Rehberg: Will die Eintracht Revanche für den schwarzen Sonntag?

Andreas Ivanschitz und Elkin Soto von Mainz 05 nach dem Führungstreffer von Ivanschitz. Archivfoto: dpa

Es war der emotionale Genickbruch für die Eintracht: Am 30. April 2011 kassierte sie gegen Mainz ein 0:3. Damit begann ein fußballerischer Sinkflug, der für die Eintracht in...

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. 33. Spieltag in der Fußball-Bundesliga. Rhein-Main-Derby in der Opel Arena. Die 05er gegen die Eintracht. Für die Hessen geht es sportlich betrachtet mehr oder weniger „nur“ noch ums Prestige. Die Mainzer brauchen im Kampf gegen den Abstieg drei Punkte. Bei dieser Konstellation kommt man an einer der alten Geschichten nicht vorbei. Da mag der ein oder andere denken, das ist Brot von vorgestern. Aber die Erinnerung an dieses Ereignis ist wichtig, um zu verstehen, dass die Eintracht in der Mainzer Arena sicher nicht zu einem netten Nachbarschaftsplausch bei einer Tasse Kaffee antreten wird. Dieses Treffen reißt am Main alte Wunden auf. Motto: Da ist noch eine Rechnung offen.

Bittere Erinnerung für die Eintracht

Wir schreiben die Bundesliga-Saison 2010/11. 32. Spieltag, 30. April 2011: Die Eintracht kommt als Tabellen-15. mit zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang nach Mainz – und die von Thomas Tuchel trainierten 05er überfahren als Tabellenfünfter den in der Rückrunde abgestürzten Rivalen im ausverkauften Bruchwegstadion mit 3:0. Andy Ivanschitz (26.) und Elkin Soto (39., 45.) machen schon bis zur Pause alles klar. Die in Mainz chancenlose Eintracht stürzt an diesem Tag auf den Relegationsplatz ab. Danach: 0:2 gegen den 1. FC Köln, 1:3 in Dortmund – die Frankfurter steigen mit 34 Punkten als Vorletzter direkt in die Zweite Liga ab.

Der schwarze Sonntag von Mainz

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Der seelisch-moralische Genickbruch für die Mannschaft von Christoph Daum war damals jenes trostlos-desolate 0:3 am Bruchweg zwei Spieltage vor Saisonende, als der heutige Schalker Keeper Ralph Fährmann im Eintracht-Kasten einen ganz schlechten Tag hatte und der heutige Dortmunder Sebastian Rode schon in der 44. Minute vom Platz flog. Das hat weh getan. Das hat in der Bankenstadt bis heute niemand vergessen. Vom damaligen Frankfurter Team stehen heute nur noch Marco Russ und Alex Meier im Kader. Russ ist ein Typ, der seine Kameraden am kommenden Samstag schon noch mal an diesen „schwarzen Sonntag“ in Mainz erinnern wird. Da werden in der Kabine Worte fallen, wie „Hier geht es um die Ehre, lasst uns die Mainzer in die Hölle schicken…!“ Und die in schwarz gekleideten Kuttenfans werden mit hoher Wahrscheinlichkeit den Mainzern „Absteiger, Absteiger“ entgegenbrüllen.

Die Eintracht träumte in jener Saison nach der Hinrunde auf Rang sieben und mit schmucken 26 Zählern auf dem Konto vom Uefa-Cup. Ihr Stürmer Teofanis Gekas führte mit 14 Treffern die Bundesliga-Torjägerliste an. Man muss sich das vorstellen: Die Frankfurter hatten an Weihnachten elf Zähler Vorsprung vor dem Relegationsrang (Köln) und 14 Zähler Vorsprung vor dem direkten Abstiegsplatz (Stuttgart). Dann blieb die SGE unter Michael Skibbe nach der Winterpause in zehn Spielen ohne Sieg (davon acht Spiele ohne eigenen Torerfolg). Irgendwann kam der als der große Motivator und Retter angekündigte Christoph Daum. Ein Desaster. Acht Rückrundenpunkte waren zu wenig. Der Absturz in die Zweitklassigkeit.

Die Eintracht wird auf Revanche aus sein

Und die Mainzer feierten am Ende den Einzug in den Uefa-Pokal. Doppelt bitter für die Frankfurter. In dem emotionalen Russ und in der wilden Anhängerschaft werden am Samstag auf jeden Fall die Revanchegelüste lodern. Allerdings: In einer Topverfassung befindet sich die Adler-Mannschaft aktuell nicht. Die 05er waren 2011 blendend in Form und in einer hervorragenden Stimmung. Das sieht diesmal anders aus. Tatsächlich auf beiden Seiten. Die Rückrunden-Tabelle 2016/17 weist aus: 17. Mainz 05 mit 13 Punkten, 18. Eintracht Frankfurt mit 12 Punkten.

Die beiden schwächten Rückrunden-Teams treffen aufeinander

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Da treffen also in der Opel Arena die beiden schwächsten Rückrunden-Teams aufeinander. Und hätte die Eintracht in ihrer brillanten Hinrunde nicht starke 29 Zähler eingesammelt, dann hätten wir an dieser Stelle leicht auch für beide Mannschaften ein Derby erleben können im Abstiegskampf-Endspielformat. Die 05er werden also auf einen Gegner treffen, der im Moment auch genug mit sich selbst beschäftigt ist. Auch mit der Vorfreude auf das DFB-Pokal-Finale in Berlin gegen Borussia Dortmund. Das ist für die Elf von Niko Kovac der ultimative Saisonhöhepunkt. Ob das die Erinnerungen an den April 2011 überlagert? Vielleicht im Verlauf des Spiels. Wenn die Eintracht dazu gezwungen wird, sich gegen leidenschaftlich-kämpferische 05er so richtig quälen zu müssen.