Wahlkampf mit Sonne, Mond und Sternen

So ein Wahlkampf ... für jede Richtung was dabei. Foto: dpa

Es wird knüppelhart. Die Parteistrategen versichern, sie gäben alles, was sie haben. Wir befürchten, das stimmt.

Anzeige

. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat den Seinen einen 18-seitigen Leitfaden an die Hand gegeben, "für gute Sprache im Wahlkampf". Griffige Tipps, etwa: "Seien Sie persönlich." Nun, das haben CSU und FDP ja schon brillant vorgemacht vor einiger Zeit, wir erinnern uns an Liebkosungen wie "Wildsau" und "Gurkentruppe". Also weiter so. Noch ein Gröhe-Tipp: "Sprechen Sie einfach, bildhaft, emotional". Uns wäre da der "Pate" immer wieder ein leuchtendes Vorbild: "Entweder auf den Wahlzettel kommt Dein Kreuz für meine Partei oder Deine Gehirnmasse", fiele uns spontan ein. * Der CDU-Generalsekretär argumentiert völlig zu Recht: Je stärker die Emotion, desto besser, denn: "70 bis 80 Prozent aller Entscheidungen fallen unbewusst." Also im Koma. Genau. Wir erinnern uns etwa an die Entscheidung für die Rente mit 67 und die Entscheidung für einen gewissen CSU-Innenminister, dessen Namen wir nicht nennen wollen, dessen Spitzname allerdings NSA-Friedrich ist. Auf "einfache und starke Begriffe" sollen die Wahlkämpfer setzen, klassisch: "Heimat, Leistung, Ordnung". Eigentlich wollten wir einen besseren Vorschlag machen: "Friede, Freude, Eierkuchen". Aber dann hat uns der befreundete Geheimdienst NSA etwas - Achtung, Wortspiel:verraten, nämlich den Inhalt einer TV-Sendung vom vergangenen Montag, 20.50 Uhr im hessischen Fernsehen "Schlager ABC". Die NSA späht eigentlich nur solche Sachen aus. Und das hat bestimmt auch der Gröhe gesehen und erkannt, dass man diese Wort-Dreifaltigkeit schon im Jahre 1969 zur Vollendung trieb, und das war das Vorbild für den Leitfaden: das Lied "Dein schönstes Geschenk", Interpret Roy Black (1943 - 1991), auch wegen der farblichen Affinität zur CDU. Der Text geht so: "Die Sonne, the sun, der Mond, the moon, die Sterne, the stars, Sonne, Mond und Sterne." Ja. Das ist dann die ganz harte Version von "Backe, Backe, Kuchen". * Der gute Roy konnte sich übrigens nochmals steigern, was für die Wahlkämpfer von heute sicher ein zusätzlicher Ansporn ist. Das Lied von 1971, gesungen gemeinsam von Roy und der kleinen Anita, die dann aber Gott sei Dank größer wurde und später mit Mike Oldfield musizierte, heißt: "Schön ist es auf der Welt zu sein, sagt die Biene zu dem Stachelschwein." Politische Botschaft: Lieber eine schöne Biene als ein stacheliges Schwein. Die Biene Maja ließ durch ihren Berliner Presseanwalt Prof. Christian Schertz (mit "tz") dementieren, damit etwas zu tun zu haben. * "Ihr habt euren Spaß gehabt, jetzt wollen wir das Zeug zurückhaben", so lesen wir in der "Süddeutschen". Hallo? Vitaminpillen nach der Tour der Farce vermisst? Oder haben die holländischen Freunde, unsere kleinen Goudas, mal wieder das richtige Näschen gehabt, aber über die Stränge geschlagen und anderen nix abgegeben? Frau Antje bekommt nie genug? Mitnichten. Vielmehr: Neues von der britischen Zeitung "Guardian", das sind die, die ganzen Späh-Enthüllungen von diesem Snowden gedruckt haben. Wir lesen, die Journalisten vom "Guardian" seien nicht sehr beliebt, das habe mit Neid zu tun, weil sie so erfolgreich sind, und deshalb gälten sie auch als selbstgefällig. Nun, das kommt uns irgendwie bekannt vor, womöglich haben wir, die wir für diese unsere Zeitung fast jedes Opfer bringen, auch schon mal Ähnliches gehört. Jetzt ist es aber so, dass britische Regierungsvertreter Festplatten mit Snowden-Material vom "Guardian" zurückhaben - siehe oben - wollten, um sie im Keller zu zerstören. Man stelle sich vor, der deutsche Innenminister ginge beim "Spiegel" in den Keller, nicht zum Lachen, sondern um Computer-Festplatten kaputt zu kloppen, was die Begriffe "behämmert" und "eine Leiche im Keller haben" in ganz neuem Licht erscheinen ließe. Wobei das Ganze natürlich völlig gaga war, weil die "Guardian"-Jungs, clever wie sie sind, Kopien auf Papier, fein säuberlich mit Kugelschreiber abgeschrieben, bei ihrer alten Oma oder ihrer jungen Cousine unter der Matratze versteckt haben. * Lange nichts mehr gehört von Lizzy und den Feierbiestern. Jetzt: herzzerreißende Fotos von Kate, William, dem Baby George sowie dem Cockerspaniel Lupo und dem Golden Retriever Tilly. Einfühlsam beschreibt die "Welt":"Der Vater hat die Hand auf der Hüfte der Mutter." Klar. Wo sonst. Ferner: Die Mutter trage "ein fuchsiafarbenes Kleid, das Baby und ein Lächeln". Wir finden, da trägt sie sehr, sehr viel. Wir Älteren erinnern uns noch an Zeiten, da wurde Marilyn Monroe zu Recht für folgenden Satz umjubelt: "Was ich im Bett trage? Chanel No. Fünf...."