Unter eins, zwei, drei - zu Besuch bei der EU

Foto: Cane-Sophie Buzludag

Die Europäische Union ist für viele vor allem eines: ein unnahbarer Koloss. Ein Grund mehr, einmal pro Jahr Volontäre nach Brüssel zu schicken, um ihnen ein Gesicht der EU...

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. Von Cane-Sophie Buzludag

Es gibt Sätze, die laufen runter wie Öl. Die willst du sofort twittern, posten, snappen. Sätze, die auch in Gesprächen bei unserem dreitätigen Besuch in Brüssel anlässlich eines Volo-Seminars fielen. Drei von uns besuchten zusammen mit Kollegen aus Nordrhein-Westfalen die EU-Kommission und das Europäische Parlament. Wir diskutierten. Und hörten Sätze, die vor allem Politiker gerne sagen, ohne sie offiziell gesagt zu haben.

„Unter drei“

Das ist der Journalisten-Code für „das bleibt unter uns“. Er fiel in Brüssel bei jedem Gespräch, ob mit dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Herbert Reul, oder dem Referatsleiter aus dem Sprecherdienst der Europäischen Kommission, Jens Mester, der beispielsweise für die Reden von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zuständig ist. Sie beantworteten unsere Fragen zum Teil überraschend deutlich.

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Die vereinbarte Vertraulichkeit ist grundsätzlich zu wahren.

Für Artikel 5 des deutschen Pressekodex' gibt es in der Umgangssprache unter Journalisten verschiedene – nicht verbindliche - Vereinbarungen. Die Satzung der Bundespressekonferenz gibt nähere Informationen: Kann man als Journalist die Quelle beziehungsweise den Name des Auskunftgebenden nennen, spricht man von „unter eins“. Soll auf die Nennung der Quelle verzichtet werden, heißt das „unter zwei“. Die Königsdisziplin ist „unter drei“: Alles, was besprochen wird, ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht.

Brüssel fällt also unter „vertraulich“. Nur so viel: Die drei Tage waren vollgepackt mit spannenden Gesprächen, Power-Point-Präsentationen, Informationen. Mit interessanten Persönlichkeiten: Wir verfolgten die Rede des tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi im Europäischen Parlament, hörten die neue Kanzler-Hoffnung der SPD, Martin Schulz, sahen das Die-Partei-Gesicht Martin Sonneborn. Und leider mit Pommes, die nicht so überragend schmeckten wie erwartet.

Aber hätte das bloße Zuschauen nicht gereicht, wenn wir sowie nichts zitieren können? Für mich hat die „Europäische Union“ in den Gesprächen ein Gesicht bekommen, ist vom unnahbaren Koloss auf einzelne Personen geschrumpft. Auch wenn wir aus Zeitgründen nur an der Oberfläche kratzen konnten: Unsere Gesprächspartner haben sich die Freiheit genommen, so über Themen zu sprechen, wie sie über sie denken, Gedanken angeregt, sind nicht auf Phrasen rumgeritten, die wir in jeder Pressemappe nachlesen können. Sie haben uns an ihrer Begeisterung für den europäischen Gedanken teilhaben lassen. Und da ist es egal, ob es um die EU oder etwas anderes geht: Wenn mich als Journalistin ein Thema begeistert, dann kann ich damit auch die Leser erreichen.