Rehberg: Warum eine Rückkehr von Sandro Wagner zum FC Bayern...

Kehrt Sandro Wagner in die Heimat zurück? Foto: dpa

Kehrt Sandro Wagner aus Hoffenheim zum FC Bayern München zurück? Zu dem Verein, bei dem seine wechselhafte Karriere vor einem Jahrzehnt einst begann? Wenn ja, müsste sich der...

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. Christoph Metzelder hat am Donnerstag warnend die Stimme erhoben. Sandro Wagner, erzählte der Sky-Experte, müsse sich einen Winterwechsel zum FC Bayern gut überlegen. Denn, so Metzelder, bei den großen Champions-League-Spielen der Münchner werde der Noch-Hoffenheimer Wagner immer nur von draußen zuschauen. Diesen netten Hinweis wird der Mittelstürmer nicht gebraucht haben. Wagner weiß selbst, dass er im FCB-Starensemble niemals mehr sein wird als der Backup für den überragenden Torjäger Robert Lewandowski. Aber ist das nicht auch eine lohnenswerte Aufgabe?

Wagner feiert am 29. November, also in wenigen Tagen, seinen 30. Geburtstag. Er ist in München geboren, seine Frau und die beiden Kinder wohnen in München. Beim FC Bayern hat Wagner die komplette Jugendabteilung durchlaufen, mit der U19 stand er zweimal im Finale um die Deutsche Meisterschaft – sein prominentester Mitspieler in der Nachwuchszeit war Mats Hummels. Beim FC Bayern hatte der Torjäger seine ersten Bundesligaeinsätze. Wann das war? Vor exakt zehn Jahren, in der Saison 2007/08. Da wurde der 19 Jahre alte Stürmer viermal eingewechselt - für Größen wie Miroslav Klose, Luca Toni und Franck Ribéry (und Lukas Podolski sprang damals auch noch beim FCB rum).

Keine Chance damals gegen Klose und Toni

Natürlich hatte Wagner ob dieser Konkurrenz damals keine echte Profilierungschance im Münchner Kader. Ein Jahrzehnt später bietet sich dem 1,94 Meter langen Schlaks die Möglichkeit, im Herbst seiner Karriere in seine Heimatstadt und zu seinem Heimatklub zurückzukehren, den besten Vertrag seines Lebens zu unterschreiben, unter Jupp Heynckes um Titel zu spielen – und sei es nur als Ersatzmann für den wohl komplettesten Mittelstürmer auf diesem Erdball. Und diesmal schlägt Wagner in der Weltauswahl der Bayern als Nationalspieler auf, als ein etablierter Profi, der Stammspieler ist beim Europaliga-Teilnehmer TSG Hoffenheim und der als international befähigter, selbstbewusst gewordener Angreifer in der DFB-Elf in drei WM-Qualifikationsspielen immerhin fünf Tore geschossen hat.

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Da muss niemand den moralischen Zeigefinger bemühen, wenn Sandro Wagner diese Lebenschance nutzt in der Weihnachtszeit. Mag sein, dass er im Verlauf der Rückrunde als Münchner Ersatzspieler im Rennen um die WM-Nominierungsplätze in Rückstand gerät. Aber das wird Wagner verschmerzen können. Am Leipziger Sprintkönig Timo Werner kommt sowieso kein deutscher Stürmer mehr vorbei. Und wenn Mario Gomez in der Rückrunde nur noch ein paar Tore schießt, dann wird Jogi Löw womöglich eh auf die Turniererfahrung des Wolfsburger Mittelstürmers setzen. Mehr als zwei zentrale Angreifer benötigt der Bundestrainer nicht bei der WM in Russland. Sollte Gomez keine Form mehr aufbauen, dann dürfte Wagner dabei sein – egal, ob er in Hoffenheim kickt oder in München als Aushilfstorjäger fungiert.

Transfer würde auch für den FC Bayern Sinn machen

Für die Bayern würde dieser Transfer Sinn machen. Der ins Alter gekommene Claudio Pizarro hatte diese Rolle hinter Lewandowski schon mal glänzend ausgefüllt. Wollte der deutsche Serienmeister einen Backup verpflichten, der noch jung ist und der die Klasse hat, den Polen-Star eines Tages beerben zu können, dann würde das aktuell Unsummen kosten; dann müssten die Bayern 50 bis 100 Millionen Ablöse plus mehr als zehn Millionen Jahressalär investieren – in einen Bankspieler, der dann ob dieser Situation eventuell auch noch unzufrieden wäre. Lewandowski ist mit ja mit seinen 29 Jahren noch kein alter Mann - und er ist ausgesprochen selten verletzt.

Bei Sandro Wagner weiß Heynckes, was er bekommt: Einen auf Bundesliganiveau tauglichen Strafraumstürmer, der sich mit seinem (nicht immer sympathischen) Habitus alles zutraut. Und dem auch nicht die Nerven flattern, sollte er in einem Champions-League-Spiel mal den gesperrten/verletzten Lewandowski vertreten müssen. Man muss Wagner mit seinen „Gockel-Allüren“ nicht mögen. Aber wenn man bedenkt, dass der Kerl bis zu seinem 27. Lebensjahr, bis zum Wechsel zum SV Darmstadt 98, überhaupt keine Bundesliganummer war, dann hat der U21-Europameister von 2009 (zwei Tore beim Endspielsieg gegen England) noch sehr viel gemacht aus seiner wechselvollen Karriere.