Rehberg: Startet 05 mit 4-2-3-1 oder 4-4-2 ins neue Jahr?

Müssen künftig ohne Yunus Malli (links) jubeln: Pablo de Blasis und Yoshinori Muto. Archivfoto: Jan Hübner

Die Endphase der Vorbereitungszeit läuft. Im Spiel am Sonntag gegen den FC Thun will Mainz 05 die Startformation für das erste Bundesliga-Spiel im neuen Jahr präsentieren und...

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. Die 05er starten mit zwei Heimspielen in das Jahr 2017. Am 22. Januar kommt der 1. FC Köln in die Opel Arena, eine Woche später Borussia Dortmund. Wir wissen: Diese beiden Spiele wird Martin Schmidt ohne den gesperrten Jhon Cordoba bestreiten müssen. Und wir wissen: Der Trainer wird die Restsaison ohne den zum VfL Wolfsburg gewechselten Yunus Malli meistern müssen. Dazu kommt, dass Stammtorhüter Jonas Lössl angezählt ist -und dazu kommt, dass der Chefcoach auch seinem linken Innenverteidiger Alexander Hack eine Lektion erteilt hat.

Viele Baustellen vor dem Start

Das sind relativ viele Baustellen knapp eine Woche vor dem Ligastart nach der Winterpause. Wie muss man das bewerten? Personalprobleme und Unstimmigkeiten können wachhalten und Energie erzeugen. Personalprobleme und Unstimmigkeiten können aber auch für schlechte Stimmung sorgen und Alibis für anfänglich schwächere Leistungen produzieren. In welche Richtung die Gemengelage am Bruchweg tendiert, das lässt sich Stand heute nicht sagen. Wir können nur festhalten: Ein klares Bild, welche Strategie der Trainer fährt, ergibt sich in diesem Moment nicht. Und ob etwaige Neuzugänge auf der Torhüterposition und/oder in der Offensive direkt Auswirkungen haben könnten in Bezug auf die Startaufstellungen für diese beiden Heimspiele, das steht in den Sternen.

Also beschäftigen wir uns mit dem Personal, das Martin Schmidt aktuell auf dem Hof hat. An diesem Samstag treten die 05-Profis in der Düsseldorfer Esprit-Arena beim Telekom-Cup an. Eine Partie über 45 Minuten gegen Borussia Mönchengladbach. Danach eine Partie über 45 Minuten gegen den FC Bayern München oder gegen den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Und am Sonntag steigt dann im Bruchwegstadion die Generalprobe mit dem letzten Vorbereitungsspiel gegen den FC Thun. Von diesem Klub aus ist Martin Schmidt einst als Nachwuchstrainer zu den 05ern gewechselt. Gegen den Schweizer Erstliga-Vorletzten, der in massiven finanziellen Nöten steckt und den die Mainzer mit dieser Partie ein wenig unterstützen wollen (die Gastgeber übernehmen sämtliche Kosten), will Schmidt seine mögliche Startelf für die Köln-Partie präsentieren.

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Rotation einschränken - aber nicht abstellen

Das wird dann keine Stammelf sein, die in dieser Formation die komplette Rest-Saison durchzieht. Der Trainer wird den Rotationskurs aus der Hinrunde einschränken, aber er wird weiterhin auf individuelle Formkurven, auf Systemveränderungen und auf die gegnerische Spielanlage reagieren. Das ist normal. Für die beiden Heimspiele ohne Cordoba wird Schmidt zunächst mal nicht nur einen neuen Zehner, sondern auch einen neuen Mittelstürmer finden müssen. Grundsätzlich hat der Trainer zwei Möglichkeiten: Erstens kann er eine Grundaufstellung wählen, die diese beiden Positionen gar nicht vorsieht (das wäre zum Beispiel das flache 4-4-2 mit zwei zentralen Mittelfeldspielern, mit zwei Außenbahnspielern und mit zwei rochierenden Sturmspitzen), zweitens kann er in seinem favorisierten 4-2-3-1 die verwaisten Positionen Zehner und Mittelstürmer mit Spielern aus seinem aktuellen Kader besetzen.

Die erste Variante wäre die einfachste Lösung. Mit dem 4-4-2 würde Schmidt den Ansatz der Kölner spiegeln. Eine mögliche Startelf: Lössl – Donati, Bell, Ramalho, Bussmann – Öztunali, Gbamin, Latza, Onisiwo – de Blasis, Muto. Wahlweise ließen sich auch Jairo, Gerrit Holtmann oder Aaron Seydel einbauen. Wenn der Trainer etwa dem lange verletzten Yoshinori Muto noch keinen Einsatz über gut eine Stunde zutrauen sollte.

Gegen den Ball immer im 4-4-2

Die zweite Variante würde sich etwas komplexer gestalten. Das 4-2-3-1 ist ja nicht mehr als ein Grundkonstrukt. Gegen den Ball spielen die 05er immer im flachen 4-4-2. Im eigenen Ballbesitz basiert zumindest das offensive Umschaltspiel ja nicht auf einer Grundordnung, sondern auf schnellen Positionsrochaden und flexiblen Laufwegen in die Tiefe. In Situationen mit einem Positionsspiel aus der letzten Reihe heraus verschiebt sich das 4-2-3-1 in der Regel zu einem flexiblen 2-4-1-3: Die beiden Innenverteidiger betreiben das Eröffnungsspiel, die beiden Außenverteidiger werden zu seitlichen Mittelfeldspielern, der Zehner ist ein vorderer zentraler Passadressat, die beiden offensiven Flügel sind mit Sprintern besetzt und der Mittelstürmer beschäftigt das gegnerische Abwehrzentrum. Das ist das Grundgefüge.

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Da müsste Schmidt entscheiden: Bietet mir der aktuelle Kader verlässliche Optionen auf der Malli- und auf der Cordoba-Position? Theoretisch lässt sich das darstellen. Doch da schwingt der Konjunktiv mit: Fabian Frei ist nicht der klassische Umschaltspieler, aber er müsste einen etwas defensiver angelegten Zehner spielen können; Muto oder Seydel müssten auf ihre Art jeweils einen wirkungsvollen Mittelstürmer abgeben können (Muto ist nicht so stark mit dem Rücken zum Tor, aber er ist torgefährlich; der unerfahrenere Seydel ist gut mit dem Rücken zum Tor, aber der lange Schlaks ist noch nicht ganz so durchsetzungsfähig gegen die Stopperriesen dieser Liga).

Eine dritte Variante wäre das 4-3-3. Da bräuchte Schmidt keinen Zehner, aber auf jeden Fall einen Mittelstürmer. Eine mögliche Startelf mit drei Mittelfeldsechsern: Lössl – Donati, Bell, Ramalho, Bussmann – Gbamin, Frei, Latza – Öztunali, Muto (Seydel), de Blasis. In diesem Fall könnte das Team - zum Beispiel gegen die Dortmunder – auch mal massiert in einem 4-5-1 verteidigen.

Da sind also viele Fragen offen. Erste Antworten wird es am Sonntag geben. Wir sind gespannt darauf. Eine wichtige Aufgabe für den Trainer wird es sein, ein Klima zu schaffen, das - mit oder ohne kurzfristige Winterzugänge - Optimismus verbreitet, in jedem Fall keinen Raum öffnet für Alibis, die mögliche schwächere Leistungen in der Startphase 2017 schon vorher erklären.