Rehbergs Analyse: Wer ist Rouven Schröder?

Rouven Schröder kommt als Nachfolger von Manager Christian Heidel an den Bruchweg. Archivfoto: imago Sportfotodienst

Demnächst wird Rouven Schröder am Bruchweg sein Büro beziehen. Schröder will der Nachfolger von Christian Heidel werden. Doch wer ist dieser aus Arnsberg im Sauerland...

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. Am kommenden Sonntag stellt sich Christian Heidel dem Aufsichtsrat von Schalke 04 vor. Danach ist die Angelegenheit, dieses dauerdehnbare Wechselmaterial mit wöchentlichem Memory-Effekt, eingetütet. Dann hat der 05-Manager seine Häkchen im Kasten: Der mächtige S04-Boss Clemens Tönnies will Heidel, der 05-Manager will nach Schalke, Heidel hat seit drei Wochen die Freigabe des Mainzer Vorstandes in der Tasche, Heidels Nachfolger sitzt in Bremen auf gepackten Koffern – und dass der 05-Manager in der sonntäglichen Aufsichtsratssitzung im Kohlenpott zu wenig Vertrauen spüren könnte, das ist nicht vorstellbar. Und wenn dieser Knowhow-Transfer tatsächlich doch noch platzen sollte, dann wäre das nach dieser langen Vorbereitungszeit eine Blamage für alle handelnden Personen.

Dann wird also demnächst Rouven Schröder am Bruchweg sein Büro beziehen. Thomas Eichin, Geschäftsführer von Werder Bremen, hat die Abmachung mit Schröder bestätigt, wonach der Klub von der Weser seinem Sportdirektor die Freigabe gewährt, sollte der 40-Jährige das Angebot für eine verantwortliche Position in der ersten Reihe eines Profiklubs annehmen wollen. Schröder will der Nachfolger von Christian Heidel werden.

Dramatische Geschichte von Mainz 05 hautnah miterlebt

Wer ist dieser aus Arnsberg im Sauerland stammende Mann mit dem markanten kahlen Schädel? Rouven Schröder war Profifußballer. 1999 wechselte er vom SSV Meschede zu den Amateuren des VfL Bochum. 2000/01 hatte der Jungprofi acht Bundesligaeinsätze, vom 27. bis zum 34. Spieltag; der 1,87 Meter große Hüne bildete gemeinsam mit Thomas Stickroth die Innenverteidigung. Die Bochumer stiegen damals ab unter Trainer Rolf Schafstall.

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2001/02 erlebte Schröder im Bochumer Trikot hautnah eine dramatische Aufstiegsentscheidung in der Zweiten Liga. Am dritten Spieltag schlugen die Bochumer mit dem kantigen Rechtsverteidiger Schröder den vom jungen Jürgen Klopp trainierten FSV Mainz 05 mit 2:1. Die 05er stürmten mit Michael Thurk und Blaise Nkufo, im Mittelfeld kurbelten Jürgen Kramny, Christof Babatz, Sandro Schwarz und Christian Hock an. Nach der Hinrunde aber waren die 05er Spitzenreiter. Mit satten zwölf Punkten Vorsprung vor dem Fünften, dem Erstligaabsteiger VfL Bochum. Das Ende ist bekannt: Am letzten Spieltag unterlag die Klopp-Elf bei Union Berlin mit 1:3, die Bochumer mit Trainer Peter Neururer gewannen in Aachen – und der dritte Aufsteiger mit 65 Punkten war der VfL, die Mainzer wurden mit 64 Zählern „nur“ Vierter.

Rouven Schröder wechselte zur Spielzeit 2002/03 zum von Bernhard Dietz trainierten MSV Duisburg. Mit den Zebras unterlag er am 29. Spieltag am Bruchweg mit 1:3. Die 05er segelten erneut auf Aufstiegskurs. Auch dieser Ausgang ist bekannt: Trotz eines 4:1 am letzten Spieltag in Braunschweig musste das Klopp-Team der Frankfurter Eintracht den Vortritt lassen als dritter Aufsteiger. Ein einziges Tor fehlte den 05ern zur Verwirklichung des Bundesligatraums.

Vom Spieler zum Trainer

2003/04 unterlag Schröder mit den Duisburgern am Bruchweg mit 1:4. Am 30. Spieltag. Vier Wochen später bebte die Stadt Mainz. Der erste Bundesligaaufstieg in der Klubgeschichte war geschafft. Man darf davon ausgehen, dass der künftige 05-Manager diesen Mainzer Weg sehr direkt mitverfolgt hat als kickender Ligakonkurrent. Schröder wechselte in jenem Sommer 2004 zum VfB Lübeck in die Regionalliga Nord. Von 2007 bis 2009 spielte er wieder für den VfL Bochum II, bei dem er auch als Co-Trainer wirkte und bei dem er zudem erste Büroerfahrung sammelte. Danach ging es noch mal für ein paar Monate nach Lübeck. Dann ließ er beim NTSV Strand 08 in Timmendorf seine Karriere ausklingen als spielender Co-Trainer.

Zur Saison 2010/11 stieg Schröder beim Bundesligisten 1. FC Nürnberg ein als Videoanalyst und Scout. Am 25. Juni 2012 trat er beim Bundesligaaufsteiger SpVgg Greuther Fürth die Stelle an als Koordinator der Lizenzmannschaft. Am 4. Januar 2013 wurde er befördert zum Sportlichen Leiter. Nach der Entlassung von Trainer Mike Büskens leitete Schröder im Februar an der Seite von Interimscoach Ludwig Preis auch kurzzeitig das Training. Am Ende der Saison verabschiedeten sich die Kleeblätter wieder aus der Bundesliga. Das Toptalent Johannes Geis wechselte nach Mainz. Der heutige 05er Daniel Brosinski wechselte von Duisburg nach Fürth.

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Unermüdlicher Sichter und Entdecker von neuen Talenten

Und Rouven Schröder veränderte sich in jenem Sommer 2013 zum SV Werder Bremen. Er wurde dort als Nachfolger des Ex-Profis Frank Baumann zum „Direktor Profifußball und Scouting“ gekürt. Die Medienarbeit erledigte aber verstärkt sein direkter Vorgesetzter Thomas Eichin. Der Experte auf dem Transfermarkt war und ist Schröder. Dem ein exzellenter Ruf voraus eilt als unermüdlicher Sichter und Entdecker von entwicklungsfähigen Spielern. In Mainz steht der 40-Jährige künftig an der Front. Alle Aufgaben Heidels wird der in unterschiedlichsten Situationen gestählte Schröder nicht auf Anhieb erledigen können.

Heidel hat sich binnen seiner 24 Jahre als Manager am Bruchweg in sämtliche Details des Profifußballs eingearbeitet, inklusive der Planung und des Baus eines neuen Stadions. Spieler preiswert einkaufen und teuer verkaufen, das ist die Domäne des im Verhandlungspoker kreativen Experten für langfristig wirkende Vertragsoptionen. Zudem fungiert der erfolgreiche Trainerentdecker als Vordenker, Entscheider und Macher im Klub. Und eine der wichtigsten Funktionen des bundesweit anerkannten Fachmannes ist die instinktsichere Analyse, Bewertung und Lenkung von sportlichen Situationen, intern und in der Öffentlichkeit. Große Fußstapfen. Rouven Schröder wird Unterstützung benötigen. Die verbleibende Zeit bis zum 1. Juli wird der intelligente und rhetorisch sichere Sauerländer nutzen müssen für den Aufbau einer - seinen eigenen Vorstellungen entsprechenden - Fachabteilung.