschaftswahl ist nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) "gut für Europa und Rheinland-Pfalz". Als direkter Nachbar Frankreichs strebe Rheinland-Pfalz eine weiterhin enge Zusammenarbeit etwa bei der Bewältigung der Corona-Pandemie, der Anerkennung von Berufsabschlüssen und im Bereich Mobilität an, sagte Dreyer am Montag.

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"Emmanuel Macron ist nicht nur ein engagierter Kämpfer und Verteidiger der europäischen Werte, er sucht auch den deutsch-französischen und den transatlantischen Schulterschluss - beide Stränge sind für den Frieden in Europa unverzichtbar", betonte die Regierungschefin mit Blick auf den russischen Krieg in der Ukraine.

Die SPD-Landtagsfraktion zeigte sich erleichtert über die Wahlniederlage der Nationalistin und EU-Skeptikerin Marine Le Pen. Dies sei ein "Sieg für die Demokratie und die Freiheit nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa", erklärte die Fraktionsvorsitzende Sabine Bätzing-Lichtenthäler.

Die Grünen bezeichneten die Wahl Macrons als eindeutiges Votum für eine europafreundliche Politik. Die Bedrohung für das friedliche Zusammenleben durch den russischen Krieg gegen die Ukraine, die Klimakrise und die Corona-Pandemie seien ohne europäische Zusammenarbeit nicht zu bewältigen, sagte der Landesvorsitzende Paul Bunjes.

Glückwünsche aus Deutschland

Dementsprechend fielen auch die Reaktionen deutsche Spitzenpolitiker der Ampel-Koalition und der Union am Abend aus. Sie haben dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Wiederwahl gratuliert - und teilweise ihre Erleichterung kundgetan. Bundeskanzler Olaf Scholz hat die Wiederwahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron als Bekenntnis zu Europa gewürdigt. "Félicitations, herzliche Glückwünsche, lieber Präsident @EmmanuelMacron", gratulierte der SPD-Politiker am Sonntagabend auf Twitter. "Deine Wählerinnen und Wähler haben heute auch ein starkes Bekenntnis zu Europa gesendet. Ich freue mich, dass wir unsere gute Zusammenarbeit fortsetzen!"

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem französischen Präsidenten zur Wiederwahl gratuliert. "Ich freue mich darüber, dass die französischen Wählerinnen und Wähler Ihren proeuropäischen Kurs mehrheitlich unterstützen", schrieb Steinmeier nach Angaben des Bundespräsidialamts vom Sonntagabend. "Ihre Wiederwahl ist auch für uns Deutsche eine gute Nachricht."

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) sprach am Sonntagabend auf Twitter von einer "guten Nachricht für Europa und für die Fortsetzung der Deutsch-Französischen Freundschaft". "Sicher fällt gerade nicht nur mir ein Stein vom Herzen", twitterte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne).

Der FDP-Vorsitzende und Bundesfinanzminister Christian Lindner sprach von einer "Richtungswahl". "Es ging um grundsätzliche Wertefragen", schrieb er ebenfalls auf Twitter. "Entschieden haben sich die Französinnen und Franzosen für Macron. Damit ist das vereinte Europa die größte Gewinnerin dieser Wahl." CDU-Chef Friedrich Merz erklärte auf dem gleichen Wege, auch Europa habe heute gewonnen. "Jetzt ist ein neuer Anlauf für deutsch-französische Zusammenarbeit möglich und nötig!"

Grünen-Chef Omid Nouripour kombinierte seine Gratulation an Macron mit der Einschätzung, die "Normalisierung extremistischer Diskurse" im französischen Wahlkampf sei eine Mahnung. "Es gilt, mit aller Kraft für Demokratie & Freiheit einzutreten und unsere europäischen Werte zu verteidigen."

Auch die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola hat dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu seiner "sehr erfolgreichen Wiederwahl" gratuliert. Sie freue sich auf die weitere Zusammenarbeit mit Frankreich im Rahmen der derzeitigen französischen EU-Ratspräsidentschaft und um die Herausforderungen in einer zunehmend unsicheren und beunruhigenden anzugehen. Eine starke EU brauche ein starkes Frankreich, schrieb Metsola am Sonntag auf Twitter.

Der ukrainische Botschafter in Paris, Wadym Omeltschenko, schrieb am Sonntagabend auf Twitter, er sei "überzeigt, dass dieser Sieg der Unterstützung der Ukraine, welche auf seine Freunde und Partner setzt, weiter Kraft verleihen wird". Er nannte den Sieg Macrons zudem einen "Sieg des französischen Volks, das die gleiche Sprache des Widerstands und der Freiheit spricht".

Die gescheiterte rechte Präsidentschaftsanwärterin Marine Le Pen hat ihre Niederlage derweil eingeräumt, aber angekündigt, weiter politisch aktiv bleiben zu wollen. "Ich werde mein Engagement für Frankreich und die Franzosen fortführen mit der Energie, der Beharrlichkeit und der Zuneigung, die Sie von mir kennen", sagte Le Pen am Sonntagabend vor Anhängern in Paris. Denn Macron werde nichts tun, um die Spaltung im Land zu reparieren. "Ich habe heute keinen Groll."

Von dpa