Sie fliegt zum roten Zwergstern

Angela Merkel - eine Geste des Sieges. Foto: dpa

Unser aller Kanzlerin ist happy, oder sie tut wenigstens so. Den Rest der Menschheit bewegt eine einzige Frage: Gibt es ein Leben nach der FDP?

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. Wenn der Niedergang der FDP ungebremst weitergeht:Wer trägt dann Genschmans gelbe Pullover in die breite Öffentlichkeit? Und Westerwelles Maßanzüge? Wir müssen Abbitte dafür leisten, Herr Bundesminister des Äußersten, dass wir Sie "Flying Guido" nannten. So, wie es am Sonntag lief, hatten wir das wirklich nicht gemeint.

* Aber gibt es nicht noch Hoffnung für die FDP? Wurde, weil sich diese Partei doch stets aufopferungsvoll für Steuersenkungen starkmachte, beim Wahlergebnis nicht vielleicht die Mehrwertsteuer vergessen? Sodann hätten wir nämlich 4,8 plus 19 Prozent Mehrwertsteuer, wären nach Adam Riese und Eva Leutheusser-Schnarrenberger 5,7 Prozent! Glatter Wahlsieg! (Ja, wir wissen, dass Leutheusser nicht Eva heißt, aber für den guten Zweck gibt eine Liberale alles.)

* Worte zur Wahl. Das großartigste: "Wir müssen mal unseren Scheiß klar kriegen." Also sprach Christoph Lauer, früherer Fraktionschef der Berliner Piraten. Und noch was: "Wir sind durchgeknallt, aber wir schaffen das trotzdem", lesen wir als Überschrift in der wunderbaren FAZ...aber ist nur Feuilleton. Hätte auf der Politikseite stehen und von Steinbrück stammen müssen.

* Der "Spiegel" will da nicht zurückstehen: "Sie dringt in Räume vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat." Wie meinen? Unser aller Kanzlerin? Nein. Es geht um die Forschungssonde "Voyager 1", die nach Angaben der Nasa...wie meinen? Nein! Nasa, nicht NSA! Also, "Voyager", so lesen wir, habe das Sonnensystem verlassen, praktisch wie die FDP. Sie habe den Randbereich der Heliosphäre durchflogen, "wo der Sonnenwind abebbt". Schlecht für die Energiewende, wenn der Wind abebbt, kein Wunder, dass die Grünen abgesoffen sind. Eines Tages wird "Voyager" auf Mr. Spock treffen, der sagt: "Wo ist Genschman, der Einzige von Euch Pfeifen da unten, der vernünftige Ohren hat?" In rund 40000 Jahren, wenn die gegenwärtigen Koalitionsdebatten dann doch allmählich zu Ende gehen, passiere "Voyager", so schreibt der "Spiegel", "Gliese 445", einen roten Zwergstern. Sigmar Gabriel hat aber dementiert, dass er was damit zu tun hat.

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* Auch in der Musik ist Grün keineswegs immer positiv besetzt. Der Komponist Franz Schubert (1797 - 1828) schrieb zum Beispiel ein Lied mit folgendem Text: "Ach Grün, du böse Farbe du//Was siehst du mich immer an//So stolz, so keck, so schadenfroh//mich armen weißen Mann?" Alles klar. Die sprichwörtliche Arroganz der Grünen. Und der arme weiße Mann ist Rösler, bleich vor Entsetzen. Schubert ist nicht unumstritten, klar, er ist Österreicher, laut Wikipedia "ein verkanntes Genie". Praktisch wie Trittin. Viel optimistischer sah das schon Drafi Deutscher: "Grün, grün ist Tennessee, und die Welt ist groß und bunt//Grün, grün, vergiss mich nie//Ich bin ja nur ein Vagabund." Vagabund. Wir wissen jetzt auch nicht, wieso uns da gerade der Seehofer einfällt, Magic Horst, wie wir ihn nennen, aber wieder mal hängt alles mit allem zusammen. Im Bundestagswahlkampf 2005, so schrieb die "Süddeutsche Zeitung", ist Angela Merkel bei Seehofer in Ingolstadt aufgetreten und hat eine CD mitgebracht: "Marmor, Stein und Eisen bricht" - von Drafi Deutscher! Da müsste man jetzt halt nur einen neuen Text drauf machen: "Rösler, Roth und Künast bricht//aber unsere Mutti nicht."

* Man kann auch ganz anders wählen. Wir lasen Folgendes:Im 28-Einwohner-Dorf Dorset im US-Bundesstaat Minnesota gibt es ein Fest, bei dem der Bürgermeister gewählt wird. Jeder Anwesende darf wählen, eine Stimme kostet einen Dollar, mit dem Geld wird das Fest finanziert. Diesmal wurde Robert Tufts Bürgermeister, er ist vier (!) Jahre alt. Böse Zungen behaupten, im Prinzip so ähnlich sei es zur Wahl von George W. Bush zum US-Präsidenten gekommen, und vielleicht hätte man in Berlin bei der FDP mal genauer nachdenken sollen. Eines von Roberts Wahlversprechen war:Eiscreme an die Spitze der Nahrungspyramide! Mal ehrlich: Meint Claudia Roth in Wahrheit nicht genau das, wenn sie von Nachhaltigkeit spricht? In Gefahr geriet Roberts Sieg durch eine Dame, die fünf Dollar für fünf Stimmen investierte, damit ihre Katze Bürgermeisterin werden könnte. Merkel muss sich warm anziehen. Wir, mein Kater Bébé und ich, reden mit unserer Bank, und dann werden wir uns 2017 das Kanzleramt holen.