Wann schnurrt die Wurst?

Die strahlende ESC-Siegerin: Conchita Wurst entzückt Europa mit ihrem Song - und ihrem Bart. Foto: dpa

Zeitungsreporter fühlen dem Bart der Eurovision-Siegerin Conchita auf den Zahn.

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. Wir kommen ja nicht drumherum. Gran Brüh Eurovision Chamsom, oder, wie wir sagen, die Rache des Warschauer Pakts am Musikantenstadl. Liebe Kinder, wenn es knüppelhart wird in Sachen Männlein/Weiblein, dann erklärt Euren Eltern, wie das alles so ist. Also. Österreich hat gewonnen. Experten sagen: Tu Felix Austria. Nein, das bedeutet nicht, dass Magath österreichischer Nationaltrainer wird. Sondern einfach: Du glückliches Österreich. Stammen soll das aus Zeiten der Habsburger, küss die Hände, mit ihrer Heiratspolitik: "Bella gerant alii, tu felix Austria nube." Wie meinen? Nein, mit Bella Block oder unseren türkischen Mitbürgern hat das nichts zu tun, was seid Ihr wieder albern heute!

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Wir lassen ja gerne mal ein bisschen Latein raushängen. Die Übersetzung heißt: "Kriege mögen andere führen, du glückliches Österreich heirate." Was natürlich völlig verkennt, dass die wirklich hammerharten Kriege oft erst nach der Heirat kommen. Vorbild für den Spruch war wohl die Ilias des Homer, 7. oder 8. Jahrhundert vor Christus, also griechisch, aber noch deutlich vor der Staatsschuldenkrise. Da sprach Zeus angeblich zu Aphrodite:"Dir nicht, mein Kind, sind gegeben die kriegerischen Taten, sondern Du geh‘ aus auf Werke der Liebe und Ehe." Und damit sind wir voll bei Conchita Wurst aus Österreich, der Siegerin des Gran Brüh:Conchita Wurst, Sinnbild von Liebe, Ehe und allem. Außerdem schlägt sich da wie von selbst die Brücke zu Conchitas Landsmann, der als bislang einziger Österreicher den Gran Brüh gewonnen hatte, 1966 mit "Merci, Chérie" - Udo Jürgens. Der versteht ganz viel von Liebe und Ehe, war aber bislang eigentlich immer besser rasiert als Conchita.

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Diese beiden Künstler vereinigt....besser gesagt: verbindet nicht zuletzt, dass sie gesellschaftlich-politische Botschaften haben. Denken wir nur an Udos "Es wird Nacht, Senorita", mit dem schon 1969 der spanische Wirtschafts-Crash prophezeit wurde. "Siebzehn Jahr, blondes Haar" - als hätte er‘s schon 1965 geahnt, dass Manuela Schwesig einmal wichtig werden würde für dieses Land. Oder 1974: "Griechischer Wein". Damit wurde latent vorhergesagt, dass die Griechen uns in der EU niemals reinen Wein einschenken würden. Manche interpretierten das Lied allerdings als Gruß an Costa Cordalis, den einzigen lebenden Griechen, der Zeus und Aphrodite noch persönlich kannte. "Mit 66 Jahren" sang Udo 1978 - als hätte er das Thema "Rente mit 67" erfunden. "Aber bitte mit Sahne" (1976) ist unserem alten Freund, dem Kanzleramtsminister Peter, the Body-Mass-Index Altmaier praktisch auf den Leib geschrieben. "Sag‘ ihr, ich lass‘ sie grüßen" (1965) - eine vorweggenommene Hommage an unsere Verteidigungsministerin von der Leyen, U-Boot-Ursula, wie wir sie nennen, denn jedenfalls früher spielte das Grüßen bei der Bundeswehr eine große Rolle. Du bist zum Hauptmann getrabt, rechte Hand an die Kopfbedeckung, Hand wieder runter, Spruch: "Melde mich wie befohlen." Wieder Hand an die Kopfbedeckung, Hand wieder runter. Abfolge: Gruß - Meldung - Gruß. Soldatenjargon seinerzeit: Kuss - Meldung - Kuss. Wie meinen? Nein, Homosexualität existierte damals in den 70ern nicht in der Bundeswehr. Tja, liebe Frau Ministerin, da ist Ihnen viel entgangen, damals.

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Wie kriegen wir da jetzt den Übergang. Also. "Zum Kuscheln geboren" lesen wir als Überschrift in der wunderbaren Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Der Text fängt an: "Wenn Katzen danach ist, schnurren sie." Weil:Katzen hätten neben Tast-, Schmerz- und Temperatursensoren einen zusätzlichen Hautsinn. Nun, so kompliziert ist es bei meinem Kater Bébé nicht. Er hat vor allem einen zusätzlichen Futtersinn. Und dann schnurrt er. Die FAS macht dann viel Getöse, wie wichtig die Sinne, vor allem der Tastsinn, seien:"Wir erfahren Struktur und Konsistenz der Dinge, die das Auge oberflächlich betrachtet, nur, wenn wir sie berühren." Aha. Das ist doch mal eine klare Ansage: nicht nur gucken, anfassen. Also....je nachdem.

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Hauptsächlich will die FAS aber sagen, dass auch Menschen einen zusätzlichen Sinn besitzen, um "zärtliches Kraulen zu genießen". Verantwortlich dafür seien sogenannte C-taktile (CT)-Fasern, "die vor allem in behaarten Hautabschnitten zu finden sind". Also!! Da haben wir‘s!! Damit ist das Geheimnis, warum Conchita einen Bart hat, gelüftet!! Jetzt wäre nur noch zu klären, ob und unter welchen Umständen Conchita schnurrt. Dass sie mit Udo Jürgens kuschelt oder gar mit Bébé - dazu wird es aber auf gar keinen Fall kommen.