Wahl zur WM-Elf 2014: Mittelfeld-Motoren

Toni Kroos - Deutschland. Foto: dpa

Von Mittelfeldspielern der modernen Prägung wird viel verlangt: Spielaufbau, Torgefahr, Schussstärke, Räume reißen, das Spiel schnell machen, Defensivarbeit, Gegenpressing,...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Argentiniens Hoffnungen ruhten vor dieser WM im Wesentlichen auf Lionel Messi, ähnlich hohe Erwartungen hatte Brasilien an Neymar, Frankreich an Ribéry, der ja bekanntlich verletzt ausfiel, Spanien an Xavi und Iniesta, Italien an Pirlo oder Deutschland Götze und Reus (ebenfalls vor dem Turnier verletzt). Sie alle gelten als Strategen im Mittelfeld, als die Ankurbler im Spiel nach vorne mit den genialen Momenten. Jedoch blieben viele im Vorfeld genannte mögliche WM-Stars nur Namen und ihre genialen Leistungen schuldig. Lediglich Messi könnte seine Leistung noch krönen, Götze als Mitläufer zumindest ein bisschen feiern.

Den eigentlichen Glanzpunkt setzten diesmal neben Messi und Neymar, der nur aufgrund seines Lendenwirbelbruchs seiner Mannschaft nicht mehr helfen konnte, andere, die viele nicht auf dem Zettel hatten. Allen voran dem Kolumbianer James Rodriguez gelang der Schritt heraus aus der Menge mit sechs Toren und reichlich guten Aktionen, auch dank Juan Cuadrado, der dem 22-Jährigen erfolgreich den Rücken freihielt. Defensiv überzeugten vor allem jene, die bereits mal in den großen Ligen Europas gespielt haben. Hier ein paar Kandidaten, die es in die WM-Elf 2014 schaffen könnten:

Neymar (Brasilien)

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Das aktuelle Wunderkind des brasilianischen Fußballs hätte der große Triumphator werden sollen, der mit seinen Toren und genialen Pässen den sechsten WM-Titel für sein Land sichert. Zwei Doppelpacks in der Vorrunde gegen Kroatien und Kamerun, dazu eine reihe von sehenswerten Torschüssen und Torschussvorlagen bildeten die Basis dafür, dass der Gastgeber überhaupt noch vom Erfolg träumen kann. Die Kicker-Datenbank rankt Neymar unter den Top Fünf der Mittelfeldakteure bei dieser WM. Durchschnittlich 65 Ballkontakte belegen ebenso den Wert des 22-Jährigen für das Spiel der Seleção. Im Halbfinale spürte man sein Fehlen. Der Geist von Neymar reicht nicht, um eine ganze Nation in Schwung zu bringen.

Ivica Olic (Kroatien)

Nach drei Spielen war für die Kroaten bereits Schluss bei dieser WM. Das hatten sich Ivica Olic und Co. sicherlich anders vorgestellt. Am 34-Jährigen lag das maue Abschneiden aber sicher nicht. Denn Olic brachte seine Stärken wie auch beim VfL Wolfsburg ein, hatte Zug zum Tor, traf einmal und spielte sonst auch recht mannschaftsdienlich.

Charles Aranguiz (Chile)

Der Mittelfeldmann von Porto Alegre ist eine der Überraschungen des Turniers. In einer eher robust agierenden Mannschaft kam der 25-Jährige in vier Spielen mit drei Fouls aus, gewann für einen Offensivspieler gute 51 Prozent seiner Zweikämpfe, erzielte zudem ein Tor selbst un bereitete eines vor. Seine Stärke war seine Konstanz, denn bei keinem seiner Einsätze gönnte sich Aranguiz eine Verschnaufpause.

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James Rodriguez (Kolumbien)

Sechs Tore in fünf Spielen - allein diese Quote übertrifft wohl schon alles, was sich der 22-Jährige für dieses Turnier vorgenommen hat. Dazu hatte der Überflieger vom AS Monaco auch noch zweimal das Auge für den Nebenmann. In allen Spielen der Kolumbianer stach James Rodriguez aus der Menge heraus, schoss zusätzlich mehr als ein Dutzend Mal auf das Tor und entschied sich oft für einen Pass zum besser postierten Mitspieler. Herausragend seine Kicker-Benotung von 1,8. Auffällig bei so viel Tatendrang aber auch: James beging die zweitmeisten Offensivfouls aller Mittelfeldspieler.

Christian Bolanos (Costa Rica)

Freistöße und Einwürfe sind die Spezialitäten des Costa Ricaners. Auch deshalb war der 30-Jährige mit dem auffälligen Haarband-Look bei dieser WM häufig im TV-Bild. Im Kreativspiel der Mittelamerikaner kommt Bolanos als zentraler Ballverteiler - zwei Torvorlagen und zehn Torschussvorlagen zieren sein Konto - darüber hinaus eine wichtige Bedeutung zu. Denn er läuft und läuft und läuft. Seine miese Bilanz von nur 22 Prozent gewonnener Zweikämpfe suggeriert aber auch, dass viele seiner Wege nutzlos waren.

Paul Pogba (Frankreich)

Der defensive Mittelfeldakteur mit einem Hauch von Eleganz ist im französischen Aufbauspiel ein gefragter Mann. Durchschnittlich 72 Ballkontakte pro Spiel belegen das. Doch der elegante Passgeber kann auch anders: Zwei von drei Zweikämpfen gestaltet der 21-Jährige zu seinen Gunsten - ein starker Wert. Mit seinem enormen Zug zum Tor stellte er vor allem die Schweizer Abwehr vor Probleme. Pogba erzielte zudem das wichtige 1:0 gegen Nigeria.

Mathieu Valbuena (Frankreich)

Mit drei Torvorlagen steht der 29-Jährige in dieser Kategorie auf dem Treppchen. Der eigentliche Wert des Spielers von Olympique Marseille bemisst sich aber vielmehr an seiner stetigen Präsenz im französischen Offensivspiel. 20 Torschüsse und Torschussvorlagen sind ein Spitzenergebnis. Zudem war Valbuena - wenn auf dem Platz - in vier von fünf Angriffe der Equipe Tricolor eingebunden.

Lionel Messi (Argentinien)

Messi macht den Unterschied im argentinischen Spiel. Gemeinsam mit Angel di Maria ist der 25-jährige Superstar an allen Toren der Albiceleste beteiligt. Wenn nichts mehr geht, packt der Floh, wie ihn die Südamerikaner auch nennen, einen Hammer aus und gewinnt im Alleingang das Spiel. Hatte sich der Barça-Star bei der WM 2010 noch vornehm zurückgehalten, ist nun seine unglaubliche Präsenz auf dem Platz die große Stärke seines Teams. Fast 40 Torschuss-Beteiligungen in fünf Partien untermauern diesen Eindruck.

Angel di Maria (Argentinien)

Der 26-Jährige entwickelt sich bei dieser WM zu einer Art Torschussmaschine. Mehr als zwei Dutzend Mal zog er schon vor dem Tor ab, immerhin ein Treffer - der wichtige zum 1:0 gegen die Schweiz in der Verlängerung - sprang dabei heraus. Auch sonst ist di Maria omnipräsent: die weitesten Laufstrecken, die meisten Pässe, die meisten Ballkontakte, - im Schnitt 98 Pro Spiel - machen den Real-Star zu einem wichtigen Rückhalt für Messi.

Jermaine Jones (USA)

Wie zu erwarten war Jermaine Jones bei dieser WM einer der Stützpfeiler der USA. Vor allem seine Zweikampfwerte beeindrucken (57 Prozent gewonnen), dazu bleibt sein Torhammer gegen Portugal in Erinnerung. Der Führungsspieler hat allerdings auch schwächere Spiele gezeigt, so im Achtelfinale gegen Belgien, bei dem ihm fünf seiner insgesamt acht Offensivfouls unterliefen.

Bastian Schweinsteiger (Deutschland)

Zu Beginn des Turniers nicht fit, steigerte sich der Bayern-Profi in seiner Präsenz auf dem Platz, als Leitwolf und Taktgeber. Er ist mittlerweile der Kopf des DFB-Teams. Allerdings gewann er zwischen Spiel zwei und fünf auch stetig weniger Zweikämpfe (im Ghana-Spiel 100 Prozent, gegen Algerien nur noch 31 Prozent, gegen Frankreich gar nur schwache 14 Prozent). Zudem unterliefen dem 29-Jährigen viele Abspielfehler und Foulspiele.

Toni Kroos (Deutschland)

Der Bayern-Stratege war in der ersten Partie gegen Portugal Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels und zog auch in den Folgepartien das Aufbauspiel an sich - 104 Ballkontakte, wohlgemerkt pro Spiel - sind absoluter Rekordwert. Zudem nutzte der 24-Jährige jede Schusschance, die sich ihm bot und bereitete immerhin auch zwei Treffer vor. Ganz groß dann sein Spiel gegen Brasilien mit Toren und vielen guten Pässen.

Kevin den Bruyne (Belgien)

Der Erfolg der Belgier - immerhin bis zum Viertelfinale - ist neben dem Trainer auch eng mit dem Namen des Spielmachers vom VfL Wolfsburg verbunden. Kevin de Bruyne hatte mit 72 Ballkontakten mehr als alle anderen Belgier, spielte er gut, glänzte auch das Team. Damit gehört der 23-Jährige zu den Entdeckungen des Turniers, der gegen die USA auch als Vorbereiter brillierte.

Juan Cuadrado (Kolumbien)

James Rodriguez darf ganz artig danke sagen bei seinem kongenialen Partner im kolumbianischen Mittelfeld. Denn Cuadrado lieferte in allen WM-Spielen konstant gute Leistungen ab und hielt dem Jungstar den Rücken frei. Vier Torvorlagen sind ein Spitzenwert. In der Kicker-Datenbank rangiert der 26-jährige Passgeber vom AC Florenz zurecht unter den Top Fünf der Mittelfeldspieler.

Die Wahl

Welche vier Spieler haben sich ihren Platz im WM-Elf-Mittelfeld verdient? Wen haben wir vergessen? Kommentieren Sie diesen Beitrag oder schreiben Sie mir an bschuessler@vrm.de, welche Mittelfeldspieler Sie in die WM-Elf 2014 nominieren würden. Die Akteure mit den meisten Stimmen dürfen in unserer Elf wirbeln. Die Aktion läuft bis zum Finalwochenende.