Wer bestäubt die FDP?

Christian Lindner - erst das Haar erneuert, dann die FDP? Foto: dpa

Die liberalen Wurzeln sind manchmal ganz woanders als man denkt.

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. Es hatte ja schon lange schlecht gestanden um die FDP. Und da hatte sich Christian Lindner, der jetzt Vorsitzender werden muss, die Haare gerauft und gerauft und gerauft. Und wer so malträtiert wird, der wird irgendwann zum Totalausfall, das kennen wir aus der Bundesliga. Außerdem war es zusätzlich so wie bei dem Vater oder der Mutter, die zu den Kindern, die immer nur Sorgen machen und Geld kosten, sagen: Ihr fresst uns die Haare vom Kopf.

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Eines Tages fiel es Christian Lindner wie Schuppen aus den spärlich verbliebenen Haaren: Ich muss was tun. Und dann machte er das, was alle heute machen: eine Befragung. Zum Beispiel macht ja die SPD eine Mitgliederbefragung, weil Gabriel keinen A... in der Hose hat, die Kiste mit Mutti allein durchzuziehen. Überhaupt: Die SPD war ja zu Tode erschrocken! Ein Schock!! Wie, mitregieren?! Wir?? Geht‘s noch? Wär‘ doch so schön gewesen sich einzumummeln in der Opposition. Und in vier Jahren dann volle Kanne mit der neuen Kanzlerkandidatin, Hannelore Kraft, Mutti Reloaded. Die hat sich eine grundlegend neue Frisur zugelegt, und wenn Frauen so was tun - also nicht nur so Kleinkram wie von total blond auf total schwarz oder umgekehrt - dann passiert meistens was.

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Aber jetzt erstmal zurück zu Christian Lindner. Er startete eine Befragung unter seinen Haaren: "Wollt Ihr mehr werden?" "Na klar", riefen die, "wenn man als liberales Haar so klein gemacht wird, haarklein sozusagen, dann kannst du Zuwachs immer brauchen." Und so ließ Christian Lindner eine Haartransplantation an sich vornehmen, genau wie kürzlich Jürgen Klopp, der Trainer von Borussia Dortmund, die Gelben lernen voneinander. Verpflanzt wurden nicht nur die Haare selbst, sondern auch die sogenannten Follikel, jene Strukturen in der Kopfhaut, die die Haarwurzeln umschließen. Das macht Sinn, will Lindner die FDP doch wieder zu ihren liberalen Wurzeln zurückführen. Verhandlungen zwischen Lindner und Klopp, dass Lewandowski zur FDP verpflanzt wird, zerschlugen sich allerdings.

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Wenn das Haar lichter wird, spricht man gemeinhin von Lichtungen, und so entschloss sich Christian Lindner zu einer Aufforstung um 9,9 Prozent, das ist die Differenz zwischen den FDP-Wahlergebnissen 2009 und 2013. "Ach ja", seufzte Lindner, "wir waren echt auf dem Holzweg." Wie wahr, und nicht mal er kann sich da ganz freisprechen, denn der Name "Lindner" rührt laut Wikipedia als sogenannter Wohnstättenname eindeutig von dem Baum "Linde". Der Begriff "das bringt mich auf die Palme" gewinnt in diesem Licht eine neue Facette: die Linde als Palme der FDP. Insgesamt ist das aber eine positive Entwicklung, denken wir nur an den Ausspruch von Jürgen Klinsmann zur Aufmunterung seiner Jungs vor dem Sommermärchen 2006: "Da brennt der Baum."

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Allerdings fallen schon ein paar Wermutstropen in den Lindenblütentee, wenn wir die Eigenheiten des Baumes "Linde" als Omen ansehen. So heißt es: "Die Knospenschuppen sind früh abfallend". Gut, aber das ist ja dann mit der Haartransplantation in den Griff zu bekommen. Kompliziert ist es mit der Vermehrung, was bei der FDP ja nur heißen kann: Vermehrung der Stimmen. Teilweise komme es bei Linden zur Windbestäubung, was diesmal bei der FDP ja nicht geklappt hat, weil Merkel auf die Avancen der Liberalen in der Wahlkampf-Endphase geantwortet hat: "Komm, schieß‘ in den Wind." In die Geschichte wird das eingehen als die gescheiterte Zweitstimmen-Bestäubung. Ferner lesen wir erschrocken: "Die Linden vermehren sich auch stark vegetativ durch Stockausschlag." Furchtbar! Das klingt nach einer Mischung aus Veggie-Day und häuslicher Gewalt.

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Ferner steht geschrieben: "Unter den Linden werden vor allem die Winter-Linde, die Sommer-Linde und die Holländische Linde, eine Kreuzung der beiden, als Holzquelle verwendet." Schau, schau, unsere kleinen Kreuzungs-Goudas! Oder: Frau Antje, im Sommer wie im Winter. Die Dorflinde sei früher das Zentrum des Ortes gewesen, wo meist auch das Dorfgericht abgehalten wurde. Das passiert dann beim nächsten FDP-Parteitag: Scherbengericht. Lindenholz werde für Frontpartien von Kuckucksuhren benutzt, nicht so gut: den Kuckuck klebt der Gerichtsvollzieher. Aus Lindenholz bestünden auch "Holzköpfe als Modelle für Perückenknüpfer". Womit wir wieder bei der Haartransplantation wären.