Rehbergs Analyse: Mainz 05 ohne Leidenschaft und Idee

Fassenacht beim Fußball - geht das wirklich zusammen? Foto: Sascha Kopp

Sang- und klanglos hat Mainz 05 verloren gegen den SV Werder Bremen, in der Opel Arena war am Samstag schon Aschermittwoch - trotz Schwellköpp und Gardetanz vor der Partie. Den...

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. Passen Fastnacht und Fußball zusammen? Sky stürzte sich in der Opel Arena gierig auf die Chance, vor dem Anpfiff Schwellköpp zu interviewen. Das war sicher nett für die Fernsehshow. Für das weitere Geschehen im 05-Haus war das vierfarbbunte Opening offensichtlich so elektrisierend wie eine Büttenrede in Bremerhaven. Nun könnte man auf die Idee kommen, zu fragen: Was können die gelenkigen Gardentänzerinnen, die engagierten Trommler, die lustigen Schwellköpp und der Weck-Worscht-und-Woi-Sänger dafür, dass die 05er anschließend in einer überwiegend trostlosen Stadionatmosphäre sang- und klanglos gegen Werder Bremen verlieren? Natürlich überhaupt nichts. Aber mancher 05-Anhänger fühlte sich auf dem Heimweg so, als sei schon Aschermittwoch.

0:2 gegen den Tabellendrittletzten. Kann passieren. Der Tabellendritte Eintracht Frankfurt hat zu Hause gegen den Vorletzten aus Ingolstadt verloren. Was die Vorstellung in der Opel Arena besonders machte, das war der Eindruck: Die 05-Profis haben sich in der ersten Halbzeit in ihren Fastnachtstrikots zu wenig angestrengt. Und das ist für eine Mannschaft, die auswärts nahezu jedes Spiel verliert, denn doch sehr verwunderlich.

Bis zur Pause ohne Überzeugung und Leidenschaft

Zu wenig Körperspannung, überschaubare Laufbereitschaft, kaum krachende Zweikämpfe, Einfallslosigkeit im Passspiel, überhaupt kein Tempo, keine Dynamik, keine kollektive Energie. Keine Überzeugung, keine Leidenschaft. Das war der Fingerabdruck der 05er bis zur Pause. Die gebeutelten Bremer, deren Trainer auf der Abschussrampe sitzt, verwandelten in diesem Zeitraum mit überschaubarem Aufwand und einer mittelprächtigen taktischen/spielerischen Qualität einen Eckball und einen direkten Freistoß. 0:2. Das war an diesem Tag schon die Entscheidung.

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Die Mainzer bäumten sich in der zweiten Halbzeit auf, die Spieler steigerten ihr Bemühen. Die Bremer 4-4-2-Burg wankte auch ein wenig. Doch der in seiner Karriere oft wacklige Werder-Keeper Felix Wiedwald parierte glänzend zwei Kopfbälle von Pablo de Blasis. Zlatko Junuzovic blockte auf der Torlinie einen Köpfer von 05-Kapitän Stefan Bell. Und als der Ball endlich mal im Netz lag, da musste im Regieraum der Narrhallamarsch schon nach den ersten Tönen wieder gestoppt werden: Jhon Cordoba hatte in Abseitsstellung getroffen. Fazit: Die Versäumnisse aus der ersten Halbzeit, als Wiedwald tatsächlich nicht mehr zu tun bekam, als einen wuchtigen Durchbruch von Cordoba zu meistern, hatten sich nicht mehr kompensieren lassen.

Angriffsbemühungen lässig verteidigt

Man kann die Sache darauf reduzieren, dass die Bremer mit ihrem disziplinierten Defensivansatz den 05ern keine Kontermöglichkeiten gestattet haben. Man muss zum wiederholten Male festhalten, dass die Elf von Martin Schmidt nicht viel anfangen kann mit der Ballbesitzrolle gegen einen die tiefen Räume gut organisiert abschirmenden Gegner. Und daran ändert auch nichts der glänzende Kleinfeldtechniker Bojan Krkic. Der prominente Winterzugang, der in der Wettkampfhärte großen Nachholbedarf hat, war nie eingebunden. Wie auch? Innenverteidiger André Ramalho schlug aus der hintersten Reihe serienweise lange Bälle, die segelten über den schmächtigen Bojan hinweg, die abgewehrten Bälle blieben wenig umkämpft von den Mainzern. Diese simple Spielweise verteidigte das biedere Werder lässig. Mit der statistisch betrachtet schwächsten Abwehrreihe der Liga.

„Die Bremer haben uns die Tiefe genommen“, analysierte der 05-Coach. „In der zweiten Halbzeit haben wir es mehr über die Flügel versucht, aber…“ Zu spät. Rückstände aufzuholen gegen eine gegnerische Wagenburg, dafür fehlen den 05ern die Passmuster im Aufbau, die spielerischen Prinzipien in den torgefährlichen Räumen. Angriffstiefe kann man auch mal mit wildem Angriffspressing erzwingen.

Nicht die richtigen Typen fürs giftige Pressing

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Jairo, Levin Öztunali und Bojan sind dafür nicht die geeigneten Spielertypen. De Blasis kann das. Der kleine Argentinier war nach seiner Einwechslung der einzige 05-Profi, der giftig wirkte. Die Außenverteidiger Giulio Donati und Daniel Brosinski, die Zentrumsspieler Danny Latza und Jean-Philippe Gbamin, die Flügelstürmer Jairo und Öztunali – sie alle hatten zu kämpfen mit ihrer schwachen Tagesform.

Am Fastnachtssamstag in Leverkusen werden sich wieder Konterräume auftun, sagt Martin Schmidt. Und der Druck, den seine Mannschaft wohl brauche für die Mobilisierung der maximalen Leistungsbereitschaft, sei nun auch wieder da. Sechs Punkte Vorsprung vor dem Abstiegssumpf. Das ist kein beruhigendes Polster.