Späte Tore, knapper Sieg - Belgien marschiert spektakulär weiter

Romelu Lukaku (li.) feiert mit Daniel van Buyten sein Führungstor. Foto: dpa

Belgien schießt, Howard pariert. Damit wäre an sich alles gesagt. Doch das konnte Schwarz-Gold-Rot-Trainer Wilmots nicht so stehen lassen - und wechselte Lukaku ein.

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. 0:0 - schon wieder. Das hätten die Zuschauer in Salvador de Bahia am Dienstagabend denken können. Schwarz-Gold-Rot wie Schwarz-Rot-Gold. Doch während Deutschland sich gegen Algerien in die Verlängerung zitterte, ließ Belgien dem US-Keeper in der Schlussphase der regulären Spielzeit keine ruhige Minute, dominierte auch die erste Hälfte der Verlängerung, schoss zum richtigen Zeitpunkt die Tore - wie immer spät. Und die USA ergaben sich nicht ihrem Schicksal, sondern brannten, sehr zur Freude der Zuschauer, gegen plötzlich sichtlich platte Belgier ein wahres Offensivfeuerwerk ab. Wohlgemerkt ab Minute 107. Welch ein Spektakel.

Alle gegen einen

In den Hauptrollen: US-Torwart Tim "Ich bin immer noch mit dem Hauch eines Körperteils dran" Howard, Belgien-Angreifer Divock "Ich schieße aus allerbesten Lagen immer den Howard an" Origi, Belgien-Stratege Kevin "Ich war für Chelsea zu schlecht und kann Mourinho jetzt ne lange Nase drehen" de Bruyne, Belgien-Kapitän Vincent "Ich chippe den Ball lässig am 16er auf meinen Innenverteidiger-Kollegen" Kompany, Belgiens Edel-Talent Eden "Ich darf in genialen Momenten auch nur den Howard anschießen" Hazard, Belgiens Schwungbringer Kevin "Meine Schüsse wollen immer in die Arme von Howard" Mirallas, Belgiens unfitter Topstar Romelu "Ich avanciere von niemandem mehr erwartet zum Matchwinner gegen die USA" Lukaku.

WM-Tor zum Karriere-Beginn

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Damit wäre eigentlich alles gesagt. Doch das wäre ebenso zu einfach. Denn während Belgien, erneut mit zwei späten Treffern, erneut mit einem Joker-Tor, nun weiter als Geheimfavorit durch Brasilien touren darf, verliert das WM-Turnier in US-Torwart Tim Howard einen weiteren Superstar. Sagenhafte 39 Schüsse sah der 35-Jährige auf seinen Kasten zufliegen, nur zwei Dinger, bei denen Howard chancenlos war, schlugen ein. Mit Weltklasse-Paraden ließ er die belgischen Angreifer Mal um Mal verzweifeln. Schon in der Vorrunde packte Howard Superreflexe und ein geschultes Auge aus, machte erst Ghana, dann Portugal und schließlich auch den Deutschen das Toreschießen zu einer Mammutaufgabe und lieferte damit auch den Beweis, dass Klinsmann mit seinen Worten über seinen Schlussmann recht haben könnte: "Tim gehört zu den Top Fünf auf der Welt".

Moralisch haben sich auch die anderen US-Boys nichts vorzuwerfen. Nicht Julian Green. Der (Ver-)Wunderstürmer sicherte sich mit dem ersten Ballkontakt sein erstes Turniertor und ergatterte damit - ohne einen einzigen Profieinsatz von Jürgen Klinsmann auf den WM-Zug gezerrt - immerhin den Oscar für die beste Nebenrolle. An seiner Seite die nimmermüden Jermaine Jones und Michael Bradley, denen zwar nicht die Kraft, aber das Abschluss-Glück eines Green fehlten. Und ein glückloser Kapitän Clint Dempsey bei seinem wohl letzten WM-Turnier.

Wilmots’ Arbeit voller Geheimnisse

Belgien jedoch, das wieder, wie schon in der Vorrunde, in den richtigen Momenten traf und ein knappes Ergebnis feiern konnte, hat fleißig Argumente für den Geheim-Favoriten-Status gesammelt: so bleibt ein Geheimnis, warum Trainer Marc Wilmots seine treffsichersten Spieler immer so lang auf der Bank schmoren lässt, Belgien vielleicht Weltmeister, nicht aber Chancenverwertung kann und ob sich Fellaini, Witzel und Dembelé nach dem Titel-Gewinn eine Robben-Frisur schneiden lassen.