Rehbergs Analyse: Erstes Heimspiel ohne Offensiv-Waffen

Kasper Hjulmand - in Paderborn geht es auch um das Vertrauen in seine Arbeit. Foto: Harald Kaster

Es kann besser werden im Offensivspiel, besser zumindest als beim 0:0 gegen Hannover 96 im ersten Heimspiel dieser Saison. Niemand weiß, wo die Mannschaft von Trainer Tayfun...

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. Die beste Nachricht an diesem Sonntagnachmittag in der Cofae Arena erreichte die 05-Anhänger in der Halbzeitpause: Da verkündete Stadionsprecher Klaus Hafner bei seinem 25-jährigen Dienstjubiläum, dass der Klub zusätzlich zu dem am Samstag unter Vertrag genommenen Jairo mit Pablo de Blasis und Rückkehrer Sami Allagui zwei weitere neue Stürmer verpflichtet hat. Das war die Story an diesem Tag: Es kann besser werden im Offensivspiel, besser zumindest als beim 0:0 gegen Hannover 96 im ersten Heimspiel dieser Saison. Niemand weiß, wo die Mannschaft von Trainer Tayfun Korkut ihre Ansprüche auf internationale Plätze hernimmt, Tatsache ist, dass den Mainzern beim Heimdebüt von Trainer Kasper Hjulmand gegen diesen nur unteres Mittelmaß darstellenden Gegner für den ersten Drei-Punkte-Erfolg im Ergebnis lediglich die offensiven Waffen fehlten.

Die Hannoveraner verschanzten sich in einem engen 4-4-2-Block. Die Korkut-Elf lief nicht sonderlich aggressiv an, die ersten Linie hatte aber ein Auge auf 05-Spieleröffner Johannes Geis. Die Mainzer bespielten diese Burg nicht mal schlecht bis zur Pause. Die Spielkontrolle war erkennbar. Auch ein Muster: Die äußeren Offensivspiel Christoph Moritz und Ja-Cheol Koo arbeiteten mehr nach innen, das öffnete die Außenbahnen für die stürmenden Außenverteidiger Daniel Brosinski und Junior Diaz. Insbesondere nach diagonalen Seitenverlagerungen kamen die Offensivverteidiger durch. Nur die Flanken versandeten. hängen. Shinji Okazaki bot als Mittelstürmer eine sehr starke Arbeitsleistung, die entscheidende Abschlussaktion wollte sich aber nicht einstellen für den Japaner.

Je länger die Partie aber dauerte, desto klarer wurde, dass dieses Muster das einzige war, das die 05er am Start hatten. Für mehr Torgefahr hätte es mehr individueller Geschwindigkeit bedurft, mehr an Laufwegen in die Tiefe von schnellen Stürmern, die sich im Idealfall auch im Tempodribbling durchsetzen können. Die Hoffnungen in diesem Segment ruhen nun auf den späten Neuzugängen. In der aktuellen Formation waren die 05er in ihren Angriffsbemühungen doch relativ leicht zu lesen. Schade für den neuen Trainer, denn drei Punkte in dieser Partie hätten viel Dampf aus dem Kessel genommen. Und: Viele harmlosere Gegner als Hannover 96 an diesem Tag werden sich in der Coface Arena nicht mehr vorstellen.

Festzuhalten bleibt: Der Dribbler Koo hat nach wie vor kein Selbstvertrauen und keine Form - und Yunus Malli stagniert in seiner Entwicklung, er hatte als Zehner keinen Einfluss auf diese Partie. Insgesamt schlugen die 05er im Aufbau zu viele lange Bälle. Das begann schon bei den Innenverteidigern Niko Bungert und Stefan Bell, deren Topstärke der Zweikampf ist, weniger das konstruktive Flachpassspiel ins Mittelfeld. Auch Johannes Geis hat noch nicht wieder seinen perfekten Passtouch gefunden, Julian Baumgartlinger fehlt immer mal wieder das Timing beim Spiel in die Tiefe.

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Die defensive Struktur stimmte beim Hjulmand-Team. Die 05er hielten die Räume eng, im Abnutzungskampf im Mittelfeld gewannen die 05er viele Zweikämpfe. Die Chancen für die Gäste resultierten aus Eigenfehlern oder aus Sorglosigkeiten beim Ausüben von Druck auf den gegnerischen Passgeber. Einen wackligen Tag hatte Stefan Bell, der als linker Stopper zuweilen Probleme hatte, sich angemessen zum Gegenspieler, zum Ball und zum Passspiel zu positionieren. Das 0:0 ging in Ordnung. Die 05er waren dynamischer, doch Hiroshi Kiyotake (51.) und Joselu (77.) hatten die beiden besten Chancen auf dem Fuß.

Dass zwischenzeitlich viel gebolzt wurde auf dem Platz, das war unübersehbar. Diese Anlaufschwierigkeiten haben aber auch viele andere Bundesligisten offenbart an den ersten beiden Spieltagen. Die 05er müssen sich defensiv weiter stabilisieren. Das Passspiel muss ruhiger und präziser werden. Und im Angriffsdrittel braucht es mehr Optionen. Da ergaben sich in der zweiten Halbzeit einige günstige offensive Umschaltsituationen, die Sprints in die Tiefe kamen aber nur von den Außenverteidigern - und die haben weite Wege zu bewältigen bis ganz nach vorne.

Im Zentrum war wenig zu holen, da hatten die Hannoveraner ein engmaschiges Dickicht organisiert. Im letzten Drittel braucht es dann nicht nur Präzision und Ideen, sondern auch individuelle Qualität. Christoph Moritz ist rechts offensiv keine Idealbesetzung, Malli kommt nicht aus den Schuhen, Koo ist aktuell nur ein Schatten seines eigentlichen Könnens. Ein unermüdlich schuftender, inzwischen auch gut die Bälle behauptender Okazaki und zwei offensive Außenverteidiger sind zu wenig als Offensivwaffen. Der eingewechselte Filip Djuricic hat das Talent, aber noch nicht die nötige Durchsetzungswucht und Wettkampfhärte. Und außer Okazaki eignet sich auch keiner der aktuellen Offensivspieler für ein aggressives Angriffspressing.

Wie gesagt: Jairo, de Blasis und Allagui bieten da künftig mehr und andere spielerische und taktische Offensivoptionen. Wenn das Trio schnell integrierbar ist. Dafür kommt die Länderspielpause jetzt sehr gelegen.