Rehberg: Segen und Fluch Europapokal - und der Absturz des FC...

Augsburgs Trainer Markus Weinzierl. Foto: dpa

Europapokal. Segen und Fluch zugleich - offenbar auch für den FC Augsburg. Großes Lob für den Verein noch nach großem Kampf, aber letztlich dem Aus im Europapokal gegen den...

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. Europapokal. Segen und Fluch. Begeisterung bei den Fans, tolle Flutlichtatmosphäre im Stadion, aufregende Reisen in ferne Länder, spannende Spiele, nette Zusatzeinnahmen. Aber der Ligaalltag gestaltet sich in diesen Fällen nicht selten ausgesprochen unangenehm. In dieser Saison macht der FC Augsburg diese Erfahrung.

Rang fünf in der Bundesligaspielzeit 2014/15 mit stolzen 49 Zählern – einen Punkt vor dem FC Schalke 04 und drei Punkte vor Borussia Dortmund. Das war eine mittlere Sensation. Viele Experten warnten danach den FCA vor dem ungewohnten Stress mit den vielen englischen Wochen. Am 28. Spieltag 2015/16 kommen die Augsburger als Ligaviertletzter in die Coface Arena, nur durch die leicht bessere Tordifferenz getrennt vom Vorletzten Eintracht Frankfurt und vom Drittletzten TSG Hoffenheim. Ein Absturz.

Große Europapokalabende und Bundesligaabstieg in einer Saison

Große Europapokalabende und Bundesligaabstieg in einer Saison, das hat es schon gegeben. 2007/08 passierte das dem 1. FC Nürnberg. DFB-Pokalsieger, Einzug in den Uefa-Pokal. Emotionale Nächte mit Duellen gegen den FC Everton, Panathinaikos Athen und AZ Alkmaar, durchgekämpft bis in die Zwischenrunde mit dem unglücklichen Aus gegen Benfica Lissabon (0:1 und 2:2). Und in der Bundesliga? Ein einziges Desaster: Nur sieben Siege, 17 Niederlagen – Abstieg in die Zweite Liga.

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2009/10 erwischte es Hertha BSC. Einzug ins europäische Geschäft als Tabellenvierter. Tolle Spiele gegen Sporting Lissabon, SC Heerenveen und FK Ventspils, Einzug in die Zwischenrunde des Uefa-Pokals mit dem Aus gegen Benfica Lissabon (1:1 und 0:4). Und in der Bundesliga? Der Supergau: Nur fünf Siege, 20 Niederlagen - Absturz in die Zweite Liga als abgeschlagener Tabellenletzter.

2012/13 verpasste der SC Freiburg nur um einen Punkt die Qualifikation für die Champions League. Im Uefa-Pokal 13/14 ließ Trainer Christian Streich aus Respekt vor dem Ligaalltag oft nur eine bessere B-Elf auflaufen. Half nichts. Die Freiburger schafften in der Bundesliga erst am 11. Spieltag ihren ersten Sieg, nach der Vorrunde dümpelte der SC mit mageren 14 Punkten auf einem Abstiegsplatz. Erst auf der Zielgeraden retteten sich die Freiburger auf abgefahrenen Reifen noch ins Ziel.

Für Augsburg das Aus gegen FC Liverpool

Und nun also der FC Augsburg. Nur einen Leistungsträger musste Trainer Markus Weinzierl im Sommer abgeben. Für 25 Millionen Euro Ablöse wechselte Linksverteidiger Abdul Rahman Baba zum FC Chelsea. Mit dieser Kohle sorgte der FCA qualitativ für mehr Tiefe im Kader, etwa mit den erfahrenen Zugängen Ja-Cheol Koo und Piotr Trochowski. Große Europapokalabende gegen den FC Bilbao (1:3 und 2:3), gegen AZ Alkmaar (4:1 und 1:0) und gegen Partizan Belgrad (1:3 und 3:1). Einzug in die Endrunde. Das Aus nach großem Kampf gegen den ruhmreichen FC Liverpool. 0:0 und 0:1. Ein von James Milner verwandelter (strittiger) Handelfmeter brachte Jürgen Klopps „Reds“ ins Achtelfinale. Die wehrhaften Augsburger, die für den Einzug ins Sechzehntelfinale gerade mal 500.000 Euro kassiert haben (zuzüglich des Europaliga-Starthonorars von 2,4 Millionen, der Erfolgsprämien und der Zuschauer- und Marketingeinnahmen aus den Heimspielen), wurden mit Lob überschüttet.

Und in der Bundesliga? Dort haben die Augsburger nach 27 Spieltagen gerade mal sechs Spiele gewonnen. 43 Gegentreffer, desaströs. Der Abstiegskampf tobt. Der Ligaverbleib steht auf Messers Schneide. Hätte der FCA, der am 12. Spieltag schon mal Letzter war mit fünf Punkten Rückstand zum rettenden Ufer, nicht in den letzten sechs Hinrundenpartien eine Erfolgsserie mit 13 Zählern gestartet, das Buch wäre wahrscheinlich schon zu. Und nun geht es in die Coface Arena. Die 05er spielen gerade die letztjährige Rolle der Augsburger. 21 Punkte sind noch im Topf. Die Europa-Chance ist gegeben. Und dann heißt es vielleicht in Mainz: Fluch oder Segen? Darüber entscheidet einzig und allein die Leistung im Ligaalltag.