Rehberg: Wie geht es weiter mit dem FC Bayern?

Applaudierende Bayern-Spieler nach dem Spiel gegen den FC Barcelona. Foto: dpa

Die Arbeitsthese lautet: Nur weil der FC Bayern im Halbfinale der Champions League und des DFB-Pokals ausgeschieden ist, wird diese Mannschaft ihre Machtstellung in der...

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. Was ist passiert am Dienstagabend? Ein angeschlagenes, überspieltes, von Ausfällen gebeuteltes Bayern-Team musste zum Saisonhöhepunkt akzeptieren, dass der FC Barcelona in Topform und mit allen seinen Weltklassespielern am Start in zwei Spielen nicht zu bezwingen war. Das ist kein Einschnitt. Das ist normal. Die Bayern ohne David Alaba, Franck Ribery und Arjen Robben und mit den ausgelaugten (zudem lange verletzten) Weltmeistern Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm und mit dem von einer mehr als einjährigen Pause zurückgekehrten Thiago und mit dem Rekonvaleszenten Javier Martinez und ohne Holger Badstuber ist eben ein anderer FC Bayern als beim Champions-League-Sieg 2013.

Hätte Barca diese beiden Halbfinalspiele ohne Lionel Messi und Neymar bestreiten müssen, dann hätten wir wahrscheinlich zwei andere Duelle erlebt. Das ist Sport. Auf Verletzungen von Leistungsträgern auf diesem Niveau kann man sich nicht vorbereiten. Wenn man diese Fixsterne in der "Moneytime" nicht auf dem Platz oder nicht in Topform hat, dann sind die ganz großen Ziele nicht erreichbar. Der 3:2-Heimspielsieg gegen Barca hat dem FCB zumindest signalisiert, dass in der kommenden Saison ein Einbruch des Starensembles nicht zwangsläufig zu erwarten ist.

Experten wie Lothar Matthäus und Stefan Effenberg schreien nun danach, der Branchengigant müsse dringend das Scheckbuch zücken und eine neue Weltklassemannschaft auf die Beine stellen. Das ist sehr kurz gedacht. Zunächst einmal sind alle die genannten Spieler ja in der kommenden Saison noch im Kader. Da blieben demnach nur zwei Möglichkeiten: Entweder, die Verantwortlichen bauen einen 40-Mann-Kader mit Luxusersatzleuten für die aktuellen Stars - oder man legt einigen der ins Alter gekommenen Leistungsträgern einen Klubwechsel nahe. Die erste Variante ist unsinnig und nicht praktikabel - die zweite Variante ist ausgeschlossen.

Die Bayern werden einkaufen

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Wir stehen vor einem Sommer ohne EM und WM. Die gestressten Stars werden sich im Urlaub erholen und sie werden eine komplette Saisonvorbereitung durchziehen. Was sollte also dagegen sprechen, dass ältere Spieler wie Franck Ribery (32), Arjen Robben (31), Philipp Lahm (31) oder Bastian Schweinsteiger (31) noch mal eine Topsaison spielen und 2016 den Champions-League-Titel in Angriff nehmen? Das sind Spieler mit einer Top-Einstellung und mit ausgeprägtem Ehrgeiz. Die erhöhte Verletzungsanfälligkeit mag ein Faktor sein, aber das ist oft in bestimmten Situationen auch nur eine Frage von Pech oder Glück. Die Planer des FCB müssen natürlich auch perspektivisch denken. In den kommenden zwei, drei Jahren werden diese Spieler einen Schlussstrich ziehen. Aber jetzt noch nicht. Schweinsteiger und Robben wollen ja auch noch die EM 2016 in Frankreich spielen.

Natürlich werden die Bayern einkaufen. Auf höchstem Niveau gibt es bessere Rechtsverteidiger als Rafinha (30). Benatia ist (noch) kein Weltklasse-Innenverteidiger, da ließe sich nachbessern. Einen jüngeren Vertreter und möglichen Nachfolger für die Flügelasse Robben/Ribery anzuheuern, das ist sicher auch ein Gedanke. Und es braucht einen tauglichen Backup für Robert Lewandowski, Claudio Pizarro wird im Oktober 37 Jahre alt. Viel mehr wird da in München sicher nicht passieren. Im Mittelfeld stehen mit Alaba, Schweinsteiger, Lahm, Thiago, Martinez, Juan Bernat, Mario Götze und Sebastian Rode genügend Klasseleute zur Verfügung.

Götze muss Finaltor verkraften

Die Diskussionen über Mario Götze werden nicht abebben. Der 22-Jährige schöpft sein großes Potenzial zu selten aus. Aber: Der Techniker wird im Juni mal gerade 23 Jahre alt, er hat sein Siegtor aus dem WM-Finale zu verkraften, er hat seine Position noch nicht gefunden und er hat noch nicht den Stellenwert im Kader, den ein grüblerisch veranlagter junger Mann wie er braucht. Aber wenn sich Götze in der Nationalmannschaft bis zur EM 2016 endlich mal einen Stammplatz erkämpfen will, dann muss er in der kommenden Saison höherwertiger und konstanter funktionieren. Das Können dazu hat der in dieser Saison farblose Edelkicker.

Und wenn dann noch Pep Guardiola seine Arbeit fortsetzt, und davon darf man ausgehen, dann dürfte die Hoffnung manches Bundesligisten, der FC Bayern werde ab sofort in einer notwendigen Umbauphase schwächeln, nicht in Erfüllung gehen. Und Geld für zumindest zwei, drei internationale Topleute haben die Bayern auf jeden Fall in der gut gefüllten Kasse. Der große Umbruch steht sicher erst nach dem Abgang des spanischen Welttrainers auf dem Plan. Bis dahin wird der FC Bayern nur dann nationale Konkurrenten an sich heranlassen, wenn mehrere der Schlüsselspieler im Herbst ihrer Karriere doch nicht mehr in Topform kommen. Aber davon muss man zu diesem Zeitpunkt nicht ausgehen.