Ronald mit der Monatskarte

Ronald Pofalla. Foto: dpa

Und wieder findet sich ein kuscheliges Abteil für einen, von dem man dachte, für ihn wäre der Zug abgefahren. Echt abgefahren.

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. Ein Ronald kommt selten allein, aber es ist nicht einer wie der andere. Es gibt ja ganz berühmte Ronalde. Ronald Reagan zum Beispiel. Schauspieler von Beruf. Der spielte acht Jahre lang den amerikanischen Präsidenten - und gar nicht mal schlecht! Hatte echt Nerven, der Junge. Stand mit Dackelblick vor der Berliner Mauer: "Mr. Gorbachev, tear down this wall!" Hach! Sattel an Sattel mit John Wayne hätte der die Russen notfalls frontal mit rauchendem Colt angegriffen.

* Überhaupt: Früher waren die Menschen geradliniger. Nehmen wir mal einen anderen berühmten Ronald, Ronald Biggs, erst kürzlich gestorben. Der sagte sich: "Okay, ich bin Räuber und brauch‘ Kohle." Dann überfiel er, es war 1963, mit ein paar Kumpels den Zug von Glasgow nach London und raubte 2,6 Millionen Pfund Sterling. Heute wären das 48 Millionen Euro. Der dazugehörige Fernsehfilm hieß: "Die Gentlemen bitten zur Kasse". Ganz großes Kino mit Horst Tappert in Hochform,.noch vor seiner "Derrick"-Zeit. Dackelblick noch schöner als bei Reagan. Harry, hol schon mal den Triebwagen.

* 48 Millionen Euro. Wir schätzen, dass ein anderer berühmter Ronald, nämlich Ronald Pofalla, nicht mehr als zwei oder drei Jahre braucht, um das als Bahnvorstand einzufahren, als Gehalt. Legal - oder sagen wir mal: ohne Inanspruchnahme des Raub-Tatbestands des Strafgesetzbuchs. Das erinnert uns an Bertolt Brecht, 1928, Dreigroschenoper: "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?" Also Pofalla bei der Bahn. Mal sehen, wie er sich macht, mit rotem Mützchen auf dem Kopf und einem Pfeifchen an der Bahnsteigkante. "Zurückbleiben, bitte!" - "Aber ich bin doch schon zurückgeblieben..." Wir werden ihn ab sofort "Rolling Ronny" nennen. Oder "Ronny, Schaffner des Grauens". Nix mehr "Mord im Orient-Express", sondern "Mord im Mutti-Express". Und der Begriff "Tunnelblick" erscheint ab jetzt in ganz neuem Licht.

* Aber jetzt mal ernsthaft zur Politik. "Steinmeier attackiert CSU-Pläne zur Armutsmigration", lesen wir. Schock! Armutsmigration, das kann doch nur heißen, dass sich tausende Angehörige kleiner räuberischer christsozialer Bergvölker aufmachen, ihre kargen Alpentäler zu verlassen, wo sie aus lauter Verzweiflung ihren mageren Kühen das Gras klauen und es selbst rauchen, um nun in die fetten Pfründe Münchens vorzustoßen, in die Discotkek P1, oder am besten gleich in die VIP-Lounge des FC Bayern, dorthin, wo man besser als an jedem anderen Ort der Welt weiß, wie man der Armut entflieht, und der Einkommensteuer.

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* Überhaupt scheint es so kurz nach Weihnachten angebracht, Armen eine gewisse Hoffnung zu geben. "Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich." So steht es geschrieben im Matthäus-Evangelium, wobei es natürlich nicht um Loddar gehen kann, denn für einen Loddar Maddäus wäre ein Evangelium nicht genug, er würde es nicht unter (unter?) Evangelista machen, Linda Evangelista, aber auch so hat er schon viel Stress wegen Sylvia, Lolita, Marijana, Kristina Liliana, Joanna und wie sie alle heißen.

* Zum guten Start ins Neue Jahr wollen wir mal gleich mit zwei blöden Sachen aufräumen. Erstens: die sogenannten guten Vorsätze. Gefährlich, denn Vorsatz wird im Strafrecht immer härter bestraft als Fahrlässigkeit. Und überhaupt stammt "Vorsatz" aus einer problematischen Wortfamilie, denken wir nur an Bodensatz (im Sinne von Abschaum), Zinssatz (Sparbuch) oder Steuersatz (Schwarz-Grün in Hessen erhöht die Grunderwerbsteuer!)

* Zweitens: die Sache mit dem "Kater" nach Silvester. Betroffenen lässt mein Kater Bébé Folgendes mitteilen: "Hört mir zu, Ihr Schwachmatiker! Kein seriöser Kater dieser Welt käme jemals auf die Idee, sich bis zur Besinnungslosigkeit die Kante zu geben und anschließend grölend, lallend, randalierend oder auf der Toilette herumtorkelnd ein unwürdiges Dasein zu fristen. So was schaffen nur Menschen! Und wenn Ihr dann anderentags merkt, dass in Euren Birnen nicht nur Stroh ist, sondern auch Teile, die wehtun können - wobei es sich nur in den seltensten Fällen um Gehirn im klassischen Sinne handeln wird - DANN LASST GEFÄLLIGST DEN BEGRIFF ‚KATER‘ AUS DEM SPIEL! Trinkt Apfelkorn, wenn ihr nichts vertragt, Ihr Suffköppe!