Rehbergs Analyse: Punkteteilung gegen Kölner Mannschaft ohne...

Der beste Spieler auf dem Platz: Yunus Malli, hier im Zweikampf mit Dominic Maroh. Foto: dpa

Drei Spiele ohne Niederlage. Ein Heimsieg, zwei Auswärtsremis. Die vergangenen beiden Spiele ohne Gegentor. Die 05er basteln gerade eifrig und fleißig an einer stabilen...

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. Drei Spiele ohne Niederlage. Ein Heimsieg, zwei Auswärtsremis. Die vergangenen beiden Spiele ohne Gegentor. 3:3 in Augsburg, 2:0 gegen den VfL Wolfsburg, und nun das 0:0 beim 1. FC Köln. Sieben Punkte Vorsprung vor dem Abstiegsrelegationsplatz. Die 05er basteln gerade eifrig und fleißig an einer stabilen Zwischenphase, die der Mannschaft Arbeitsschritt für Arbeitsschritt den Weg asphaltiert, entspannt Weihnachten feiern und eine unaufgeregte Wintervorbereitung durchziehen zu können.

Der beste Fußballer auf dem Platz beim torlosen Geschehen in Köln war Yunus Malli. Die Ahnung, der neue türkische Nationalspieler könnte in dieser Partie zwischen zwei sehr ähnlich ausgestatteten Mannschaften den Unterschied ausmachen, hat nicht getrogen. Die Kölner hatten in der Platzmitte mit Matthias Lehmann und Kevin Vogt zwei solide Renner, Zerstörer, Schaffer und Antreiber, aber keinen ideenreichen und/oder torgefährlichen Techniker mit gestalterischen Fähigkeiten. Die 05er haben einen hoch talentierten Zehner. Und Malli füllte diesen zentralen Raum - insbesondere in der ersten Halbzeit - mit seinem Können aus.

Köln fand in Spieleröffnung keine Mittel

Ab der 15. Minute waren die Mainzer bis zum Pausenpfiff die bessere Mannschaft. Nach zwei netten Chancen in der Startphase fanden die Kölner in der Spieleröffnung keine Mittel mehr gegen die hoch anlaufenden Yoshinori Muto und Yunus Malli, keine Mittel im Spielaufbau gegen die Druck auf den Ball ausübenden Julian Baumgartlinger und Danny Latza, keine Mittel an den Flügeln gegen die konzentriert nach hinten arbeitenden Jairo und Pablo de Blasis, die den Außenverteidigerkollegen Daniel Brosinski und Pierre Bengtsson fast schon die Arbeit abnahmen. Und wenn der FC an den Seitenplanken sein Geschwindigkeitspotenzial nicht ausspielen kann, dann ist der abschlussstarke Mittelstürmer Anthony Modeste isoliert – und dann bleibt da nicht mehr viel an offensiven Entfaltungsmöglichkeiten. Auch, weil Trainer Peter Stöger keinen Zehner hat.

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Auf der Grundlage dieser Sicherheit in ihrem engmaschig organisierten Defensivblock erarbeiteten sich die 05er spielerische Vorteile. Mit teilweise guten Kurzpasspassagen. Und mit Yunus Malli, der sich zeigte, der Bälle anzog, der sich mit kurzen Drehungen befreite, der dribbelte, der Räume aufspielte für die Mitspieler. Der Vorlagen lieferte und der zum Abschluss kam. Was Malli an diesem Tag fehlte, das war der Killerinstinkt, die Kompromisslosigkeit im Tempodribbling Richtung Strafraum und im Torabschluss. Da hat der junge Hochbegabte schon riesige Fortschritte gemacht, der nächste Schritt ist: Konstanz auf hohem Niveau. Dann wird der Deutschtürke eines Tages mit seiner individuellen Klasse genau diese engen Spiele entscheiden. In Köln schoss Malli zweimal sehr knapp am Kasten vorbei, eine Bilderbuchflanke des Technikers köpfte Pablo de Blasis freistehend übers Tor, eine andere Flanke des Spielmachers verfehlte der Argentinier vor dem leeren Tor.

In Not nur nach eigenen Fehlern

In der zweiten Halbzeit erreichten die 05er diese Befreiungsqualität erst wieder in der Schlussphase. Die Kölner drängten, sie drückten aufs Gaspedal, aber die Gäste kamen nur in Nöte in Folge diverser Eigenfehler. Das waren eklatant schlampige Ballverluste (nicht eben selten von Jairo) und unerzwungene Fehlpässe (nicht eben selten von Latza). Der Retter war Keeper Loris Karius, der mit einer herausragenden Bodenaktion gegen Leonardo Bittencourt die einzige ganz große Kölner Entscheidungschance stoppte.

Und dann gab es da noch die 57. Minute. Eine Abseitsentscheidung, über die sich die Gastgeber mächtig aufregten. Ein Tiefenpass, der Niko Bungert in der letzten Reihe zwischen den Beinen durchrutschte. Der aus einer knappen Abseitsposition heraus gestartete Modeste wurde auf seinem freien Weg zum Mainzer Strafraum abgewunken. Sky-Oberlehrwart Peter Gagelmann stufte Bungerts missglückte Abwehraktion als neue Spielhandlung ein, demnach hätte Schiri Wolfgang Stark Modestes Abseitsposition als aufgehoben werten müssen. Ein typischer Fall für Argumentationskünstler.

Abseitsentscheidung in der Grauzone

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Die Regel 11 in den DFB-Bestimmungen klärt das Abseits, unter „zusätzlichen Erläuterungen“ heißt es: „Die Berührung des Balles durch einen gegnerischen Spieler hebt eine Abseitsstellung nur dann auf, wenn es sich dabei um ein absichtliches Spielen des Balles handelt, das nicht einer Abwehraktion entspringt.“ Sagen wir es so: Bungerts Aktion bewegt sich einer Grauzone, da besteht viel Interpretationsspielraum. Packen wir den Fall auf das Glückskonto der 05er. Dann geht das 0:0 in Köln immer noch in Ordnung.