Schrubben für die Quote

Beine rasieren. Foto: dpa

Flexi oder starr, das ist hier die Frage. Ein Glück, dass wir Männer pragmatisch stets für eine gewisse Bandbreite zu haben sind.

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. Der deutsche Mann als solcher ist, was sein Frauenbild angeht, ja unglaublich großzügig. Das liegt ihm in den Genen, denn schon ein Altvorderer wie Jopie Heesters sang in seinen besten Jahren, also so mit 95: "Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau‘n." Wir Männer sind da also unglaublich tolerant und quasi demokratisch. Nun sind es aber, wie wir weinend feststellen, die Frauen selbst, bei denen diesbezüglich, nun, sagen wir mal zurückhaltend: die Hölle los ist. Einfach nur so "Frau", das geht nicht, es muss Aufstiege geben. Frauenquote. "Union strebt starre Frauenquote an", lesen wir. Unser aller Kanzlerin habe sich mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, abgesprochen. Das wundert uns, denn der Seehofer war doch früher eigentlich eher für eine flexible Frauenquote, zumindest, soweit es ihn selbst betraf. Aber gut. Wir werden halt alle nicht jünger.

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Diese neue starre Quote geht so, dass ab 2020 mindestens 30 Prozent der Aufsichtsratsmandate in Unternehmen von Frauen besetzt sein sollen. Und dann, ab 2021, sollen 30 Prozent aller Frauen Aufsichtsrat sein. Oder so. Bis dahin soll die sogenannte Flexi-Quote gelten (Flexi = flexibel), derzufolge sich die Unternehmen selbst verpflichten sollen, sich um Gottes Willen alles vom Hals zu halten, was einen Rock oder einen Hosenanzug trägt...kleiner Scherz.

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Also mächtig was los, und auch die Schlagzeile von spiegel online "Quotenfrauen blasen den Aufstand ab" kann da nicht wirklich für Entspannung sorgen. Vor allem die Abstimmung im Bundestag, geprägt vom Streit zwischen Merkel und von der Leyen: sehr brisant. Böse Machos, von denen wir uns distanzieren, sprachen schon von Mädels-Tombola. Auch der Begriff "Damenwahl" erscheint da in neuem Licht. Im Übrigen zucken wir immer zusammen, wenn wir den Begriff "Flexi" hören". Denn in hiesigen wie in anderen Breiten gibt es die Bezeichnung "die Flex" für das, was offiziell "Winkelschleifer" heißt. Dass alles mal wieder mit allem zusammenhängt, erkennen wir auch daran, dass der Winkelschleifer auch als "Trennhexe" und "Schleifhexe" bekannt ist. Hexen kennen wir aus dem täglichen Leben: Frauen, die auf Besen reiten. Ganz normal. Im Wesentlichen geht es bei der "Flex" um eine zumeist elektrisch angetriebene runde Schleifscheibe, die mit 13.300 Umdrehungen pro Minute rotiert, was dem Tempo der Redebeiträge von Alice Schwarzer, Andrea Nahles und Claudia Roth entspricht. Je nach Bedarf, so lesen wir weiter, kommen verschiedene Scheiben zur Anwendung, zum Beispiel die "Schruppscheiben". Das wundert uns, kennen wir den Vorgang, der oft mit von Frauen vorgenommenen Putzarbeiten assoziiert wird, eigentlich als "schrubben". Aber mit Doppel p sind es vielleicht besonders harte Schrubber.

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Weiter lesen wir unter dem Stichwort "Arbeitssicherheit", dass "beim Arbeiten mit Winkelschleifern eine Schutzbrille und schwer entflammbare Baumwollkleidung getragen werden" solle. Beim Umgang mit CDU-Frauen beim Thema "Quote" sinnvollerweise vielleicht auch, fügen wir da fürsorglich hinzu. Für das Schruppschleifen gebe es "Fächerscheiben". Wieder typisch weiblich, Fächer, das sind doch diese Dinger fürs Luftfächeln, zum Beispiel beim Flamenco. Obwohl es dann bei den technischen Beschreibungen sehr speziell wird, tauchen feminine Aspekte immer wieder auf. Bei den Schruppscheiben seien "stabilisierende Gewebelagen" eingebettet, in Fachkreisen auch das Oil-of-Olaz-System genannt, respektive in schwierigeren Fällen das Botox-Syndrom...Scherz.

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Wir lesen weiter, dass es bei der Flex neben dem "Trockenbearbeiten von Stein und Beton" auch das "Nasstrennen" gibt, vermutlich die härtere Form des Nassrasierens - also ein maskuliner Aspekt, obwohl..., nun ja. Nicht verkneifen kann sich das Lexikon den Hinweis, dass "im französischen Horrorfilm..." Wie meinen? Nein, nicht Francois Hollande! Leute! Also, dass in dem Horrorfilm "High Tension" von 2003 der Mörder "keine klischeebehaftete Kettensäge, sondern einen Stihl-Trennschleifer" benutzt habe. Ordnung muss sein. Das Blut hat er sicher mit der Schruppscheibe weggeschrubbt. Und wir sprechen künftig nur noch vom Flexiquoten-Massaker.

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Da kommen wir wie von selbst auf Peer Steinbrück. Schon in der "Woche" vom 3. Januar 2009 hatten wir darauf hingewiesen, dass Steinbrück physiognomisch an den Schauspieler Jack Nicholson erinnert, vor allem in dessen Rolle in dem Horrorfilm "Shining". Steinbrück hat jetzt gesagt: "Ich will Kanzler werden." Dunnerlittchen. Jungs wollten früher sehr oft Lokomotivführer werden. Verständlich, krisensicher. Wir lesen, dass der 2006 gebaute Berliner Bahnhof baufällig ist. Na und??!! Der neue Berliner Großflughafen war schon vor dem ersten Spatenstich baufällig! Wir für unseren Teil wollten als Kind Polizist werden. Wir bedauern heute zutiefst, dass es anders gekommen ist. Mit uns als Ordnungshüter wäre ziemlich Ruhe im Karton gewesen.

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Wir vermuten, dass Steinbrück mit seinem "Ich will..." ganz aktuell Nachahmer findet. Die Tour de France: "Ich will eine Blutbank werden." Paul Kirchhof, der Professor aus Heidelberg: "Ich will Steuerberater werden." Heidi Klum: "Ich will jung und schön werden." Till Schweiger: "Ich will Schauspieler werden." Kristina Schröder: "Ich will eine starre Quote werden." Horst Seehofer: "Ich will eine Flexi-Frau haben." Der Stoiber Edi: "Ja gutt, äähh." Barack Obama: "Ich will ein Wiesbadener werden." Vorsicht, Mr. President. Das ist hard stuff.