Rehberg: Torgefahr tendiert gegen Null - Willenlose 05er...

Manchmal sagt ein Bild mehr als Worte: Jhon Cordoba. Foto: dpa

Die 0:4-Niederlage des FSV Mainz 05 in Hoffenheim erinnert stark an das Europapokal-Debakel in Anderlecht. Wie sich die 05er fast willenlos auskontern ließen und warum der...

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. Ist ein Debüt von Bojan Krkic schon mal ähnlich gründlich danebengegangen? Man könnte das recherchieren. Aber das würde das Ereignis von Sinsheim ja nicht relativieren. Die 05er rannten an. Die Hoffenheimer bolzten die Kugel nur noch hinten raus. Die Mainzer lagen immer noch 0:1 hinten. Gerade hatte Pablo de Blasis frei vor dem Hoffenheimer Torhüter die große Ausgleichschance vergeigt. Und dann schickte Martin Schmidt seinen prominenten Winterzugang aufs Feld. 75. Minute. Ergebnis: Die 05er stürzten erdrutschartig ab. 0:2, 0:3, 0:4. Für den spanischen Premiumstürmer, der Debüts für die Edelklubs FC Barcelona, AS Rom, AC Mailand, Ajax Amsterdam und Stoke City erlebt hat, blieb nicht mehr zu tun, als dreimal im Mittelkreis den Anstoß auszuführen. Ein Desaster.

An Bojan lag dieser Einbruch nicht. Aber es war doppelt bitter für das einstige Barca-Wunderkind, dass die drei späten Tore auf der Gegenseite alle von Jokern erzielt wurden. Der fast gemeinsam mit Bojan eingewechselte Marco Terrazzino traf. Und der kurz vor Bojan aufs Feld gekommene Adam Szalai traf in den letzten fünf Spielminuten sogar zweimal. Der Ex-05er, der in Hoffenheim nicht mehr als ein Gelegenheitsarbeiter ist, hat nun drei Saisontore stehen: Der Ungar hat alle drei Treffer gegen seine ehemaligen Kollegen erzielt.

Holprig, schluderig, miserabel

Die 05er haben sich gewehrt in Sinsheim, sie haben bis auf die Schlussphase gut verteidigt, sie sind viel gelaufen, sie haben Bälle erobert, sie haben Druck gemacht. Aber die Schmidt-Elf hat nicht gut Fußball gespielt. Schon gar nicht in der Nähe des gegnerischen Strafraums. Das war der Grund für diese Niederlage. Das frühe 0:1 hat die Sache erschwert. Nach dem Traum-Dropkick von Mark Uth, bei dem Jonas Lössl sein Torwarteck nicht ausreichend abgedeckt hatte (wobei sich der Ball eklig wegdrehte vom Dänen), mussten die 05er agieren, das Spiel machen. Das funktionierte nicht. Mal wieder. Unterm Strich steht die siebte Auswärtsniederlage hintereinander. Wenn dieser Trend anhält, dann lässt sich das tabellarisch nicht mit weiteren Unentschieden in der Opel Arena kompensieren.

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Die 05er müssen über die Bücher gehen. Das Passspiel war holprig. Das Durchsetzungsvermögen in den offensiven Zweikämpfen war überschaubar. Das Freilaufverhalten im Zentrum hatte Defizite. Die Flanken von den Flügeln, dort, wo die Hoffenheimer durchaus Mühe hatten, die Räume zu schließen, waren miserabel. Die Eckbälle waren schluderig geschlagen. In der ersten Halbzeit gab es Richtung Strafraum ein paar bessere Ansätze. Nach der Pause ereignete sich nach einem entschlossen durchgezogenen Solo von Levin Öztunali nur noch die besagte Chance für de Blasis.

Zweite Halbzeit: Rennerei, Bolzerei und Rauferei

Die 05er haben sich zudem abkochen lassen von der Härte der Hoffenheimer. Innenverteidiger Benjamin Hübner setzte aus dem vollen Lauf heraus ein paar Grätschen an, die wirkten, als habe sich da eine Kettensäge selbstständig gemacht. Der Kollege Niklas Süle hatte für seine Aufräumarbeiten auch nicht nur den Laubbläser mitgebracht. Rechtsverteidiger Pavel Kaderabek hätte für ein übles Foul an Daniel Brosinski die Rote Karte sehen müssen. Am Rande des Platzverweises stand aber nur Jhon Cordoba, der Mainzer Mittelstürmer, den Schmidt auswechseln musste nach zwei vergleichsweise harmlosen Vergehen. In der zweiten Halbzeit artete die Partie irgendwann aus in eine wilde Rennerei, Bolzerei und Rauferei.

Die TSG hatte tempogeladene erste 20 Minuten und die Konterphase in den letzten zehn Minuten. Eine 4:0-Leistung war das nie. Die 05er lieferten auch keine klassische 0:4-Vorstellung ab. Aber die aufrechten Bemühungen, strukturiert nach vorne zu spielen, mit Passsicherheit, Dribblings und Tempo zu Abschlüssen zu kommen, hatten schwere Mängel. Auch individuell. Yoshinori Muto hatte überhaupt keine Chance, sich gegen die aggressiven Abwehrriesen durchzusetzen. Jairo produzierte zwei Kinderabschlüsse. De Blasis verschluderte viele Bälle. Cordoba war der einzige Streetfighter im Angriff, aber dem Kolumbianer gelang nur ein Torschuss ans Außennnetz. Bojan Krkic? Zwei, drei Ballkontakte.

Wenn der Gegner den 05ern keine Umschaltüberfälle gestattet, dann tendiert die Torgefahr dieses Team aktuell fast gegen null. Und das zu Beginn des Jahres stabile Defensivgewand hat durch die finale Gegentrefferflut in Sinsheim auch schon wieder dunkle Flecken bekommen. Am Ende ließen sich die 05er willenlos auskontern. Wie beim Europapokal-Debakel in Anderlecht.