Rehberg: Trainer, Dramen, Sensationen

Die neue Heimat der Nullfünfer.

Die kleine Landeshauptstadt M., genauer gesagt die Coface Arena irgendwo in den Feldern von M., ist Spielstätte der 1000. Folge der Erfolgsserie "Trainer, Dramen, Sensationen."...

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. Wir stellen uns vor: Eine Fernsehserie, die erste deutsche Fußballstaffel seit „Manni, der Libero“. Die Serie spielt in einer kleinen Landeshauptstadt. Ein Jubiläum steht an, wir erwarten nach vierzehneinhalb Jahren Erfolgsgeschichte die 1000. Folge der Serie „Trainer, Dramen, Sensationen“. Im Zeitraffer: Was bisher geschah…

FASTNACHTSDIENSTAG 2001. Jürgen K., ein verdienstvoller Spieler beim Zweitligisten in der Fastnachtsstadt M., wird in einer bedrohlichen Situation über Nacht zum Trainer bestimmt. Jürgen K., ein studierter Sportwissenschaftler ohne Trainerlizenz, rettet den Klub vor dem Abstieg aus der zweiten Liga. In den beiden Folgejahren scheitert er mit seiner Mannschaft jeweils am letzten Spieltag nach dramatischen Ereignissen am Aufstieg. Im dritten Anlauf wird gefeiert: Der erste Bundesligaaufstieg in der Vereinsgeschichte. Im zweiten Erstligajahr reist der Verein mit einem Fair-Play-Ticket bereits durch Europa. Vor dem dritten Jahr in der Luxusliga schlägt M. in einem Testspiel den großen FC Liverpool mit 5:0. Am Ende steigt M. aus der Bundesliga ab. Jürgen K. bleibt noch eine Saison und scheitert am Wiederaufstieg.

Ein Norweger folgt auf den Retter

MAI 2008. Jürgen K. verändert sich nach achtzehneinhalb Jahren in M. zum in wirtschaftlichen Nöten steckenden Traditionsklub Borussia Dortmund, der binnen weniger Jahre den Anschluss an die nationale und internationale Spitze verloren hat. M. verpflichtet als Nachfolger den Norweger Jörn A.; Jürgen K. hat eine Empfehlung ausgesprochen. Trainer der U19 in M. wird der junge Thomas T. aus Krumbach, dessen Eltern froh sind, dass der jähzornige Bub, der immer die Mensch-ärgere-dich-nicht-Männchen an die Wand feuert, wenn er verliert, aus dem Haus ist.

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MAI 2009. Jörn A. schafft mit M. die Rückkehr in die Bundesliga. Thomas T. wird mit der U19 Deutscher Meister. Nach einem Finalsieg im Bruchwegstadion gegen Borussia Dortmund. Beim Gegner spielt der pummelige Mario G., dem alle sofort ansehen: Der schießt uns in fünf Jahren zum WM-Titel. Bei M. fehlt der verletzte Torjäger André S., von dem aber auch schon alle wissen, dass er in fünf Jahren Mario G. die Vorlage zum WM-Siegtor liefern wird. Auf der Tribüne sitzt Hans-Joachim W. aus dem Sauerland , der Klubchef der Borussia und denkt sich: Hm, hoffentlich macht der Jürgen K. bei uns nicht so lange, der Thomas T. ist auch ein riesiges Trainertalent, den setzen wir heute schon mal auf unsere Liste…

Ohne Sex kommt keine Serie aus

AUGUST 2009. Jörn A. wird vier Tage vor Saisonbeginn beim Aufsteiger M. aus nur in M. nachvollziehbaren Gründen (sagen wir mal: ohne Sex kommt keine Serie aus) entlassen. Sein Nachfolger: Der junge Thomas T. aus Krumbach.

2009 BIS 2014. Thomas T. hält M. fünf Jahre von einem Abstiegsplatz fern. Jürgen K. wird in dieser Zeit mit Dortmund zweimal Deutscher Meister, einmal DFB-Pokalsieger und einmal Finalteilnehmer in der Champions League. Als Trainer für die U23 von M. entdeckt Thomas T. auf einem Turnier im Badischen den unbekannten Martin S., ein Autoschrauber, Bergkletterer und Arbeitsklamottenunternehmer aus dem Schweizer Wallis. Der langhaarige Naturbursche, verbandelt mit einem XXL-Model (ohne schöne Frauen kommt keine Serie aus), führt das Nachwuchsteam in die Dritte Liga.

Thomas T. hat keine Lust mehr

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MAI 2014. Thomas T. feiert mit M. in der neu gebauten Coface Arena den Einzug in die Qualifikation zur Europa League. Danach hat Thomas T. keine Lust mehr auf M.: Obwohl Thomas T. noch ein Jahr unter Vertrag steht, verabschiedet sich der eigenwillige Krumbacher unter bundesweitem Getöse in ein Sabbatjahr. Sein Nachfolger in M. wird der Däne Kasper H.; Jürgen K. hat nach einem gemeinsamen geselligen CL-Abend eine Empfehlung ausgesprochen.

AUGUST 2014. Kasper H. scheidet mit M. in der von Thomas T. erkämpften EL-Quali aus, auch in der ersten Runde des DFB-Pokals. Aber in der Bundesliga erwischt Kasper H. einen guten Saisonstart, er schlägt am vierten Spieltag Jürgen K. und dessen Dortmunder mit 2:0. Die Mannschaft von Jürgen K. stürzt in eine tiefe Krise und rutscht ein paar Monate später bis auf den letzten Tabellenplatz ab.

Mit Martin S. kommt Ruhe rein

FEBRUAR 2015. Kasper H., der mit seinem fußballerischen Ansatz das rheinhessische M. mit dem bayrischen M. verwechselt hat, gewinnt keine Spiele mehr, seine Mannschaft ist in die Nähe der Abstiegszone geraten. Nach einem 2:4 in Dortmund gegen Jürgen K., dessen Team mit diesem Sieg den Abstiegsplatz verlässt, wird Kasper H. in M. entlassen. Der Nachfolger von Kasper H. kommt aus dem eigenen Haus: Der langhaarige Martin S. - der gerade mit seiner U23 in der dritten Liga im Abstiegskampf steckt. Martin S. führt die Bundesligaprofis von M. mit ruhiger Hand ins gesicherte Tabellenmittelfeld.

MAI 2015. Martin S. aus dem Wallis (dort stammt auch der Fifa-Pate Sepp Blatter her) erhält nach seiner erfolgreichen Rettungsmission in M. einen Dreijahres-Vertrag. Der gestresste Jürgen K. verabschiedet sich nach sieben Jahren in Dortmund in ein paar Sabbatmonate. Der ausgeruhte Thomas T. beendet sein Sabbat- und Fastenjahr und wird in Dortmund Nachfolger von Jürgen K.; Thomas T. avanciert zum bekanntesten Fastengesicht Deutschlands. Hans-Joachim W. sagt: Dieses Trainertalent aus Krumbach hatten wir schon 2009 auf dem Schirm…

Kasper H.: arbeitslos vor dem Fernseher

16. OKTOBER 2015. Die Jubiläumsfolge, Klappe die 1000.: Der nach wie vor erfolgreiche Martin S. empfängt mit M. an einem Freitagabend in der Coface Arena seinen Entdecker und späteren M.-Flüchtling Thomas T. mit dessen Dortmunder Erfolgself. Am Tag darauf wird der Dortmund-Flüchtling Jürgen K., der die Schnauze voll hat von seiner mit Tennisstunden ausgefüllten Sabbatzeit, mit dem FC Liverpool (den er einst mit M. 5:0 bezwang) als Gast bei den Tottenham Hotspurs sein Trainerdebüt in der Premier League feiern. Der Däne Kasper H., noch immer arbeitslos, schaut sich beide Spiele missmutig in seinem Haus in Nordjealland im Fernseher an. Der Norweger Jörn A. hat dafür keine Zeit, er muss als Trainer des österreichischen Zweitliga-Aufsteigers Austria Salzburg gegen den FC Liefering antreten.

PS: Ähnlichkeiten mit realen Personen der Zeitgeschichte können nur auf Zufälligkeiten beruhen. Das Drehbuch zu dieser Serie hat zu großen Teilen Christian H., Manager in M., geschrieben. Die 18. Staffel ist in Vorbereitung: Jürgen K. trifft 2019 mit dem FC Liverpool im CL-Finale auf Thomas T., der inzwischen den FC Bayern trainiert; der langhaarige Martin S. ist mit Borussia Dortmund im Halbfinale an Thomas T. gescheitert.