VRM-Leser spenden halbe Million Euro für Hochwasseropfer

Ahrbrück: Die Trümmer eines Wohnwagens liegen auf einem von der Flut verwüsteten Campingplatz. Foto: dpa

Betroffene Bürgermeister sind sprachlos über die Spendenbereitschaft bei der VRM-Aktion. Die Gemeinderäte haben einen Plan, wie die Spenden ohne Abzug vergeben werden sollen.

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REGION. Die Spendenaktion der VRM für die Opfer der Flutkatastrophe in den beiden Gemeinden Ahrbrück und Hönningen (Kreis Ahrweiler) hat unter unseren Lesern und Followern ein gewaltiges Echo der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Fünf Tage nach Auftakt des Spendenausrufs sind bereits 505.000 Euro gespendet.

„Wir sind überwältigt von dieser Hilfsbereitschaft“, sagte der Bürgermeister von Ahrbrück, Walter Radermacher: „Wie kriegen wir das nur wieder gut gemacht?“ Jürgen Schwarzmann, Bürgermeister im Nachbarort Hönningen: „Ich bin selten sprachlos, aber mit einer solcher Resonanz haben wir nicht gerechnet - unfassbar.“ Beide Gemeinden seien den Leserinnen und Lesern der VRM unendlich dankbar: „Das ist in dieser dunklen Zeit ein ganz wichtiges Zeichen für die am schlimmsten getroffenen Menschen in unseren Gemeinden“, sagte Radermacher.

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Die vier Hilfsaktionen der VRM, „Leser helfen“ (Allgemeine Zeitung), „Ihnen leuchtet ein Licht“ (Wiesbadener Kurier), „Echo hilft“ (Darmstädter Echo) und „Helft uns helfen“ (Wetzlarer Neue Zeitung) hatten am vergangenen Freitag ihre Leser und Follower gemeinsam aufgefordert für Ahrbrück und Hönningen zu spenden. Die beiden Gemeinden waren ausgesucht worden, weil sie schwer verwüstet sind, bisher nicht in der medialen Beachtung standen. Und weil sie mit dem Bürgerverein Ahrbrück einen Spendenempfänger stellen, der die Hilfsgelder an die Opfer der Flutkatastrophe weitergeben werden - ohne einen Euro Abzug und so schnell wie möglich.

Prioritätenliste für besonders schwer getroffene

Dazu haben die Räte beider Gemeinden am Montagabend einen abgestimmten Kriterienkatalog aufgestellt. In der Prioritätenliste rutschen diejenigen Flutopfer nach oben, die am meisten verloren haben und keine Versicherungsleistungen erwarten können. Soziale Faktoren wie zum Beispiel keine Einkünfte jenseit von Grundsicherung und kleinen Renten werden bei der Vergabe der Spendengelder ebenso eine Rolle spielen wie die Anzahl der Haushaltsmitglieder und Kinder. „Wir haben hier Menschen, die alles verloren haben und so krank sind, dass sie nicht mal einen Stuhl raustragen können“, sagte Radermacher.

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Auch diese Opfer könnten jetzt wieder ein bisschen Hoffnung schöpfen. Ahrbrück hat neun Todesopfer zu beklagen und vermisst noch mehrere Einwohner, für die es kaum noch Hoffnun gibt. Rund 130 bis 150 Menschen mussten ihre Häuser verlassen oder haben diese verloren. In Hönningen, das zum Glück keine Todesopfer hat, sind zwanzig bis dreißig Haushalte von der vernichtenden Flutkatastrophe getroffen. Die Spendenaktion wird auch nach diesem großen Zwischenerfolg fortgesetzt.

Uta und Winfried Hupperich in den Trümmern seines Elternhauses. Das Wasser stand bis zur Decke. Ob das Haus zu halten ist, muss sich erst noch herausstellen.  Foto: Lukas Görlach
Uta und Winfried Hupperich in den Trümmern seines Elternhauses. Das Wasser stand bis zur Decke. Ob das Haus zu halten ist, muss sich erst noch herausstellen. (© Lukas Görlach)

Die Stimmungslage in den beiden verwüsteten Gemeinden ist gemischt. Die Beseitigung der Berge von Unrat aus den Wohnbereichen ist weitgehend abgeschlossen, einige Häuser, die nicht zu halten waren, bereits abgerissen. Strom und Wasserzufuhr werden gerade zumindest provisorisch wiederhergestellt. Die komplett ausgeräumten Häuser oder ihre Erdgeschosse werden aber über Monate nicht bewohnbar sein.

Wenn die Helfer gehen, wird es nochmal schwer

„Heute, am 13. Tag nach der Katastrophe gehen wir ganz schön auf dem Zahnfleisch“, sagt Hönningens Bürgermeister Schwarzmann. Und sein Kollege Radermacher ergänzt: „Wenn hier alles abgeräumt ist und die freiwilligen Helfer gehen, wird das für uns nochmal ganz schwer werden.“ Auf der anderen Seite entwickeln beide Gemeinden bereits erste Pläne, wo die Bürger angesiedelt werden können, deren Grundstücke nicht wieder für eine Bebauung freigegeben werden.

„Wir wollen hier an der Ahr nicht ausbluten“, erklärt Radermacher trotzig. Auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, der immer wieder in der Eifelregion unterwegs ist, bedankte sich bei den Hilfsaktionen der VRM: „Das ist eine sehr konkrete und wertvolle Spendenaktion, bei der jeder einzelne Euro Wertvolles bewirken wird. Der Dank gilt den Leserinnen und Leser aller VRM-Titel. Der Erfolg der Spendenaktion beweist zugleich, in welchem Maß Regionalzeitungen gesellschaftlichen Zusammenhalt stiften.“