Rehberg: Was wir nach der EM nicht mehr sehen wollen

Die isländische Nationalmannschaft feiert bei der Europameisterschaft mit ihren Fans. Foto: dpa

Die EM 2016 ist Geschichte. Jetzt beschäftigen wir uns wieder mit der Bundesliga. Ein paar Punkte sind bei mir hängen geblieben, die wir im Liga-Alltag NICHT (mehr) sehen oder...

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. Dem Gegenspieler in nahezu sämtlichen Situationen ins Trikot greifen. Würden die Schiedsrichter sämtliche „Textil-Vergehen“ pfeifen, dann würde es Gelbe Karten, Gelb-Rote Karten und Elfmeter regnen. Das ist auch eine Aufgabe für die Trainer, Spieler zu sensibilisieren für dieses Phänomen. Oder wir benötigen die Einführung der „Schweizer Trikots“ aus der fehlerhaften Puma-Produktion. Dann wird jeder Griff in den Stoff sofort sichtbar. Gelbe Karte! Schreiend zu Boden sinken und liegen bleiben und Körperstellen betasten, die nach der Zeitlupensichtung überhaupt nicht getroffen worden sind. Albern! Sich die Hand vor den Mund halten bei der Kommunikation auf dem Feld oder auf der Bank. Als ob Lippenleser da sensationelle Entdeckungen machen könnten… Albern! Die „Huh“-Feierzeremonie. Wir sollten den Isländern ihr ursprüngliches Kulturgut lassen. Fans auf diesem Erdball: Denkt euch eigene Jubelrituale aus! Spieler besingen, die nie spielen. Überlassen wir dieses lustige Phänomen („Will Grigg´s on fire“) den Nordiren! Der Mannschaft „helfen“ wollen oder froh darüber sein, der Mannschaft „geholfen“ zu haben. Diese Spielerfloskel ist abgenudelt. Bitte streichen! Welchen Auftrag könnte denn ein Fußballer sonst haben? Im Wettkampf die im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten best mögliche Leistung abrufen, darum geht es. Muss man das eigens herausheben? Albern! Das Uefa-Verbot, nach dem Abpfiff Kinder von Spielern auf dem Rasen herumtollen zu lassen. Was soll dieses Verbotsschild? Wen stören die Kinderlein? Die Verbandsfunktionäre sollten sich mehr darum kümmern, die selbstdarstellerischen „Flitzer“ in den Griff zu bekommen! Die Entwicklung in der Defensivtaktik von der Dreier-, Vierer, Fünfer- bis zur Sechser-, Siebener-, Achter- und Neuner-Abwehrkette. Langweilig! Ein Pass-Wettbewerb rund um den gegnerischen Strafraum: Wie lange kann ich den Ball in den torgefährlichen Räumen in den eigenen Reihen halten, ohne die Kugel in den Strafraum zu befördern und/oder zum Torabschluss zu kommen? Langweilig. Und ärgerlich, wenn man am Ende trotz massiver Überlegenheit nach einem einzigen Abwehrfehler das Spiel verliert! Bei der Abwehraktion im Luftkampf Arme und Hände überm Kopf oder vor dem Kopf platzieren. Gefährlich. Denn wer in diesen Situationen vom Gegenspieler angeköpft wird, der verursacht (unabsichtlich) einen Handelfmeter. Damit hilft der Spieler seiner Mannschaft definitiv nicht…!

Und wenn man wollte, dann könnte man auch noch die „falsche Neun“ auf diese Liste setzen. Aber das wäre dann eher eine Erweiterung unter Punkt neun. Beruhigend, dass die 05er diesen Ansatz nicht verfolgen. Martin Schmidt hat mit dem wuchtigen und schnellen Jhon Cordoba sowie dem groß gewachsenen Emil Berggreen (1,94 Meter hoch) zwei echte Mittelstürmer im Kader, die im gegnerischen Strafraum physische Präsenz ausstrahlen und die darüber hinaus auch die technischen Qualitäten haben, mit dem Rücken zum Tor als Anspiel- und Verteilerstation zu fungieren. Und der kleine Yoshinori Muto ist auch noch ein potenzieller Mittelstürmer, der sich über Tore definiert.

Einen Haken hat die Sache: Emil Berggreen müsste endlich mal ins Mannschaftstraining einsteigen; der Däne steckt im Reha-Programm, seit er in der vergangenen Winterpause von Eintracht Braunschweig an den Bruchweg gewechselt ist. Und auch während der aktuellen USA-Reise des 05-Kaders dreht der schlaksige Hüne zu Hause seine Runden. Die Klub-Informationen über den 22-Jährigen fallen seit vielen Wochen eher nebulös aus.