Rehberg: Was stimmt nicht mit Schalke?

Schalkes Trainer Domenico Tedesco geht nach dem Spiel vom Platz. Foto: dpa

Die vergangene Saison hat Schalke 04 als stolzer Zweiter beendet, aktuell steht die Tedesco-Elf dagegen auf dem letzten Tabellenplatz - dabei hatte die Mannschaft im...

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. Bei der Frankfurter Eintracht sind sie unzufrieden mit dem Bundesliga-Start von vier Zählern aus vier Spielen. Der FC Schalke 04 ist Tabellenletzter mit null Punkten. Als letztjähriger Zweiter in der Endtabelle und als stolzer Teilnehmer an der Gruppenphase in der Champions League. Domenico Tedesco hat Mühe, den Finger in die Wunde zu bohren. Einfach ist es für einen Trainer nie, den richtigen Zeitpunkt zu finden für scharfe, auch selbstkritische Töne. Wenn die eigene Mannschaft weit den gesteckten Zielen hinterherhinkt, dann ist es oft wenig hilfreich, den Knüppel rauszuholen. In den meisten Fällen ist ja nicht alles schlecht.

Tatsache ist, dass die Schalker in der Vorsaison sehr häufig knapp gewonnen haben, zuweilen auch glücklich. Spielerisch überzeugende Auftritte waren selten, herausgespielte Torchancen Mangelware. Die Erfolge basierten auf einer sehr starken Defensive, auf Effizienz in der offensiven Umschaltung und auf günstigen Spielverläufen. Schon damals war erkennbar, dass Tedesco die Mannschaft darauf ausgerichtet hatte, Führungstreffer nur noch vielbeinig zu verteidigen. Sogar in den Heimspielen. Ein aktiver, strukturierter Spielaufbau fand dann fast gar nicht mehr statt. Im Transfersommer haben die Verantwortlichen um Sportvorstand Christian Heidel darauf reagiert. Mit Omar Mascarell, Suat Serdar und Sebastian Rudy kamen drei laufstarke und auch spielerisch begabte defensive Mittelfeldspieler. Mit Mark Uth holte S04 zudem noch einen klassischen Toremacher, mit Steven Skrzybski auch noch einen der besten Stürmer der Zweiten Liga. Die Abwehrreihe wurde verstärkt mit dem baumlangen Salif Sané.

Und dann: Ein Saisoneinstieg mit null Punkten. Atmosphärische Störungen kommen noch dazu. Die Medienabteilung hat Franco di Santo ein nettes Entschuldigungsschreiben aufgesetzt für Twitter und Facebook. Der Mittelstürmer, der von Tedesco als pressender Zehner aufgestellt wird, hat beim 0:2 gegen die Bayern nach seiner Auswechslung gestisch signalisiert, der Trainer hätte eher die Nummer 7 (Uth) rausnehmen sollen. Der Trainer blökte spontan zurück: „Halt die Fresse!“ In der Tat: Nicht einmal der bei Auswechslungen ewig nörgelige Topstar Franck Ribéry würde sich ein derart respektloses Verhalten erlauben.

Keine neuen Muster erarbeitet

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Was stimmt da nicht auf Schalke? Erkennbar ist, dass die Schalker in der Sommer-Vorbereitung im Ballvortrag und in der Offensive keine neuen Muster erarbeitet haben. Und dann verpufft auch die Wirkung von neuen Spielern. Der fußballerisch limitierte Uth ist ein reiner Abschlussstürmer, ohne Vorlagen kommt er nicht ins Bild. Rudy ist ein technisch feiner Strukturgeber, aber er ist kein wuchtiger Chanceneinfädler.

Dass die Schalker gegen die Bayern nahezu chancenlos waren, das hatte dann auch nicht nur zu tun mit der Anfälligkeit bei gegnerischen Standardbällen. Die Tedesco-Elf hatte in den 94 Minuten kaum Torabschlüsse, genau betrachtet nur eine einzige Topchance. Beim Stand von 0:1 hat S04 gepresst, weit nach vorn verschoben, aggressiv, gut organisiert und leidenschaftlich. Aber im Strafraum der Bayern passierte wenig bis nichts.

Für das überhaupt nicht zwingende Offensivspiel wird der letztjährige Shootingstar Tedesco jetzt Lösungen finden müssen. In Führung gehen und ein 1:0 massiv verteidigen, dieses Modell scheint in dieser Saison nicht mehr zu funktionieren. Trainer und Mannschaft stehen unter Lieferdruck. An diesem Dienstag geht es nach Freiburg. Mit dem 3:1 in Wolfsburg hat SC-Trainer Christian Streich den Turnaround geschafft. Fünf Startniederlagen wären für den von Heidel vorbildlich geschützten Tedesco eine sportliche Katastrophe.