Rehberg: Weg zum Erfolg führt über einen klaren Kopf

Die 05-Spieler de Blasis (vorne) und Muto. Foto: Sascha Kopp

Man darf selbst die ganz wichtigen Spiele emotional und inhaltlich nicht überladen - das stellt unser Experte Reinhard Rehberg vor der Tabellenkeller-Partie des FSV Mainz 05...

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. Der vierte Spieltag in diesem Abstiegskampf-Turnier 2017. Die 05er treten beim direkten Konkurrenten Hamburger SV an. Man kann sich von dem Gefühl leiten lassen: Das ist ein Entscheidungsspiel. Aber den Fakten nach ist es das nicht. Der Sieger stößt für sich die Rettungstür weit auf, gelungen ist die Mission deshalb noch nicht. Der Verlierer bekommt Magenschmerzen, abgestiegen ist er aber noch lange nicht. Bei einem Remis ist zunächst mal gar nicht viel passiert. All das gilt unabhängig von den anderen Wochenend-Resultaten.

Nicht mit möglichen Konsequenzen beschäftigen

Zu intensiv sollte man sich am Bruchweg mit den möglichen Konsequenzen der möglichen Ergebnisse gar nicht beschäftigen. Es ist ja auch nicht so, dass Spieler binnen der 90 Minuten ständig von dem Gedanken befallen werden „Wenn wir gewinnen, dann..., wenn wir verlieren, oh weh...“. In einer solchen mentalen/emotionalen Verfassung kann man überhaupt keine Höchstleistung mobilisieren. Der Weg zum Erfolg in Hamburg führt über einen klaren Kopf, über kollektive Energie und über Leistung. Der klare Kopf beinhaltet Widerstandsgeist, Kampfbereitschaft, Überzeugung, Mut, Willen und Zuversicht. Davon müssen die Spieler als Gemeinschaft beseelt sein. Das ist dann die Basis für das Ausschöpfen der eigenen Leistungsfähigkeit, das ist die Basis für den sicheren Zugriff auf die eigenen Topstärken. Die Aufgabe: Stark sein und abliefern, wenn es drauf ankommt.

Die Mannschaft von Martin Schmidt weiß, dass sie gut organisiert, eng und auch aggressiv verteidigen kann. Die 05-Profis wissen, dass sie nach Balleroberungen schnelle und zielstrebige Umschaltüberfälle starten können. Das ist das Grundpaket, in dem sich dieses Team sicher fühlt. Die Intensität und die Entschlossenheit, mit der die 05er ihre Stärken auf dem Feld durchziehen, wird darüber entscheiden, ob die Schmidt-Elf die Hand ans Ergebnis bekommt. Natürlich kommt es auch auf die kniffligen Schiri-Entscheidungen an, natürlich spielt auch das Matchglück eine Rolle – aber auf diese Faktoren kann man sich nicht vorbereiten.

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Es wird laut

In der Hamburger Arena wird es laut werden. Dort reagieren die Anhänger sehr direkt auf das Spielgeschehen. Da wird gebrüllt bei jedem Schiri-Pfiff gegen den HSV. Dort wird jede gelungene Abwehraktion und jeder erzwungene Eckball enthusiastisch gefeiert. Da wird akustisch jedes Foul eines Mainzers in die Nähe eines Mordanschlags gerückt. Darauf kann man sich einstellen. In dem Wissen, dass die Elf von Markus Gisdol spielerisch und taktisch keine Vorteile hat gegenüber den Mainzern. Wenn die 05er eine Topleistung auf den Platz brennen, dann können sie in Hamburg nur unter unglücklichen Begleitumständen verlieren. Der HSV steht im Sechs-Spiele-Endturnier noch ohne Punkt da: 1:2 in Bremen, 1:2 gegen Darmstadt 98, 0:4 in Augsburg. Die HSV-Profis wirkten in allen drei Spielen phasenweise ausgelaugt. Vor allem mental. Das lässt sich mit der Suspendierung von Hinterbänklern und mit einem zweitägigen Hotelaufenthalt in Rothenburg an der Wümme nicht komplett drehen.

Natürlich wird das ein von Emotionen geprägtes Lauf- und Raufspiel. Gewonnene oder verlorene Zweikämpfe können ein Spiel in eine bestimmte Richtung lenken. Aber selbst wenn der HSV im eigenen Stadion die Zweikampfstatistik gewinnen sollte, dann bedeutet das nicht die Entscheidung. Das, was am Ende auf der Anzeigentafel das Ergebnis ausweist, das sind die Tore. Darauf wird es ankommen.

Der HSV wird es nach vorne mit Tempo und Wucht versuchen. Die 05er werden ihre Chancen bekommen in den schnellen Gegenzügen. Und dann geht es ganz unromantisch um die Effizienz in der Chancenverwertung. Ein Abschlussmonster wie Ronaldo haben beide Mannschaften nicht. Also geht es darum, wer in der Lage ist, beim Kopfball oder beim Torschuss nicht die Bedeutsamkeit dieser Partie zu spüren, sondern ausschließlich den günstigen Moment, die Kugel im gegnerischen Kasten unterzubringen.

Man kann sich einreden, dass das an diesen wichtigen Tagen nicht so einfach ist. Man kann aber auch mit der Einstellung in ein Spiel gehen, dass es im Fußball nie um etwas anderes geht, als sich physisch auszupowern - und zu gewinnen. Das klingt banal. Aber unter Stress kann die gedankliche Reduktion auf das Wesentliche eine Stütze sein. Man darf selbst die ganz wichtigen Spiele emotional und inhaltlich nicht überladen.

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Welche individuellen und taktischen Besonderheiten eine Rolle spielen werden in Hamburg, das lesen sie im Blog vor dem Spiel am Sonntag.