Rehberg: Wie ist Mainz 05 in 2017 aufgestellt?

Yunus Malli (li) und Yoshinori Muto gehörten zum den besten drei Offensiv-Duos der Bundesliga. Wer wird Malli ersetzen? Foto: Sascha Kopp

Die Testspielserie der 05er ist beendet. Mit einem respektablen zweiten Platz sind die Mainzer vom Telekom- Cup in Düsseldorf zurückgekehrt. Schon die...

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. Am letzten Wochenende vor dem Bundesligastart im Jahr 2017 haben auch die 05er ihre Testspielserie beendet. Auf dem Papier ist alles in Ordnung: 1:0 über 45 Minuten gegen Borussia Mönchengladbach, 1:2 über 45 Minuten gegen den FC Bayern München (jeweils beim Telekom Cup in Düsseldorf), 3:1 gegen den FC Thun im Bruchwegstadion. Mit den Ergebnissen wollen wir uns nicht weiter beschäftigen. Siege nimmt ein Trainer immer gerne mit. Das hebt die Stimmung, das hebt das Vertrauen in die gemeinsame Arbeit.

Martin Schmidt ist ein Meister der Belastungssteuerung. Nach Spielpausen ist seine Mannschaft immer in einem körperlich sehr guten Zustand angetreten. Auch die Drei-Wettbewerbe-Herausforderung in der Hinrunde hat der 05-Coach im physischen Bereich sehr gut gemanagt. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Schmidt-Elf auch zum letzten Vorrundenspiel gegen den 1. FC Köln topfit sein wird. Spielerisch, taktisch und von den individuellen Formkurven her lassen diese Testspiele keine grundsätzlichen Expertisen zu. Der FC Schalke 04 hat gerade mit seinen Winterzugängen Holger Badstuber und Guido Burgstaller beim Drittligisten Chemnitzer FC mit 1:2 verloren. Der SC Freiburg sah beim 1:3 gegen den FC Brügge nicht gut aus. Der FC Ingolstadt mühte sich zu einem 0:0 gegen den 1. FC Nürnberg, der FC Augsburg zu einem 1:1 gegen Hannover 96. Und so weiter. Das ist alles Schall und Rauch vor dem Start nach der Winterpause.

Bei den Mainzern könnte man nun kleine Fingerzeige ausdeuten. Niko Bungert hat sich wieder herangekämpft, der Routinier kämpft mit dem jungen Alexander Hack um die linke Innenverteidigerposition. Gaetan Bussmann und Daniel Brosinski bewegen sich links hinten auf Augenhöhe. Im zentralen Mittelfeld hat der angeschlagene Danny Latza ein paar Testspiele verpasst. Jean-Philippe Gbamin, Alexander Frei und André Ramalho wissen, dass Latza gegen die Kölner auf dem Feld stehen wird - wenn der Kampfstratege fit ist. Wie Schmidt den gesperrten Jhon Cordoba sowie den Weggang von Yunus Malli kompensieren wird, das steht in den Sternen. Aber warum hätte der 05-Trainer den Kölner Beobachtern seine Lösung auch präsentieren sollen im finalen Testspiel…

Ein gangbarer Weg

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Gegen den FC Thun zeichnete sich vage eine mögliche Lösung ab für die Zeit mit Cordoba: Der Kolumbianer kommt als Mittelstürmer dem Mittelfeld entgegen, in seinem Rücken schleicht sich der torgefährliche Yoshinori Muto in Stellung für die Tiefenpässe in Richtung des gegnerischen Strafraums. So lange kein neuer Zehner auf dem Hof steht, sollte diese Variante ein gangbarer Weg sein. Und ohne Cordoba? Da sind wir in diesem Moment genau so schlau wie der Kölner Trainer Peter Stöger.

In dieser Woche soll noch das Stürmertalent Gervane Kastaneer an den Bruchweg kommen. Der 20-Jährige hat Schmidt beeindruckt im Testspiel in Marbella gegen Ado Den Haag. Das ist ein schneller und bulliger Arbeiter, der im Zentrum oder vom linken Flügel aus Wirkung erzielen kann. Ein Mann für die Zukunft; er soll wohl zunächst im U23-Team die nötige Spielpraxis sammeln. In dieser Saison 13 Erstligaspiele und drei Tore für Den Haag, zwei Einsätze als Einwechselspieler für die holländische Auswahl bei der U19-EM 2015 in Griechenland (etwa beim 0:1 gegen Deutschland mit Timo Werner und Leroy Sané), das ist eine gute Basis. Sein Entwicklungstempo lässt sich nicht prognostizieren. Wenn denn der Transfer tatsächlich über die Bühne geht…

Der Schwerpunkt in dieser Vorbereitung sollte sein, eine stabilere Defensive zu organisieren. Ohne Gegentor gegen die Gladbacher, zwei Gegentore gegen den großen FC Bayern (ein Standard), ein Gegentor gegen den Letzten der Schweizer Eliteliga. Im Ergebnis in Ordnung. Von der Spielweise her noch keine entscheidende Steigerung. Denn in den beiden Halbzeiten in Düsseldorf und auch gegen den FC Thun hatte das Schmidt-Team wieder lange Phasen, in der es gegen den Ball passiv auftrat. Dann lässt sich das gesamte Gefüge tief fallen, sieben, acht Feldspieler bemühen sich, am eigenen Strafraum die Räume zuzustellen, aggressive Zugriffe erfolgen nicht mal in den torgefährlichen Räumen, aktive Balleroberungen als Basis für Umschaltangriffe ergeben sich kaum.

Viel zu tun bis zum Köln-Spiel

Das wirkt dann wenig kompakt, die Abstände in Breite und Tiefe sind zu groß, das wirkt energielos, das wirkt dann urplötzlich so, als hätte jemand den Stecker aus der Stromdose gezogen. Dann lassen sich die 05er bespielen. Gegen den FC Bayern kann das passieren, gegen den (individuell klar unterlegenen) FC Thun war eine Anfälligkeit gegen Konter erkennbar, gegen die orientierungslosen Gladbacher war die Phase zwischen der 20. und 40. Minute unnötig. Gegenpressing in der gegnerischen Spielhälfte, Pressing in den Mittelfeldzonen, giftige Zweikampfführung rund um den eigenen Strafraum, insgesamt engere Abstände zwischen den Linien, aggressivere Nachvorneverteidigung, da bleibt noch viel zu tun bis zum Köln-Spiel. Wenn die 05er in diesen Bereichen noch draufsatteln, dann entlastet das den Torhüter und die Abwehrreihe, dann belebt das die offensive Umschaltmaschinerie. Und das hat zunächst mal gar nichts damit zu tun, ob die 05er auf dem Markt noch einen neuen Zehner finden.