Rehberg: Yunus Malli und sein Energiepotenzial

Yunus Malli. Foto: dpa

In Mainz hat man sich oft gefragt: Was ist eigentlich mit Yunus Malli los? Ein Hochbegabter – ein Techniker, ein leichtfüßiger Dribbler, ein kreativer Passspieler, ein...

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. Beim 3:0 des VfL Wolfsburg gegen Borussia Mönchengladbach packte der türkische Nationalspieler Fähigkeiten aus, nach deren Güteklasse A er eigentlich für die ganz großen Scheine bei einem europäischen Spitzenklub kicken müsste. Das 1:0: Malli leitete tief in der eigenen Hälfte in einem engen Raum einen Umschaltzug ein mit einem Tunnelpass durch die Beine seines Gegenspielers, dem folgte der blitzschnelle Tiefenpass in den Lauf von Mario Gomez – und als der Mittelstürmer die Kugel von der Rechtsaußenposition quer in den Strafraum legte, da war Malli nach einem 50-Meter-Sprint am langen Pfosten zur Stelle, mit dem Innenrist verwandelte der 25-Jährige traumhaft sicher ins kurze Eck. Ein phantastischer Treffer.

Das 2:0: Malli dribbelte auf den Strafraum zu, der Techniker sah die kleine Lücke zwischen den gegnerischen Verteidigern, die Kugel versprang ein wenig bei der Ballführung - Malli prellte das Spielgerät mit spielerischer Leichtigkeit nach vorne, die daraus entstehende Flugkurve in den Lauf von Daniel Didavi wurde zu perfekten Vorlage für den Torschützen, der frei vor Torhüter Yann Sommer verwandelte. Eine zirkusreife Nummer, wie man sie bislang nur von Lionel Messi kannte.

Malli: Umschaltzehner, Didavi: Ballbesitzzehner

In der Bundesliga sterben die Zehner aus. Trainer fahnden vergeblich nach diesen technisch hochbegabten Kreativspielern, die nahe zum gegnerischen Strafraum die Lückenpässe streuen oder die selbst torgefährlich werden. Martin Schmidt, dieser klassische Konterlehrer, hat Glück: Er hat in Wolfsburg eine Mannschaft übernommen, die gleich zwei sehr fähige Zehner im Kader hat. Malli, der Umschaltzehner. Didavi, der Ballbesitzzehner.

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Malli startet seine Soloaktionen vom linken Flügel aus, da nimmt er die Tempodribblings auf mit seinem stärkeren rechten Fuß Richtung Halbräume und Zentrum. Didavi startet seine Ballaktionen vom Zentrum aus, aber er wechselt sich auch oft ab mit Malli. Beide sind ballsicher, beide können dribbeln, bei können vorlegen, beide können abschließen. Und beide sind viel unterwegs, in beide Spielrichtungen. Dass der Ex-Mainzer Schmidt dann auch noch mit Mario Gomez und Divock Origi gleich zwei wuchtige Sturmbrecher in den Kampf schicken kann - Profile, nach denen sich zwei Drittel aller Bundesligatrainer die Finger lecken würden -, das ist eine weitere Wolfsburger Besonderheit.

Kann Malli sein Energiepotenzial halten?

Nachvollziehbar ist es nicht, warum der Automobilklub ob dieser Offensivgewalt nicht mehr als 17 Zähler auf dem Konto hat nach 14 Spieltagen. Und dass diese mit so viel Angriffstalent gesegnete Mannschaft – auf der Bank sitzen noch drei pfeilschnelle Außenstürmer - ab der 2:0-Führung umschaltete auf eine mal mehr, mal etwas weniger passive Zehn-Mann-Deckung in der eigenen Spielhälfte, das erschließt sich auch nur, wenn man den Trainer Schmidt kennt: Offensiver Risikofußball ist nicht die Sache des Schweizers. Mit etwas mehr Glück im Abschluss hätten die Gladbacher das Ergebnis schon bis zur Pause auf 2:2 stellen können. Doch an diesem Tag kombinierte sich die von der 30. bis zur 90. Minute überlegene Borussia letztlich einen Wolf.

Spannend zu beobachten, ob Yunus Malli dieses ungeahnte Energiepotenzial auf diesem hohen Level halten kann - und wohin den Ex-Mainzer diese Form noch führt.