Rehbergs Analyse: Hervorragend organisiert gegen den BVB

Duell: 05-Außenspieler Levin Öztunali (rechts) gegen Dortmunds Marcel Schmelzer. Foto: dpa

Ein Punkt gegen Borussia Dortmund und eine spektakuläre Winterverpflichtung am Vormittag - ein besonderer Sonntag für Mainz 05, meint unser Experte Reinhard Rehberg....

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. Das war für die 05er ein besonderer Sonntag. 1:1 gegen Borussia Dortmund in der Opel Arena. Ein Remis gegen diese Millionenmannschaft von Thomas Tuchel, damit kann das Team von Martin Schmidt sehr gut leben. Der 05-Coach hat damit seinem ehemaligen Bruchweg-Kumpel Tuchel den ersten Punkt abgerungen im vierten direkten Aufeinandertreffen. Am Vormittag hatte Rouven Schröder schon für einen Paukenschlag gesorgt. Der Mainzer Sportdirektor bewerkstelligte eine spektakuläre Winterverpflichtung: Bojan Krkic, einst ein Wunderkind beim FC Barcelona, zuletzt zweieinhalb Jahre beim englischen Premierklub Stoke City, spielt auf Leihbasis für ein halbes Jahr im 05-Trikot.

Qualität auf der Zehnerposition nötig

Ein Profi, der Topklubs wie Barca, AS Rom und Ajax Amsterdam in seiner Sportvita stehen hat, hat am Bruchweg noch nicht aufgeschlagen. Bojan Krkic ist erst 26 Jahre alt. Aber als der Gala-Techniker im Alter von 18 Jahren bei einem Gruppenspiel des FC Barcelona auf Schalke sein erstes Champions-League-Tor schoss, da hieß der Trainer des serbischen Spaniers noch Frank Rijkaard (der Vorgänger von Pep Guardiola), im S04-Kasten stand noch der junge Manuel Neuer – und die 05er kickten unter Jürgen Klopp noch in der Zweiten Liga.

Dass die 05er die Qualität dieses Bojan auf der Zehnerposition sehr gut gebrauchen können im Verlauf der Rückrunde, das zeigte auch die Partie gegen die Dortmunder. Lange Zeit sah es danach aus, als sollte die Borussia trotz einer ab der 30. Minute dürftigen Vorstellung die drei Zähler abstauben in der Opel Arena. Die 05er verteidigten nahezu perfekt gegen den Dortmunder Hochgeschwindigkeitsangriff. Aber eigene zielstrebige Konterzüge und Abschlussszenen blieben Mangelware.

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Ball mit Bananenkurve

Dann wurde es doch noch laut in der Arena. Den früheren „Bananenflankenmann“ Manni Kaltz hat Levin Öztunali in seiner Jugendzeit beim Hamburger SV nicht mehr erlebt. Aber der 21-Jährige Rechtsaußen schlug 13 Minuten vor dem Abpfiff einen Ball mit der berühmten Bananenkurve Richtung langen Pfosten. Und dort wuchtete Danny Latza aus vollem Lauf die Kugel mit der Stirn ins Netz. Das 1:1. Sekunden vor dem Schlusssignal hätte Pablo de Blasis beinahe sogar noch das Siegtor erzielt. Nach seinem seelenlosen Auftritt in der zweiten Halbzeit hätte sich der haushohe Favorit aus Dortmund über eine Niederlage nicht mal beschweren dürfen.

Der Schlüssel für den Mainzer Erfolg war die hervorragende Defensivorganisation. Baute die Borussia aus der eigenen Hälfte auf, dann verteidigten die 05er mit ihrem Defensivblock mutig weit nach vorn verschoben. Betrieben die Dortmunder ihre Ballzirkulation in der Mainzer Spielhälfte, dann standen die 05er hinten tief und massiert. Das funktionierte. Die Dortmunder kamen nur zu ganz wenigen Torchancen mit ihrem Weltklassesturm. Der leichtfüßige und technisch brillante Marco Reus bereitete der 05-Abwehr ein paar Probleme. Supersprinter Pierre-Emerick Aubameyang kam nur einziges Mal durch in die Tiefe, da behinderte der entschlossen nach vorn durchgelaufene Torhüter Jonas Lössl den Torjäger weit außerhalb des Strafraums.

Schürrle mit nur einer guten Szene

André Schürrle hatte auch nur eine einzige starke Szene. Da bereitete der Ex-05er den Dortmunder Führungstreffer vor. Doch hätte zuvor Jean-Philippe Gbamin im Mittelfeld nicht leichtfertig die Kugel verschusselt gegen Schürrle, dann wäre auch diese blitzschnell durchgezogene Umschaltmöglichkeit nicht entstanden. Schürrles Querpass verwertete Reus eiskalt. Danach kontrollierten die Gäste die Partie.

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Da ging der Matchplan von Martin Schmidt nur bedingt auf. Fabian Frei sollte als Defensivzehner mehr aus der Tiefe kommen. Doch der Schweizer bewegte sich zu oft in der Nähe von Mittelstürmer Yoshinori Muto. In diesen Räumen hatte Frei, dem es dort an Tempo und an der nötigen Wendigkeit mangelt, keine Chance. Das Aufbauspiel blieb häufig bei Gbamin hängen. Und der Franzose hatte keinen guten Tag im eigenen Ballbesitz. Schmidts Wechselmaßnahmen nach der Pause griffen. Ramalho kam für Gbamin, kurz darauf Aaron Seydel für Frei und Pablo de Blasis für den wenig eingebundenen Muto. Insgesamt wählten die 05er viel zu oft die langen und hohen Schläge nach vorne, die schnappte sich fast durchgängig der Kopfballmeister Sokratis.

Auf der anderen Seite hatten die Dortmunder dadurch wenig Chancen, ihr Mittelfeldpressing wirkungsvoll einzubringen. Dennoch: Ramalho stabilisierte das Mittelfeldzentrum, Seydel irritierte die Dortmunder, de Blasis wuselte mehr als Muto. Klar, ohne das Ausgleichstor hätte man den 05ern aufgeschrieben: Hervorragend verteidigt, aber zu wenig Gift in den Mittelfeldräumen, zu wenig präzise flache Anspiele in den Umschaltbewegungen, zu wenig Torgefahr. Doch im Fußball genügen oft wenige Szenen für einen positiven Gesamteindruck. Und mit dem technisch hoch begabten Halbstürmer Bojan Krkic mag künftig wieder mehr Druck über die Zehnerposition entstehen.