Rehberg: Wintertransfers - selten eine Verstärkung

Lucas Hernandez von Atletico Madrid. Foto: dpa

Hernandez zum FC Bayern? Solanke zu Schalke 04? Bis zum 31. Januar dürfen die Vereine in der Winter-Transferperiode neue Spieler verpflichten. Doch können solche Neuzugänge...

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. Die Transferperiode II. Bis zum 31. Januar können die Bundesligisten noch einmal einkaufen und verkaufen. Winterzugänge, das lehrt die Erfahrung, haben selten eine hohe Quote, wenn es darum geht, die Startelf zu verstärken. In diesem Jahr bleiben für die soziale und sportliche Integration eines neuen Profis maximal acht bis zehn Vorbereitungstage. Das ist nicht viel. Doch wer in der Hinrunde nicht viel Erfolg hatte, wer gar in akuten Abstiegsnöten steckt, der klammert sich an diesen Strohhalm.

Noch herrscht eher Ruhe auf dem Markt. Hannover 96 schert da aus. Mindestens drei neue Spieler will der Bundesliga-Vorletzte, der in 17 Vorrundenpartien lediglich elf Punkte zusammengekratzt hat, in den nächsten Tagen verpflichten. Zwei Namen sind schon öffentlich geworden. Kevin Akpoguma, ein 1,92 Meter großer und schneller Abwehrspieler von der TSG Hoffenheim, soll ausgeliehen werden. Ohne Kaufoption. Die Hoffenheimer sehen in dem U21-Nationalspieler viel Potenzial. Und der Spieler will natürlich sicher sein, dass er im schlimmsten Fall mit den 96ern nicht den Gang in die Zweite Liga antreten muss. Überragend viel Erfahrung und Praxis bringt der Deutsch-Nigerianer nicht mit. Abstiegskampf, Nervenstress? Das kennt der 23-Jährige nur vom Hörensagen.

Ausleihgeschäft - ohne Kaufoption

Den Angriff der Hannoveraner soll Nicolai Müller verstärken. Ausleihgeschäft. Ohne Kaufoption. Der Rechtsaußen ist 31 Jahre alt. In Frankfurt hatte er in der Hinrunde bei nur sieben Kurzzeit-Einsätzen zwei Tore geschossen. Immerhin. Aber im Kopf hat der Routinier Bilder von schweren Verletzungen und vom völlig verkorksten Abstiegsjahr mit dem Hamburger SV. Selbstvertrauen als Startelfspieler? Dürfte nicht ausgeprägt vorhanden sein. Aber was wäre ansonsten machbar gewesen für den Klub? Maximilian Philipp ist auf dem Markt. Jung, gesund, schnell, torgefährlich. Borussia Dortmund würde den Edelreservisten auf Leihbasis abgeben im Winter. Aber welcher Bundesligist kann das Dortmunder Jahresgehalt von fünf Millionen Euro aufwärts bezahlen? Hannover nicht.

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Der ebenfalls in Abstiegsnöten steckende VfB Stuttgart buhlt um das Talent Philipp. Abwarten. Eines wissen wir: Wenn es heißt, dass ein tatsächlich guter und gefragter Spieler bei einem Wechsel auf ein paar Prozent seines Gehalts verzichten würde, dann ist das in der Regel ein Märchen – oder der Klub zahlt dem Zugang ein etwas geringeres Gehalt (für die Öffentlichkeit) und überweist den Rest als Antrittsprämie (und das bleibt geheim).

Ähnlich verhält es sich mit dem Liverpooler Sturmtalent Dominic Solanke. Auch da ist der VfB interessiert. Wenn der 21-Jährige, U20-Weltmeister von 2017, tatsächlich im Winter in der Bundesliga landen sollte, dann höchstens beim interessierten FC Schalke 04. Christian Heidel kann die englischen Gehälter mitgehen. Aber: Der junge Kerl hat in dieser Saison nicht eine Minute in der Premier League gespielt, für das Reserveteam der „Reds“ hat er zwei Tore geschossen. Eine sofortige Verstärkung für die bislang torungefährlichen Schalker? Das wäre eine Überraschung.

Der FC Bayern versucht sich in diesem Winter an Vorgriffen auf den Sommer. Dann soll der Kader ja stark umgebaut und verjüngt werden. Alphonso Davies ist schon da. 18 Jahre alt, ist gekommen aus Kanada von den Vancouver Whitecaps. Schnell wie die Hölle und ein Zirkusdribbler, heißt es. Verstärkung? Eher eine Ergänzung und ein Mann für die Zukunft. Das gilt auch für den 18-jährigen Callum Hudson-Odoi, für den der FC Chelsea 20 bis 25 Millionen haben will.

Und Lucas Hernandez von Atletico Madrid? Die Bayern sollen bereit sein, 60 bis 80 Millionen für den französischen Weltmeister hinzublättern. Da stellt sich die Sinnfrage: Wer holt für diese Summe einen Linksverteidiger, der sicher Mühe hat, den wesentlich offensivstärkeren David Alaba zu verdrängen? Der Franzose könne auch als linker Innenverteidiger auflaufen, heißt es. Aber könnte Hernandez das auch auf dem vom FCB geforderten Weltklasseniveau?

Wir sehen: Wintertransfers sind eine sehr eigene Angelegenheit. Umweht von vielen Fragen und von wenigen mit Fakten untermauerten Antworten.