Rehberg: Wieso hat kein Referee die Gassen-Geste von Baier...

Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl (Mitte) diskutiert nach dem Abpfiff mit Augsburgs Kapitän Daniel Baier (rechts). Foto: dpa

Wahrscheinlich wäre die mögliche frühere Schließung des Sommer-Transferfensters in der deutschen Öffentlichkeit ein heißer diskutiertes Thema geworden, wäre da nicht der...

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. Wir wollen hier nicht eingehen auf die bislang zu vielen Merkwürdigkeiten, die sich um die technische Überprüfung von nicht ganz eindeutigen Situationen auf dem Fußballfeld per Videobeweis ranken. Hier nur ein paar wenige Anmerkungen.

Die Absicht war, den Fußball nicht gerecht, aber zumindest gerechter zu machen mit Hilfe des Videoassistenten in einem Studio - und dabei die Souveränität des Regelhüters auf dem Rasen nicht in die Frage zu stellen. Inzwischen ist eine Tendenz erkennbar, dass sich viele Schiedsrichter selbst schwächen. In den Fällen, in denen Spielleiter bei strittigen Situationen das Spiel zunächst einfach mal weiterlaufen lassen, die Hand dann ans Kopfgeschirr pressen und konzentriert lauschen, ob „der da oben“ etwas zu meckern hat. Das ist nicht gut. Das vermittelt den Eindruck, als habe der ein oder andere Referee nicht den Mut, seine Sicht der Dinge unmittelbar in einer Entscheidung deutlich zu machen. Das gehört aber zum Bild eines souveränen Spielleiters.

Wenig Vertrauen in die Seriösität des neuen Systems

Stellt der Mann im Studio dann eine Fehlentscheidung fest, dann kann diese ja seit Beginn dieser Saison jederzeit korrigiert werden. Häufig aber zu signalisieren „Ich bin mir da gerade nicht ganz sicher“ - das trägt nicht dazu bei, Vertrauen aufzubauen in die Seriosität des neuen Systems. Dazu zählt auch, dass niemand im Stadion nachvollziehen kann, was da so geplaudert wird über die Mikrofone.

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Überhaupt nicht nachvollziehbar ist, wie es passieren konnte, dass weder der Schiri, noch die beiden Fahnenmänner an der Linie, noch der vierte Offizielle und auch nicht der Videoassistent am Fernsehgerät das Masturbationsschauspiel von Daniel Baier gesehen haben. Das war eine grobe Unsportlichkeit, die mit einem Platzverweis für den Augsburger Mittelfeldspieler hätte geahndet werden müssen. Fortan hätte der FCA seine 1:0-Führung gegen die Leipziger in Unterzahl verteidigen müssen. Bleibt die Frage: Hat der Schiri-Helfer das tatsächlich nicht gesehen, weil er eventuell gerade seine Lesebrille geputzt hat – oder hat er die Gassengeste ganz spontan als gar nicht so obszön eingestuft?

Kommen wir zum Transferzeitraum. Für alle wirtschaftlich mittelprächtig aufgestellten Klubs wäre eine Schließung des Wechselfensters zum Saisonstart ein Nachteil. Wer 100 bis 200 Millionen Euro investieren kann für einen Spieler, der hat in der Regel kein Problem damit, seine Geschäfte frühzeitig in trockene Tücher zu bringen. Wer aber dazu gezwungen ist, auf dem Schnäppchenmarkt einzukaufen, der muss auch mal einen langen Atem haben. Der muss warten können, bis die größeren Fußballunternehmen ihre Planungen abgeschlossen haben.

Engländer schließen früher - ein Vorteil

Und wenn dort Spieler aus der zweiten Reihe nach den ersten zwei, drei Saisonspielen merken, dass sie weiterhin keine Chance auf Einsätze haben, dann sind diese Profis zuweilen bereit, sich auf den letzten Drücker - mit der Aussicht auf Spielpraxis und Anerkennung - einem mittelständischen Klub anzuschließen.

Wenn die Engländer also künftig mit dem Beginn der Spielzeit ihre Einkaufspforten schließen, dann wäre ein länger geöffnetes Transferfenster in Deutschland durchaus ein Wettbewerbsvorteil: Der Bundesligist kann sich ab diesem Zeitpunkt sicher sein, dass ihm kein englischer Klub mehr einen Leistungsträger wegschnappt – umgekehrt könnte man auf der Insel noch zwei Wochen lang die hinteren Kaderplätze plündern.

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Ein weiterer Aspekt: Klubs, die in europäischen Wettbewerben in die Qualifikationsrunden müssen, sind oft genug darauf angewiesen, auf ein Weiterkommen oder Ausscheiden Mitte bis Ende August noch reagieren zu können mit Transferaktivitäten. Es ist wirtschaftlich ein gewaltiger Unterschied, ob man zum Beispiel die Gruppenphase der Champions League erreicht oder in der Europaliga stecken bleibt.