Rehberg: VW als Hauptsponsor des DFB – Ein Pakt zwischen...

DFB-Präsident Reinhard Grindel. Foto: dpa

Dass Volkswagen Mercedes als Hauptsponsor des Deutschen Fußball-Bundes ablöst, scheint augenscheinlich für beide Parteien Vorteile mit sich zu bringen. Doch in diese...

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. Vordergründig ist die künftige Partnerschaft zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und dem Volkswagen-Konzern eine klassische Win-win-Situation. Der DFB streicht von VW pro Jahr rund 20 Millionen Euro mehr ein als vom bisherigen Generalsponsor Mercedes. Und VW tut nach den negativen Schlagzeilen rund um den Abgas-Skandal etwas für das erheblich angeschlagene Markenimage.

Schaut man genauer hin, dann haben sich zwei Fummler, Vertuscher und Betrüger zusammengetan. Der größte Sportverband der Welt und einer der größten Automobilunternehmen auf diesem Globus stecken beide in Prozessen, mit denen sich Staatsanwaltschaften und Rechtsanwälte beschäftigen. Der DFB hat die Affäre um die WM 2006 noch längst nicht aufgeklärt. Die Option, dass das damalige Organisationskomitee um Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach für die Austragung der WM im eigenen Land sehr bewusst Stimmen gekauft hat, wird immer wahrscheinlicher. Die jüngst veröffentlichten Einblicke in die Strafermittlungen der Schweizer Staatsanwaltschaft belegen: Für die Beschaffung, für die Überweisung und für die spätere Rückzahlung der auf einem katarischen Konto versickerten 6,7 Millionen Euro, die das OK angeblich für die WM-Eröffnungsfeier verwenden wollte, haben sehr viele Sitzungen stattgefunden unter Beteiligung von DFB-Leuten, Fifa-Vertretern, Bänkern und grauen Eminenzen. Dass da niemand etwas wissen will vom tatsächlichen Verwendungszweck, dieses Sommermärchen wird sich schon bald in Luft auflösen. Und damit natürlich auch die damals entsprechend getürkte Steuererklärung des DFB.

Da stehen erhebliche Strafzahlungen ins Haus. Damit der DFB-Haushalt dann nicht in Schieflage gerät, haben sich die Verantwortlichen jetzt schon eine neue Geldquelle besorgt. Volkswagen. Der deutsche Traditionskonzern, der die Abgaswerte vieler Dieselfahrzeuge manipuliert hat und der dafür in den USA einige Milliarden an Entschädigung zu zahlen hat. Unabhängig von der Schädigung der Aktionäre, unabhängig von der ungeklärten Situation der betrogenen deutschen Kunden und unabhängig von dem Ansehensverlust der deutschen Volkswirtschaft. DFB und VW, das ist schon eine sehr merkwürdige Partnerschaft.

Schonungslose Wahrheitsfindung

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„Volkswagen ist als global agierendes Unternehmen ein starker Partner, um unsere Internationalisierung vor allem in China voranzutreiben“, erklärte Reinhard Grindel bei der Präsentation des Deals. Immer wieder China. Als ob das der Grund gewesen wäre für den Umstieg von Mercedes auf VW. „Der DFB beweist mit der deutschen Nationalmannschaft Mut, Innovationskraft und den unbedingten Willen zum Erfolg“, sagte der VW-Markenvorstandsvorsitzende Herbert Diess. „Diese Werte gelten auch für Volkswagen.“ Mut, Innovationskraft und unbedingten Willen zum Erfolg – da baut man dann auch schon mal eine Betrugs-Software in seine Wagen ein. „Den DFB und Volkswagen eint die Notwendigkeit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die richtigen Maßnahmen für die Zukunft abzuleiten“, resümierte Grindel.

Da könnte man beiden Partnern nur raten: schonungslose Wahrheitsfindung, die Benennung der Verantwortlichen und eine angemessene Wiedergutmachung. Ansonsten werden sich nicht viele Menschen erfreuen an den künftigen Werbefilmen rund um die Nationalmannschaft und den neuen Mobilitätspartner – der ja schon Hauptsponsor des DFB-Pokals ist, der den Bundesligisten VfL Wolfsburg in seinem Portfolio hat und der viele andere Klubs alimentiert. Gesund ist der massive Einfluss von VW auf den deutschen Fußball schon lange nicht mehr.