Rehberg: Wenn Arbeitsstürmer auf Toremacher treffen

Jhon Cordoba. Foto: dpa

Arbeitsstürmer wie Jhon Córdoba oder klassischer Toremacher - welcher Angreifertyp kann nicht nur spiel-, sondern gar meisterschaftsentscheidend sein? AZ-Blogger Reinhard...

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. Jhon Córdoba hat am Freitagabend ein überragendes Spiel gemacht. Wir kennen den Kolumbianer noch aus seiner Zeit in Mainz. Ein Arbeitsstürmer, ein Kämpfer, einer, der aufopferungsvoll und leidenschaftlich die ganz weiten Wege geht. Gegen Borussia Dortmund hat sich der Kölner Büffel zerrissen. Cordoba ist im Zentrum und in den Halbräumen entgegengekommen, hat die Kugel festgemacht, er hat sich aufgedreht, ist ins Dribbling gegangen, er hat sich mit zwei, drei Gegenspielern angelegt und den Ball verteidigt, er ist am Flügel durchgebrochen, er hat Bälle Richtung Strafraum transportiert. Eine Top-Leistung.

In der Zweiten Liga hatte Cordoba in der Vorsaison in 31 Einsätzen 20 Tore geschossen für den Aufsteiger. Eine hervorragende Quote. Nun sprechen wir wieder über Bundesliga. Und da hat der Angreifer Mühe, sich für seinen enormen Aufwand, für seinen Willen, für sein extrem physisches Spiel zu belohnen. Cordoba ist auf dem ganz hohen Niveau kein Meister in Abschluss-Situationen.

Warum haben die Dortmunder nach einer über 70 Minuten behäbigen, dürftigen, tempoarmen Vorstellung in Köln nach 0:1-Rückstand noch gewonnen? Weil der Titelfavorit Stürmer in seinen Reihen hat, die sich über Tore definieren und nicht viele Chancen benötigen, um ihre Kernkompetenz umzusetzen. An diesem Abend schlich der Torjäger Marco Reus nahezu unsichtbar übers Feld. Da sprangen eben Jadon Sancho und Paco Alcacer, beide auch nicht übermäßig inspiriert, ein. Der schnelle Engländer und der läuferisch grenzwertig engagierte Spanier hatten jeweils zwei Chancen, ihre zweite haben beide jeweils im Kasten versenkt. Effizienz. Ergebnissicherung.

Der Kölner Torjäger Anthony Modeste, im Bewegungsradius ebenfalls sehr überschaubar, erzielte ein Abstaubertor, das wegen klarer Abseitsstellung nicht zählte. Das war es. Von allen Offensivspielern auf dem Feld war Cordoba der Mann mit dem mit Abstand größten Arbeitspensum. Ein überragend leidenschaftlicher Auftritt. Torgefahr? Bis auf eine Szene, als der Kolumbianer mit langem Bein im Fünfmeterraum an einer halbhohen Flanke vorbeisegelte: null.

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In diesen Fällen ist Fußball ungerecht. Wenn es um das Ergebnis geht, dann gibt es keine Fleißnoten und keine Extraprämien. Die Kölner haben gegen den BVB am obersten Rand ihrer Möglichkeiten gespielt und gekämpft. Die Kölner haben den hohen Favoriten über mehr als eine Stunde wie entfesselt neutralisiert und immer wieder unter Druck gesetzt. Gegen den Ball und mit Ball. Das Führungstor der Gastgeber entstand aus einer schönen Eckenvariante. Unzählige Konterchancen versandeten danach, weil sich Modeste zu wenig bewegte, falsche Laufwege anbot - und weil Cordoba nie den direkten Weg zum Strafraum fand. Am Ende markierten die Dortmunder noch drei Treffer. Aus und vorbei. Der FC erntete Lob, Ertrag gab es keinen.

Wir werden das auch in dieser Saison wieder beobachten. Die Mannschaften, die klassische Toremacher aufbieten können, Stürmer, die wenig Chancen benötigen für eine Top-Quote im Abschluss, werden häufig auch ihre engen, ihre problematischen Spiele gewinnen. Genau deshalb sind diese verlässlichen Tormaschinen auf dem Transfermarkt so sündhaft teuer. Als der FC für Jhon Cordoba 17 Millionen nach Mainz überwies, da dachten die Verantwortlichen, sie hätten ein Torjäger-Juwel gezogen. Gekommen ist ein herausragender Arbeiter. Aber kein Spiele-Entscheider. Nicht in der Bundesliga.