Rehberg: "Wandspieler im Angriffszentrum" gesucht

Nils Petersen. Foto: dpa

"Wandspieler im Angriffszentrum" so nennt unser Kolumnist Reinhard Rehberg die Stellenausschreibung der 05er für die Suche nach einem Mittelstürmer. Wer ersetzt also in der...

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. Die 05er suchen noch einen Mittelstürmer. Wenn man so will, dann wird der Nachfolger gesucht für den in die Premier League zu Leicester City gewechselten Shinji Okazaki. Was hat den Japaner ausgezeichnet? Zunächst einmal hat Okazaki 12 Tore geschossen in der vergangenen Saison. Das ist für Mainzer Verhältnisse immer eine Topquote. Seinen überragenden Wert für die Mannschaft hatte der Torjäger aber durch seine Arbeitsleistung. Okazaki war ein Malocher, der in der ersten Reihe unermüdlich Meter gemacht hat, vor allem auch gegen die Spieleröffnung des Gegners, dieser umtriebige, energiegeladene Angreifer hat den Gegner regelrecht genervt mit seinem aggressiven Anlaufverhalten.

Eine Pressing- und Umschaltmannschaft - wie es Mainz 05 wieder geworden ist nach dem Trainerwechsel von Kasper Hjulmand zu Martin Schmidt - braucht in der vordersten Reihe diesen Impuls. Das zwingt den Gegner zu einer wenig kontrollierten Spieleröffnung, das hat Auswirkungen auf das Aufbauspiel, das provoziert hastige Pässe, riskante Pässe, Fehlabspiele. Das ermöglicht Balleroberungen, und diese sind die Basis für schnelle offensive Umschaltüberfälle.

Hätte Okazaki weniger oft getroffen, er wäre dennoch immer ein Startelfspieler gewesen mit dieser aufopferungsvollen, mannschaftsdienlichen Mentalität. Worin der Japaner kein Meister war, das war sein Spiel mit dem Rücken zum Tor: Bälle festmachen im Zentrum, aufdrehen und Bälle sicher verteilen - diese Qualität gibt dem Mittelfeld die Möglichkeit, aus der defensiven Blockstellung heraus nachzurücken in die torgefährlichen Räume -, darin hatte sich Okazaki stetig verbessert, doch seine Kernkompetenz war das bis zum Schluss nicht.

Erwünscht: Groß gewachsen, physische Präsenz

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Will man nun ein Profil erstellen für einen Nachfolger, dann würde sich Schmidt sicher einen Mittelstürmer wünschen, der groß gewachsen ist, der eine physische Präsenz hat, der ein leidenschaftliches Anlaufverhalten bis hin zum Angriffspressing durchzieht (nach klaren taktischen Vorgaben), der in der Spitze Bälle festhalten kann - und der natürlich das ein oder andere Tor schießt. Diese Typen sind Mangelware auf dem nationalen und internationalen Markt. Toremacher gibt es in jeder Liga auf diesem Erdball. Aber die sind entweder sündhaft teuer - oder es handelt sich oft um reine Strafraumstürmer, die wenig Energie zeigen, wenn der Gegner den Ball hat.

Auf dem Markt war zum Beispiel Nils Petersen. 26 Jahre alt, groß geworden in der Zweiten Liga beim FC Jena und bei Energie Cottbus, chancenlos gewesen beim FC Bayern, zwei Jahre ordentlich getroffen beim SV Werder Bremen, eine halbe Saison ausgeliehen an den SC Freiburg, abgestiegen.

Pedersen ist nicht der erste Verteidiger

Eines vorweg: Die 05er haben sich mit dem 1,88 Meter großen Mittelstürmer beschäftigt, aber der Klub hat dem Torjäger kein Angebot unterbreitet. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Petersen ist der klassische Strafraumstürmer mit Torinstinkt und Abschlussqualität, aber läuferisch und im Verhalten gegen den Ball hat er keine Arbeitsgewohnheiten. Das hat dazu geführt, dass Werder den Stürmer nach zwei ordentlichen Spielzeiten (34/11 und 28/7) im Winter 2015 los werden wollte.

Der SC Freiburg griff zu. Neun Tore in einer Halbsaison, das war überragend. Aber bei 12 Einsätzen war Petersen siebenmal nur Einwechselspieler bei Trainer Christian Streich, der mit seinem Team mitten im Abstiegskampf gesteckt hat. Der Freiburger Übungsleiter baute in der Startelf lieber auf den malochenden offensiven Mittelfeldspieler Karim Guedé in der Angriffsreihe. Die Freiburger Pressing- und Umschaltmaschinerie hätte mit Petersen nicht funktioniert, davon war Streich überzeugt. In diesem Konzept ist bei gegnerischem Ballbesitz der vorderste Stürmer der erste Abwehrspieler. Das verkörpert Petersen nicht.

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Überschaubares Pensum

Im ersten Zweitligaspiel hat Petersen - der in diesem Sommer in der Bundesliga trotz seiner neun Tore, trotz seines sehr rührigen Beraters und trotz eines günstigen Preises nicht untergekommen ist -, nun für Furore gesorgt. Ein Hattrick im SC-Trikot binnen fünf Minuten beim 6:3 gegen den 1. FC Nürnberg. Nun, der Torjäger hat zwei Elfmeter verwandelt und einen Abstauber im Tor untergebracht. Gut. Aber ansonsten hatte Petersen mit seinem läuferisch überschaubaren Pensum mit dem Spiel nicht viel zu tun.

In der Zweiten Liga sind die Breisgauer nun ein ständiger Favorit, eine Mannschaft mit viel Ballbesitz gegen Gegner, die sich in der eigenen Hälfte verschanzen. Die Streich-Elf presst noch immer, aber für Torchancen müssen spielerische Lösungen gefunden werden, über Kombinationen, über Flügelattacken. Und da passt Nils Petersen jetzt als Endabnehmer im Strafraum ideal ins Konzept.

Die Mainzer schauen sich weiter um. Gesucht wird ein Mittelstürmer mit Arbeitsmentalität, einer, der auch Stärken mit dem Rücken zum Tor ausweist. Als Konter-Mittelstürmer ist Yoshinori Muto einsetzbar, zur Not auch mal Ja-Cheol Koo. Florian Niederlechner ist ein interessantes Entwicklungsprojekt. Die Stelle "Wandspieler im Angriffszentrum" ist noch frei.