Sie hängt so an ihr

Merkels Wahl - eine Kette. Foto: dpa

Ketten werden unterschätzt. Das wird jetzt anders. Merkel hat sich da etwas sehr Interessantes aufgehalst.

Anzeige

. Es ist ja jetzt wahrscheinlich so, dass Angela Merkel ihre rheinland-pfälzische Parteifreundin Julia Klöckner im Jahr 2025 zur Bundeskanzlerin ernennen wird, nachdem das TV-Duell zwischen Merkel und dem etwas in die Jahre gekommenen, als Schürzenjäger aber immer noch sehr agilen Horst Seehofer über die Bühne gegangen sein wird. Der allein stimmberechtigte ZDF-Intendant Stefan Raab, während der ganzen Sendezeit in seinem Wok sitzend, wird mit seinem breitesten Kukident-Grinsen Merkel mit den Worten "Queen of Quark" - in geistiger Anlehnung an das Attribut "King of Kotelett" für Peer Steinbrück 2013 - zur Königin von Deutschland erklärt haben.

*

Und Merkel wird dann also Klöckner zur ihrer Kanzlerin bestimmen, weil sie so an ihr hängt. Wie wir das meinen? Weil Merkel so an ihrer Kette hängt, und Klöckner ihr die empfohlen hatte, weil die Kette aus Idar-Oberstein stammt. Wobei böse Zungen schon Überlegungen anstellen, wie das gewesen wäre, wenn Steinbrück mit einem Kotelett um den Hals aufgetreten wäre. Aber bei seinem Pech hätte ihm das angesichts seiner honorarträchtigen Redner-Vergangenheit wahrscheinlich nur den Vorwurf eingetragen, da werde mal wieder mit der Wurst nach der Speckseite geworfen.

*

Anzeige

Die Kette ist jetzt berühmt und hat einen eigenen Twitter-Account, das heißt, sie spricht zu uns. Wenn sie sich mal nur nicht verplappert, weil sie unkonzentriert wird, schließlich befindet sie sich an einer strategisch wichtigen und höchst sensiblen Stelle von Merkels Körper. Und dies offenbar verdient, denn bislang ist kein Vorwurf aufgetaucht, die Kette habe sich der Kanzlerin an den Hals geworfen.

*

Normalerweise ist das zwischen Frauen nicht so ganz ohne, wenn die eine der anderen etwas empfiehlt. Aber wahrscheinlich ist es ein entscheidender Unterschied, ob die eine der anderen einen Kerl empfiehlt oder eben eine Kette. Wenn ein Kerl an einer Frau hängt, kann das kompliziert werden, wenn sie nicht mehr will. Manchmal gibt es dann unliebsame Zwischenfälle, die als "Ketten-Sägen-Massaker" in die Annalen eingehen.

*

Wir merkeln schon...pardon, wir merken schon, dass wir uns in sprachlichen Gefilden bewegen, die für Männer problematisch werden können. Wenn es dazu eines Beweises bedürfte, dann ist es der Satz: "Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied." Geradezu männerfeindlich.

Anzeige

*

Ketten werden generell völlig unterschätzt. Da ist es gut, dass wenigstens Künstler in ihren Songs zur Aufmerksamkeit aufrufen. Nehmen wir mal das Beispiel Joe Cocker mit seinem "Unchain my Heart". Text: "Unchain my heart//Baby let me go//Unchain my heart//cause you don't love me no more." Also: Kette mein Herz los, Mutti, lass' mich gehen, weil, Du liebst mich nicht mehr." Ja. Wahrscheinlich waren in Wahrheit das die Worte, mit denen Karl-Theodor zu Guttenberg und Norbert Röttgen um ihre Entlassung baten. Der Text geht weiter: "Every¬time I call you on the phone//Some fella tells me you are not at home." Immer wenn ich Dich anrufe, sagt irgendein Kerl, Du seist nicht zuhause. Auf wenige Zeilen verdichtet sehen wir da die gesamte Problematik der jüngsten Abhöraffären. Denn der Kerl, der den Anruf an die Kanzlerin abfängt und die Anruferdaten heimlich zu Obama weiterleitet, ist einer von der NSA. Oder vielleicht Obama selbst.

*

Noch gefährlicher klingt es sogar, was der zu Unrecht in Vergessenheit geratene Schlagersänger Ricky Shayne schon im Jahr 1967 von sich gab und damit immerhin sechs Wochen in den deutschen Charts war: "Ich sprenge alle Ketten//und sage nein, nein, nein, nein, nein//denn von dir gehn fällt mir nicht ein." Nun, nicht nur strenggläubigen Germanisten wird eine gewisse sprachliche Inkonsistenz am Ende dieser Zeilen ins Auge springen. Sie wird noch dadurch getoppt, dass Ricky, wie wir ihn einfach mal nennen wollen, ganz am Ende des Lieds geschlagene 23 (in Worten: dreiundzwanzig) Mal sein "nein" in die Welt schreit. So ein Geplärre würde nicht mal Sigmar Gabriel veranstalten auf die Frage, ob er heimlich Merkel wähle.

*

Das Schicksal, so entnehmen wir www.n-tv.de, war dann aber gut zu Ricky. Er musste nicht mehr "nein" schreien, sondern hat zwar nicht mit dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal, aber 2009 allen Ernstes einen Kiosk in Düsseldorf eröffnet. Er hat ihn aber 2010 schon wieder geschlossen. Sicher aus Enttäuschung, weil Merkel mit ihrer Kette nie vorbeikam.