Rehberg: Was Relegation und Pokalfinale mit Mainz 05 zu tun hat

Wolfsburgs Yunus Malli (oben) und Braunschweigs Mirko Boland kämpfen um den Ball. Foto: dpa

Die letzten Entscheidungen in dieser Saison fallen ohne Teilnahme der Mainzer. Aber nicht ohne Themen mit Mainz-Bezug. Drei Ex-05er waren am Donnerstagabend im ersten von zwei...

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. Die letzten Entscheidungen in dieser Saison fallen ohne Teilnahme der Mainzer. Aber nicht ohne Themen mit Mainz-Bezug. Drei Ex-05er waren am Donnerstagabend im ersten von zwei Relegationsspielen zwischen dem VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig beteiligt. Und zwar nicht unwesentlich. Stinksauer nach dem 1:0-Sieg der Wolfsburger war Torsten Lieberknecht.

Der in Bad Dürkheim geborene Pfälzer, der von 1995 bis 2001 für die 05er 89 Zweitligaspiele bestritten hat, ist ein impulsiver Mann. Lieberknecht saß als verletzter Stammspieler nur neben der Ersatzbank, als die 05er im Juni 1997 in Wolfsburg jenes legendäre Zweitliga-Endspiel um den Bundesliga-Aufstieg mit 4:5 verloren. Da habe er noch eine Rechnung offen, erzählte der Braunschweiger Trainer in der Pressekonferenz vor der Relegationspartie. Und was ist passiert? Die Eintracht unterlag in der Nachbarstadt nur deshalb, weil der Schiedsrichter einen Skandal-Elfmeter gepfiffen hat. Da legte Mario Gomez zunächst den Ball mit der Hand vor, dann zog der Ex-05er Yunus Malli ab – und traf aus ganz kurzer Entfernung beim im Weg stehenden Braunschweiger Innenverteidiger Gustav Valsvik den nach hinten pendelnden Arm. Da hat der Unparteiische ein Vergehen von Gomez übersehen – und danach ein Vergehen gesehen, das keines war. Gomez verwandelte den Elfer zum Siegtreffer. Nach dem Abpfiff brodelte es in Lieberknecht. Mühsam unterdrückte der Pfälzer seine Aggressionen.

Malli - 12,5 Millionen Euro?

Malli machte an diesem Tag kein schlechtes Spiel. Der türkische Nationalspieler, der in der Hinrunde im Mainzer Trikot sechs Tore geschossen und sieben Vorlagen geliefert hat, der dann im Winter nach Wolfsburg wechselte und mit der Werkself im Kampf gegen den Relegationsrang den punktgleichen 05ern um exakt acht Tore unterlegen ist, spielte eine Halbzeit als Rechtsaußen und eine Halbzeit als Linksaußen. Ein paar technisch nette Szenen, ein Traumpass in den Strafraum, ansonsten wenig Durchsetzungskraft und wenig Torgefahr. Sagen wir es so: Für diese Flügelqualität hätte der VfL keine 12,5 Millionen Ablöse raushauen müssen. Die geretteten 05er freuen sich über ihr gut gefülltes Festgeldkonto.

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Die Säule in der Wolfsburger Abwehr war Philipp Wollscheid. Der 1,94 Meter große Stopper war der Herr der Lüfte. 2014 absolvierte der Saarländer eine Halbserie in Mainz unter Thomas Tuchel. Magere fünf Einsätze. Ausleihe an Stoke City. Teamkamerad von Bojan Krkic. Und nun kämpft der 28 Jahre alte Wollscheid mit den Wolfsburgern und an der Seite von Malli gegen den Abstieg in die Zweite Liga. Das kann im Rückspiel in Braunschweig noch mal richtig eng werden. Torsten Lieberknecht wird seine Mannschaft bis an die Zähne bewaffnet auf den Platz schicken. Als die 05er 2003 am letzten Zweitliga-Spieltag in Braunschweig 4:1 gewannen und im Aufstiegsrennen nur mit einem Tor Rückstand an der Frankfurter Eintracht scheiterten, da hatte Lieberknecht auf der Zielgeraden seiner Spielerkarriere ein paar Tage zuvor seinen ersten Vertrag bei den Braunschweiger „Löwen“ unterschrieben.

Erst Pokalsieg, dann Arsenal?

Und dann erleben wir an diesem Samstagabend wahrscheinlich das letzte Spiel von Thomas Tuchel als Vordenker von Borussia Dortmund. DFB-Pokal-Finale in Berlin gegen die Frankfurter Eintracht. Tuchel hat mit der Borussia als Bundesligadritter bereits die Champions League erreicht. Das Ausscheiden in diesem Wettbewerb 2017 - im Viertelfinale gegen AS Monaco - hatte viel zu tun mit dem Bombenanschlag vor dem Hinspiel. Nun schafft Tuchel vielleicht noch den Pokal-Triumph. Aber der „Dissens“ zwischen dem Cheftrainer und der Dortmunder Führungs-Diva Aki Watzke dürfte nicht mehr zu reparieren sein.

Ein Schweizer soll das sozial nur schwer integrierbare Taktikgenie Tuchel beerben, heißt es. Nein, nicht Martin Schmidt. Der Mann aus dem Wallis, der nach Jürgen Klopp und Thomas Tuchel in direkter Reihenfolge der dritte Mainzer Dortmund-Trainer hätte werden können nach dem Abschied vom Bruchweg, hat Kontakt zur AS St. Etienne. Sein Landsmann Lucien Favre soll in Nizza schon gekündigt haben - und in den Kohlenpott umziehen. Und Tuchel? Der wartet gemeinsam mit Arno Michels, Rainer Schrey und Benni Weber auf Arsène Wenger. Wenn der ins Alter gekommene Franzose in den nächsten zwei, drei Wochen bei Arsenal in Rente gehen sollte, dann könnte der einstige Anglistik-Student Tuchel mit seiner alten Mainzer Crew in London auf der Liste ganz oben stehen.