Wie man sich bettet…

Letztlich schwanken wir doch alle zwischen Traum und Trauma. Doch wer hört, was beim Thüringer Verfassungsschutz los war, weint nur noch hemmungslos in die Kissen.

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. Lustige Themen diesmal. Der Bundestag. Also. Er ist beschlussfähig, "wenn mehr als die Hälfte seiner Mitglieder im Sitzungssaal anwesend ist", entnehmen wir der Homepage "Deutscher Bundestag". Relevant ist also offenbar die rein körperliche Anwesenheit. Insofern ist die Geschäftsordnung des Bundestags noch nicht so weit wie andere Rechtsregeln, etwa im Zivilrecht, wo es entscheidend auf Geschäftsfähigkeit oder Testierfähigkeit ankommt, oder das Strafrecht, das auf die Schuldfähigkeit abhebt. Selbst im Zentralkomitee der KPdSU der früheren Sowjetunion agierte man subtil: Einem Bonmot zufolge lautete dort der Tagesordnungspunkt 1 stets: "Ein Arzt stellt fest, ob die Mitglieder des ZK noch leben", mithin abstimmungsfähig waren.

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Möglicherweise werden einige der Bundestagsabgeordneten, die am 28. Juni über das neue Meldegesetz abstimmten, auf eigene verminderte Schuldfähigkeit plädieren, weil gerade in den Minuten der Abstimmung das unsägliche Halbfinale Deutschland - Italien im Fernsehen lief und sich kein Schwein für das Meldegesetz interessierte. Obwohl man angesichts des de¬s¬aströsen Spielverlaufs gerne hätte rufen mögen: "Haaallooo, deutsche Hintermannschaft, wo bist du, melde dich!!!" Es wurde abgestimmt, obwohl nur einige Dutzend Parlamentarier anwesend waren, weil niemand Zweifel an der - körperlichen - Beschlussfähigkeit anmeldete. Und so wurde ein Gesetz beschlossen, wonach Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, sich immer vorher bei seiner Ehefrau abmelden muss, wenn er sich mal wieder bei einer aushäusigen Dame anmeldet...Kleiner Scherz. Nein, ins Kleingedruckte des Gesetzes hatte irgendjemand hineingeschrieben, dass der Bürger sich melden und widersprechen muss, wenn seine Meldedaten nicht weitergegeben werden sollen.

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Furchtbare Aufregung ist dann auch entstanden, weil die Abstimmung 57 Sekunden dauerte. "Nur" 57 Sekunden? Nun, das ist wie alles im Leben relativ. 57 Sekunden mit der Hand auf der heißen Herdplatte können sich ziemlich hinziehen. Oder anderes Beispiel, nun, äähhmm, also, nennen wir es mal gemütliches Beisammensein mit einem Partner/einer Partnerin. Wenn der/die attraktiv ist, sind 57 Sekunden relativ schnell. Ist das nicht der Fall, kommt manche(r) aber vielleicht sogar auf die Idee zu sagen: Na, dann lieber 57 Sekunden mit der Hand auf der heißen Herdplatte.

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A propos "nur" 57 Sekunden. Wieder mal hängt alles mit allem zusammen. 150 Euro?! Ins Hotel?! Wir erinnern uns, weinend vor Freude, an das legendäre Interview, in dem Bettina Schausten (ZDF) dem weiland noch amtierenden Bundespräsidenten Christian Wulff mit treuherzigem Augenaufschlag dringend ans Herz legte, ihrem Beispiel zu folgen und auch von Freunden beim Privatbesuch, nun, sagen wir mal: Übernachtungshonorar zu fordern, auf dass alles seine Ordnung habe. Man hätte eigentlich ein Rechtsgutachten in Auftrag geben sollen, ob das juristisch auch unter "Bettensteuer" fällt, aber das Bundesverwaltungsgericht hat uns am Mittwoch aus allen Träumen gerissen und gesagt: Bettensteuer nicht, wenn es geschäftlich ist. Nun. Das eröffnet völlig neue Horizonte. Dem Betrug sind Hotel-Tür und -Tor geöffnet! Man stelle sich vor: Ehepaar, 30 Jahre verheiratet, gemeinsam im Doppelzimmer in der Sommerfrische, der Wirt pocht wütend an die Tür: "Habt ihr denn auch schön Eure Bettensteuer bezahlt?!" "April, April", kommt es von drinnen fröhlich vom Ehemann zurück, "ist rein geschäftlich, äätsch, die Dame ist meine Sekretärin, ich diktiere!"

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Kommen wir zum Schluss zur Abteilung "irre - gaga - durchgeknallt". Leider ist es keine Satire. Wir entnehmen Spiegel online und Süddeutscher Zeitung Folgendes:Ein gewisser Helmut Roewer war von 1994 bis 2000 Chef des thüringischen Verfassungsschutzes. Das ist jene Truppe, die die Verfolgung der Neonazi-Mörderbande NSU versaut hat. Roewer sei mitunter barfuß herumgelatscht und habe dann seine schmutzigen Füße auf den Schreibtisch gelegt. Die Begriffe "kalte Füße bekommen" und "das zieht einem die Schuhe aus" sehen wir da in neuem Licht. Barfuß erstaunt auch insofern, als der damals zuständige thüringische Innenminister Schuster heißt, Franz Schuster. Der weiß nicht, wer Roewer damals zum Verfassungsschutzchef machte, und warum. Roewer selbst weiß es auch nicht mehr und sagt, er sei betrunken gewesen und morgens mit der Ernennungsurkunde aufgewacht. Normal, ey. Der Spion, der aus der Kneipe kam. Ferner hielt Roewer angeblich sogenannte Mondscheinkonferenzen ab, mit weiblichen Bediensteten, von denen eine schwanger wurde. Alte Bauernregel: "Die Weiber und der Suff//die reib‘n den Menschen uff." Roewer bewegte über eine Pseudo-Firma hunderttausende D-Mark und zahlte einer Quelle "Günter" mal eben 30.000 in bar. Das Blöde: Günter existiert wahrscheinlich nicht. Im Jahr 2000 wurde Roewer gefeuert. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Untreue und Betrugs in 48 besonders schweren Fällen. Aber, oh Wunder: 2010 wurde der Prozess gegen Zahlung einer Geldauflage von 3000 Euro eingestellt. Zahlungsempfänger? Womöglich Günter?

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Wie meinen? Ja, der Erfurter Dom steht noch, und, nein, Al-Quaida stellt nicht den thüringischen Ministerpräsidenten. Was ein reines Wunder ist, bei solchen Verfassungsschützern.