"Wie heißt nochmal der Trainer?" - Als Volontärin in der...

Berichterstattung über ein Bundesligaspiel beim VCW? Für Eva Bender kein Problem. Archivfoto: Detlef Gottwald

Jeder hat ja so seine Favoriten. Auch Volontäre haben ihre Lieblings-Ressorts, die ihnen einfach im Blut liegen. Die Arbeit in der Sportredaktion zum Beispiel ist für manche...

Anzeige

. "Eva, was sagst du denn dazu", fragt der Sportredakteur. Ich schrecke aus meinen Gedanken. "Geht es um Fußball?", lächle ich tapfer. Mein Start in der Sportredaktion ist ganz genauso, wie ich ihn erwartet habe. Alle reden schnell, jonglieren mit Personalien und Sportarten, werfen Ligen durcheinander und fragen dann so wunderbar naiv, ob ich noch Fragen habe. Ja habe ich. "Um welche Sportart geht’s denn jetzt?" "Dein Ernst? Das weißt du wirklich nicht?"

"Ich habe wirklich nicht viel Ahnung von Sport"

Klar ist das mein Ernst. Eigentlich dürfte ja nun wirklich niemand überrascht sein. Wochenlang habe ich meine zukünftige Redaktion vorgewarnt: "Ich habe wirklich nicht viel Ahnung von Sport. Vielleicht nehmt ihr euch besser doch eine andere Volontärin?" Ergebnislos. Entweder sie nehmen mich nicht ernst oder sie sind ziemlich mutig. In jedem Fall bin ich sicher, sie werden es bereuen.

Ich bin ja gar nicht stolz darauf so ein Sport-Muffel zu sein. Es geht mir sogar ganz und gar gegen mein weibliches Selbstbewusstsein. Ich erfülle höchst ungern dieses Klischee. Nur hatte ich gehofft, diesen Makel gekonnt zwei Jahre lang verstecken zu können. Schließlich wird Sport ja wohl kaum eine Station in meinem Volontariat sein, oder? Ich meine, dafür braucht man doch eine spezielle Ausbildung, oder? Falsch gedacht.

Anzeige

Als ich bei der Pressekonferenz des Volleyball-Bundesligisten sitze, kurz vor Saisonbeginn, fühle ich mich ziemlich kleinlaut. Sicher sieht jeder, dass ich hier nicht hingehöre. Ich weiß ja nicht einmal, wie viele Spieler beim Volleyball auf dem Platz.. ähh.. Feld stehen. "Eva wird mir in den nächsten Wochen bei der Volleyball-Berichterstattung helfen", stellt mich der Chef dem Trainer vor. Na toll.

Feuertaufe in der Bundesliga

Zwei Monate später sitze ich am Spielfeldrand. Alleine. Zum ersten Mal. Meine Hand rast über mein Notizbuch, während ich die Volleyball-Partie gegen Dresden beobachte und versuche einfach alles aufschreiben. In den vergangenen Wochen habe ich viele Spiele gesehen, habe beobachtet, wie sich ein Sportreporter verhält, welche Fragen er stellt und mit wem er spricht. Und inzwischen weiß ich: Es ist kein Hexenwerk. Man muss sehr viel lernen und dranbleiben, dann funktioniert's. Doch nach meinen ersten sechs Monaten Volleyball ergibt sich nun leider ein neues Problem: Was mache ich während der Bundesliga-Pause?

Von Eva Bender