Rehberg: Zum 70. Geburtstag von Gerd Müller

Gerd Müller im Fußball-Länderspiel gegen die UdSSR am 26.05.1972. Archivfoto: dpa

Gerd Müller wird heute 70 Jahre alt. Die 05er haben am vergangenen Wochenende ihren dreifachen Torschützen gefeiert, Yoshinori Muto. Und Gerd Müller? Der hat in seiner...

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. Gerd Müller wird heute 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Wir haben als Buben diesen kleinen Kerl mit den stämmigen Beinen geliebt. Ballannahme, Drehung, Schuss, Tor. Tausendmal haben wir auf der Straße oder auf dem Sportplatz in Nackenheim versucht, dieses Muster zu imitieren. Jeder wollte zu Beginn der 1970er-Jahre vorne spielen, und wer vorne gespielt hat, der war Gerd Müller.

Am Bischöflichen Willigis-Gymnasium in Mainz musste ich in der 8. Klasse in eine einjährige Verlängerung. Die vier Fünfer basierten nicht unbedingt auf Dummheit, sondern auf Faulheit und Fußballbesessenheit, das meinte zumindest der Klassenlehrer. Der hatte mal in einer Deutscharbeit, das ist mir in Erinnerung geblieben, in eine Grammatikaufgabe die Frage nach dem „Bomber der Nation“ eingebaut. Die 05er spielten damals gerade um den Aufstieg in die Bundesliga, der Torjäger hieß Gerd Klier. Die meisten Klassenkameraden trugen „Gerd Klier“ in die Lücke ein. Der strenge Deutsch-Schiedsrichter, Herr Stapf, entschied bei dieser Lösung humorlos auf Punktabzug. Ich hatte meinen Helden eingefügt. Und Herr Stapf lobte: „Rehberg, Sie haben ausnahmsweise mal etwas richtig aufgeschrieben. Wäre schön, Sie würden das auch mal ausdehnen auf Themen außerhalb des Fußballs.“

Als Lehramtsstudent habe ich Jahre später ein Praktikum absolviert bei jenem Herrn Stapf. Wir plauderten in den Pausen meistens über Fußball. Und waren beide traurig, dass Gerd Müller gerade seine Karriere beendet hatte. Nach 365 Toren in 427 Bundesligaspielen für den FC Bayern und 68 Treffern in 62 Länderspielen.

05er haben Okazakis Weggang überzeugend kompensiert

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Die 05er haben am vergangenen Wochenende ihren dreifachen Torschützen gefeiert, den Remisretter von Augsburg, Yoshinori Muto. Der Nachfolger von Shinji Okazaki ist nach einem kleinen Durchhänger wieder da. Sechs Tore und drei Torvorlagen nach elf Spieltagen, das ist eine blendende Bilanz für einen jungen Japaner auf seiner ersten Auslandsstation. Das lässt sich festhalten: Den Abgang des bisherigen Torjägers Okazaki, der in seiner Topsaison 2013/14 (15 Einschläge) nach elf Spieltagen erst drei Treffer stehen hatte, hat der Klub überzeugend kompensiert.

Schauen wir nach England. Dem für 10,5 Millionen Euro zur aktuellen Überraschungsmannschaft Leicester City gewechselten Okazaki geht es in der Premier League nicht überragend gut. Anfänglich gehörte der Japaner regelmäßg zur Startelf. Dem 29-Jährigen gelang auch ein Tor. Danach häuften sich frühe Auswechslungen, teilweise schon zur Halbzeitpause. Inzwischen kommt Okazaki von der Bank. Beim jüngsten 3:2 von Leicester bei West Bromwich Albion wechselte Claudio Ranieri (64), der erfahrene Italiener, der schon den AS Monaco, Inter Mailand, AS Rom, den FC Valencia, den FC Chelsea oder Athletico Madrid trainiert hat, den japanischen Nationalstürmer erst in der 87. Minute ein für Spielmacher Daniel Drinkwater.

Okazaki (95 Länderspiele/43 Tore) ist im Kader überholt worden. Die Tore beim englischen Tabellendritten schießt der offensive Mittelfeldspieler Riyad Karim Mahrez, ein 24 Jahre alter französisch-algerischer Techniker (sieben Länderspiele für Algerien), den Leicester in Le Havre ausgegraben hat. Als Mittelstürmer lief gegen West Bromwich der 1,85 Meter große Argentinier José Leonardo Ulloa (29) auf. Daneben dribbelte der englische Stürmer Jamie Vardy (28). Der erste offensive Einwechselspieler war der Engländer Nathan Dyer (28). Und Okazaki muss sich auch noch mit dem kroatischen Mittelstürmer Andrej Kramaric (24) auseinandersetzen.

Klopp wird in Liverpool gefeiert

Der Ex-05er Christian Fuchs bekommt in Leicester, der 300.000-Einwohner-Stadt in der Mitte Englands, übrigens überhaupt kein Bein auf den Boden. Nur so nebenbei: In Leicester ist der ehemalige 05-Profi und 05-Amateurecoach Colin Bell geboren und aufgewachsen; der Engländer trainiert seit 2013 die Frauen vom amtierenden Champions-League-Sieger FFC Frankfurt.

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Und wenn wir schon in England sind: Der 3:1-Sieg von Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool beim Titelverteidiger FC Chelsea sorgte für Aufsehen. In London steht José „the special one“ Mourinho, der mit seinem Starensemble auf den 15. Platz abgerutscht ist, nun gewaltig unter Druck. Jürgen „the normal one“ Klopp wird in Liverpool nach seinem ersten Drei-Punkte-Erfolg in der Premier League gefeiert wie der Messias.

Zurück zu Muto. Drei Treffer in einem Spiel. Das haben in den vergangenen 25 Jahren nur zwei 05-Stürmer getoppt: Jürgen Klopp mit seinen vier Toren in Erfurt (1991/92) und Benjamin Auer mit seinen vier Toren in Braunschweig (2002/03). Doch das waren Zweitligazeiten. Gerd Müller? Der hat in seiner Bundesligakarriere zwischen 1965 und 1979 vier Mal fünf Tore geschossen in einem Spiel, zehn mal vier Tore in einem Spiel und achtzehn Mal drei Tore in einem Spiel. Noch Fragen?