Rehberg: Transfersommer mit roter Linie bringt reichlich...

Ein gestandener Profi kommt vom FC Basel zu Mainz 05: Fabian Frei, hier nach einem Champions League Spiel beim FC Liverpool an der Anfield Road. Archivfoto: dpa

Dieser Transfersommer hat beim FSV Mainz 05 mehr als nur einen roten Faden. Die Verantwortlichen, das hat Trainer Martin Schmidt bei der Eröffnungspressekonferenz zum...

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. Dieser Transfersommer hat beim FSV Mainz 05 mehr als nur einen roten Faden. Die Verantwortlichen, das hat Trainer Martin Schmidt bei der Eröffnungspressekonferenz zum Trainingsstart betont, folgen einem Pfad, der den Kader verjüngen soll, der den Kader an Körpergröße bereichern soll und der dem Kader mehr Geschwindigkeit zuführen soll. Dazu kommt natürlich die Notwendigkeit, die potenten Abgänger Nikolce Noveski, Johannes Geis und Shinji Okazaki möglichst hochwertig zu ersetzen; in diese Reihe gehört auch noch der schwer verletzte Elkin Soto (der ohne diesen Rückschlag den Klub in diesem Sommer verlassen hätte).

Dazu kommen weitere Richtwerte, die nicht explizit angesprochen worden sind, die sich aber klar erkennen lassen:

1. Christian Heidel ist bemüht, im Vergleich zur Vorsaison frühere Transfers zu tätigen, also den Kader so zügig als möglich komplett zu haben.

2. Der 05-Manager hat bislang keine Leihgeschäfte getätigt; die neuen Spieler sollen sich zum Standort Mainz klar bekennen und hier eine längerfristige Perspektive haben.

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3. Der Kader soll wieder "deutschsprachiger" werden.

Betrachtet man diesen Gesamtanforderungskatalog, dann lässt sich am Tag des Trainingsstarts festhalten: Die 05er sind mit den Neuzugängen Leon Balogun (26), Fabian Frei (26), Yoshinori Muto (22), Florian Niederlechner (24) und Maximilian Beister (24) auf einem sehr guten Weg. Da fehlen jetzt nur noch ein neuer Innenverteidiger für die Position hinter Stefan Bell und Niko Bungert sowie ein arbeitswilliger Mittelstürmer.

Alle Zugänge noch weit entfernt von 30 Jahren

Alle Zugänge sind noch weit entfernt von den 30, Balogun (1,90 Meter) und Niederlechner (1,86) haben eine entsprechende Größe (das wird sicher auch für den noch zu verpflichtenden jüngeren Innenverteidiger gelten, vielleicht auch für den gesuchten Mittelstürmer). Die neuen Offensivspieler haben Geschwindigkeit. Die durch den Geis-Abgang offen gewordene Schlüsselposition im zentralen Mittelfeld ist durch den Champions-League-Spieler Fabian Frei vom FC Basel zügig und hochwertig besetzt worden.

Alle fünf Neuzugänge sind keine Leihspieler. Und bis auf Frei hat noch keiner der Zugänge bislang am oberen Limit gespielt, da kann noch viel Potenzial gehoben werden (und Wertsteigerungen sind auch nicht auszuschließen). Und bis auf Muto beherrschen alle Zugänge die deutsche Sprache.

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Große spanischsprachige Fraktion schrumpft

Letzterer Punkt ist nicht unwichtig. In der Vorsaison hatte sich nicht unbedingt eine Grüppchenbildung ausmachen lassen, aber es gab eine recht große spanischsprachige Fraktion, es gab die Fraktion der Asiaten und es gab die deutschsprachigen Spieler. Das ergab Integrationsprobleme und Kommunikationsprobleme, vielleicht nicht gravierend, aber erkennbar.

Nur ein Beispiel: Defensivspieler Gonzalo Jara hat sich nie so richtig integriert in die Gruppe, das mag Auswirkungen auf seine Leistungskonstanz gehabt haben. Dazu kam, dass der im August 30 Jahre alt werdende Chilene seine beste Zeit schon hinter sich hat - und dass er als Typ eher ein Individualist ist. Deutsch gelernt hat Jara auch nicht, möglich, dass er sich gedacht hat, das wird sich nicht lohnen für einen überschaubaren Zeitraum in Mainz. Jetzt wünschen sich die Verantwortlichen, dass sich der südamerikanische Hitzkopf möglichst schnell einen neuen Verein sucht.

Da könnte man als Beispiel auch noch Philipp Wollscheidt nennen, der in der Vorsaison als hoch bezahlter Leihspieler von Bayer Leverkusen nach Mainz kam und hier als Individualist und als Ersatzmann nie heimisch geworden ist; in der Winterpause "flüchtete" der lange Innenverteidiger nach England.

Das Tempo der Anpassung an die Mainzer Spielweise und die persönliche Leistungsentwicklung lässt sich bei den Neuzugängen natürlich nicht prognostizieren. Fabian Frei ist ein gestandener Profi, der nationale Titel gewonnen hat und der internationale Erfahrung intus hat. Frei stand zum Beispiel mit der Schweizer U21-Nationalmannschaft 2011 in Dänemark im EM-Finale (0:2 gegen Spanien mit Javi Martinez, Alvaro Dominguez und Thiago in der Startelf). Die Schweizer spielten mit Yann Sommer im Tor, mit Timm Klose und Fabian Lustenberger in der Abwehr, mit Granit Xhaka im Mittelfeld und mit Xherdan Shaqiri sowie Admir Mehmedi im Angriff. Kein ganz schlechter Jahrgang. Fabian Frei sollte sich zügig anpassen können am Bruchweg.

Beister kommt nach zwei schwierigen Spielzeiten

Rechtsverteidiger Leon Balogun (geboren und ausgebildet in Berlin, als Nationalspieler aktiv in Nigeria) und das technisch interessante Stürmertalent Florian Niederlechner kommen aus der Zweiten Liga, das braucht Geduld. Der Japaner Yoshinori Muto ist sehr jung, er erlebt seinen ersten Auslandsaufenthalt, auch das braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit.

Und der Außenliniendribbler Maximilian Beister hat zwei komplizierte Spielzeiten beim HSV im Rücken, (16 Einsätze 2013/14, nur noch fünf Einsätze 2014/15), er war lange verletzt, er strotzt nicht vor Selbstvertrauen, er unternimmt nach seinen beiden guten bis sehr guten Zweitligajahren in Düsseldorf (26 Spiele und sieben Tore 2010/11 sowie 33 Spiele und elf Tore 2011/12) am Bruchweg nahezu einen kompletten Neuanfang.

Die Ausgangssituation ist normal in Mainz. Auch Johannes Geis, Adam Szalai, Nicolai Müller oder Maxim Choupo-Moting waren einst nicht mehr als veranlagte Perspektivspieler, als sie am Bruchweg ankamen. Der Rest waren dann Einstellung und Trainerarbeit - und immer auch ein wenig Glück.