Schottland - ausgerockt

Dudelsackspieler. Foto: dpa

Gegen Kleinkariertheit hilft künftig hoffentlich ein großes Whiskyglas.

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. Das Sensationellste am Ausgang des Schottland-Referendums ist eigentlich, dass entgegen der sicheren Voraussage aller Politologen nur ein relativ geringer Stimmenanteil auf die AfD entfiel. Ansonsten - austreten, Leute, wenn immer alle gleich austreten würden, wohin soll das führen? Wir für unseren Teil wollen nur aus der Einkommensteuer austreten, Peter, the Body-Mass-Index Altmaier aus Weight Watchers, die FDP aus der Fünf-Prozent-Klausel, der HSV aus dem Fußball und der geplante Berliner Großflughafen aus allem.

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Diese Schotten. Wikipedia schreibt: "Dudelsack, Kilt (Schottenrock) und Whisky sind die bekanntesten Elemente schottischer Kultur." Na toll. Allein dieser Begriff: Dudelsack. Beim Referendum war dann aber vielen das Hemd doch näher als der Rock. Gut so. Jetzt beruhigt euch alle wieder und kümmert euch um euren Whisky und um euren Dudelsack. War nix von wegen: Die Schotten rocken die Royals.

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Übrigens: Das Karomuster auf dem Kilt heißt Tartan, was uns überrascht, weil wir bislang nur die Tartanbahn bei der Leichtathletik kannten. Und jeder schottische Clan hat sein eigenes Karomuster, wobei die Systematik angeblich aber nicht so ist, dass je kleiner der Dudelsack desto größer das Karo. Clans sind zum Beispiel ...wie meinen? Nein, nicht die Corleones, das ist was anderes. Also, es gibt unter den schottischen Clans zum Beispiel "Macdonald of the Isles" und "MacDonald of Clanranald". Wir haben uns die Karomuster der beiden angeschaut, grün und blau, die sind sich aber so ähnlich, dass man sie nicht mehr unterscheiden kann, wenn man zum Beispiel kräftig draufgekleckert hat. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum - kein Scherz - Patrick und Margaret McDonald im 19. Jahrhundert aus Irland in die USA auswanderten, wo ihre Söhne Richard und Maurice am 15.5.1940 ihr erstes Burger-Restaurant eröffneten, wo es so was von völlig wurscht war, ob sich einer vollgekleckert hat. Und das ist bis heute so geblieben, wie man überall auf der Welt sehen kann.

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Auch in Thüringen und Brandenburg gab es ja Wahlentscheidungen, aber wir wissen nicht, ob auch dort Dudelsäcke eine Rolle spielen, und wenn ja, ob eher Klein- oder eher Großkarierte. Wem das Wahlergebnis nicht passt, dem sagen wir vor dem Hintergrund einer alten kulinarischen thüringischen Spezialität: "Heul doch, Du Wurst!" Die CDU, so lesen wir überall, wolle die AfD durch Nichtbeachtung bekämpfen. Nun, das ist das, was Angela Merkel seit vielen Jahren mit Magic Horst Seehofer versucht, mit wenig Erfolg. Und es ist, nebenbei bemerkt, auch das, was in vielen deutschen Ehen geschieht, mit unterschiedlichen Resultaten.

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In Thüringen müssen die SPD-Mitglieder vielleicht wieder per Briefwahl entscheiden, von welchem Koalitionspartner sich die Partei in den nächsten fünf Jahren unterkriegen lässt. Und dann kommt bei der Stimmenauszählung vielleicht wieder diese Hochleistungsschlitzmaschine zum Einsatz wie nach der Bundestagswahl 2013. Angeblich wurde die Maschine intern "Jack, the Ripper" genannt, oder auch "Tod im Häcksler", in Anlehnung an eine berühmte "Tatort"-Folge aus Ludwigshafen. Wie meinen? Nein, wir finden überhaupt nicht, dass Andrea Nahles der Kommissarin Lena Odenthal ähnlich sieht.

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Unsere sozialdemokratischen Freunde tun sich ja überhaupt oft schwer mit Koalitionsverhandlungen, was zum Beispiel dazu geführt hat, dass im wunderbaren Bundesland Hessen jetzt Schwarz-Grün regiert, mehr oder weniger. Wie meinen? Nein, Roland Koch kommt nicht zurück. Und er geht auch nicht zur AfD. Soweit wir wissen. Also, nach den letzten hessischen Landtagswahlen, die, obwohl es rechnerisch möglich gewesen wäre, nicht mit einer SPD-Regierungsbeteiligung endeten, erzählten böse Zungen folgende Geschichte: "Es war einmal eine Wahl, da holte die SPD unter ihrem Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel - Spitzname TSG - die absolute Mehrheit. Nach vier Monaten aber brach TSG die Koalitionsverhandlungen mit sich selbst wegen unüberbrückbarer Differenzen ergebnislos ab, und die CDU kam an die Regierung." Das ist sicher übertrieben, ein bisschen.

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Treffen sich zwei Yetis. Sagt der erste: "Du, ich hab‘ den Reinhold Messner gesehen!" Meint der zweite: "Was? Den gibt‘s wirklich?" Kleiner Scherz. Messner ist 70 geworden, und der Berg ruft immer noch.