Ring-Fahndung

Der Nürburgring steht zum Verkauf. Archivfoto: dpa

Ende einer Dienstfahrt: Per Zeitungsannonce soll der Nürburgring verscherbelt werden. Die einzig spannende Frage: Bietet Kurt Beck mit?

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. Die mentalen Grundpfeiler unserer Zivilisation brechen weg. Jeder Depressive, der schon morgens sicher war, dass die Welt untergeht, gab bei Google "Bettina Wulff" ein, dann erschien sofort als weiterer Suchvorschlag, na, was wohl? Und so wusste man zumindest, dass die Welt noch nicht untergegangen war. Und jetzt? Tagelang versuchten wir vergeblich, bei Google ernsthafte Namen einzugeben und damit lustige Vorschläge herauszukitzeln - aber die haben die Nummer offenbar abgestellt! Nix! Das hängt offensichtlich damit zusammen, dass der Bundesgerichtshof Googel an die Goorgel, Pardon, Gurgel gegangen ist. Schutz gegen Diffamierung im Internet! Furchtbar, diese Gerichte, gönnen einem keinen Spaß.

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Wer deshalb echt in die Bredouille kam, war der SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück, Moneten Peer, wie wir ihn nennen. Der wollte sich eigentlich sein Schattenkabinett zusammengoogeln. Er gab "Schatten" ein, und bekam den Text eines Lieds von Caterina Valente aus dem Jahr 1954, wir Älteren erinnern uns: "Dreh dich nicht um nach fremden Schatten//geh‘ Deinen Weg, den man dir wies//Wenn es Nacht wird, wenn es Nacht wird in Paris."

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Nun, Nacht in Paris ist es schon lange, das wird nächste Woche der sozialistische Präsident Hollande berichten, der zum 150. SPD-Geburtstag nach Leipzig kommt. Hollande ist praktisch insolvent. Besagtes Lied ist der Titelsong zu dem Film "Wenn es Nacht wird in Paris", mit Jean Gabin. Die Inhaltsangabe bei www.cinema.de fängt so an: "Letzter Coup vor dem Ruhestand..." Auch das ist kein wirklich gutes Omen für Steinbrück.

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Steinbrück hat aber nicht aufgegeben. Ihm war in Erinnerung, dass es da einen ganz tollen Finanzinvestor gibt, der auch bei Karstadt einstieg, Nicolas Berggruen. Das wäre doch ein toller Schattenwirtschaftsminister, also, das klingt jetzt komisch, sagen wir: für‘s Schattenkabinett der richtige Wirtschaftsminister. Steinbrück hat dann "Berggrün" eingegeben, aber irgendwie ist dann "Wiesehügel" herausgekommen. Na gut, dachte Steinbrück, wenn Google meint, ich streit‘ mich nicht. Und so kam Klaus Wiesehügel in den Schatten, also, ins Kabinett. Als Steinbrück beim Goorgeln seines potenziellen Schattenkabinetts dann allerdings die Namen An¬drea Nahles, Ursula Engelen-Kefer und Daniela Katzenberger zutage förderte, hat er aufgehört.

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Wir lernen daraus: Goorgeln, vor allem morgens vor dem Frühstück, ist schön und gut. Aber es geht doch nichts über die gute alte Tageszeitung. Da sind nämlich am Mittwoch Anzeigen erschienen, um Leute zu finden, die den Nürburgring kaufen möchten. Wie meinen? Nein, diese kleinen lauten Autos mit Vettel und Alonso drin werden nicht mitverkauft! Leute! Das Prinzip ist so gut, dass man es auch mit anderen Objekten versuchen sollte. Allerdings müsste ein bisschen Stimmung in die Anzeigen rein. Eine Annonce zum Verkauf des geplanten Berliner Flughafens BER könnte so aussehen: "ACHTUNG, HANDWERKER!" (So fangen Immobilien-Anzeigen immer an, wenn das Verkaufsobjekt die allerletzte Bruchbude ist und praktisch nur noch vom Moos an den Wänden zusammengehalten wird.) "Liebhaberstück!" (Haha.) "Angeblicher Flughafen, unbenutzt und ausbaufähig, wartet auf Ihre Kreativität! Wasser- und Stromanschlüsse teilweise schon vorhanden. Gesamte Grundfläche wäre ideal als Gokart-Bahn oder Parkplatz. Aufsichtsrat (teilweise debil) müsste mit übernommen werden."

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Anderes Beispiel: Wir bringen die Bahn (DB) an den Mann. "Nachmieter gesucht. Interessenten müssen über viel Freizeit, Führerschein und eigenen Pkw verfügen sowie unbegrenzt leidensfähig, hitzebeständig (Sommer) und frostresistent (Winter) sein. Märklin-Fans zwecklos, denn jetzt ist Schluss mit lustig." Übrigens: Bei der Nürburgring-Annonce fehlt natürlich der sehr wichtige Hinweis, dass ein Erwerber der Immobilie auch das dort verankerte lebenslängliche Wohnrecht für einen gewissen Kurt B. mit übernehmen muss.

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Kommen wir zum Schluss zu den lustigen Dingen. Nachdem die CSU Ärger hat, weil einige ihrer Abgeordneten Ehepartner als Angestellte beschäftigt und bezahlt haben, soll jetzt Theo Waigel, Kohls alter Finanzminister, einen Verhaltenskodex erarbeiten. Uns liegt ein geheimer Entwurf vor: 1.) Die Aufforderung von Vicky Leandros "Theo, wir fahr‘n nach Lodz", ist alleine für sich genommen noch nicht der Versuch der Politiker-Bestechung, es sei denn, es kämen zu Vickys Schlafzimmerblick noch weitere Indizien hinzu. 2.) Der Begriff "OTW", "ohne Theo Waigel", der zu dessen Finanzministerzeit bedeutete, dass eine Rechnung netto mit Schwarzgeld bezahlt wurde, ist von Übel. 3.) Waigels Augenbrauen-Gestrüpp ändert nichts an der Tatsache, dass die Entschuldigung "Mir fällt es erst jetzt wie Schuppen von den Augen" nicht strafbefreiend wirk. 4.) Typische bajuwarische Floskeln wie "Hund‘ samma scho", "Mia san mia", "Ja, verreck‘" oder "A bissel was geht alleweil" wirken strafrechtlich nicht entlastend. 5.) Selbstanzeigen nimmt der Seehofer entgegen, Magic Horst, wie wir ihn nennen, denn beim Horst herrscht über eine/n reuigen Sünder/in mehr Freude als über tausend Gerechte. Vergebung ist dem Horst nämlich in die Wiege gelegt - die Wiege von seinem unehelichen Kind von der aushäusigen Dame. 6.) Man darf dem Uli Hoeneß die Würste aus seiner Fabrik abkaufen, aber nicht die Story, wonach ihm sein Schweizer Konto eigentlich gar nie nicht komisch vorkam. 7.) Es ist bei Strafe der Exkommunizierung verboten, die Aigner Ilse zu fragen, wieso sie eigentlich gar keinen Ehemann hat, den sie aber im bayerischen Landtag ohnehin nicht als Bürogehilfen hätte anstellen dürfen.