Rehberg: Schotten sich die Bundesliga-Vereine durch ihre...

„Niemand kennt den FC Bayern besser als der FC Bayern“, sagt Karl-Heinz Rummenigge. Foto. dpa

Droht sich die Fußball-Bundesliga immer mehr aus der Mitte der Gesellschaft zu verabschieden? Zumindest wenn es um Kommunikationspolitik der Vereine geht, ist dieses Szenario...

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. Vor etwa zwei Jahren hatten wir an dieser Stelle das Thema schon mal: Die Medienarbeit der Bundesligisten. Knapp zusammengefasst ging es darum, dass viele Fußballanhänger die zunehmende Kommerzialisierung im Profigeschäft kritisieren – und im Zuge dieses unguten Prozesses schotten sich viele Klubs immer weiter ab in ihrer Kommunikationspolitik. Das geht so weit, dass die Fußballunternehmen Medienabteilungen beschäftigen, die mit ihrer Arbeit versuchen, den Klub unabhängig zu machen von der veröffentlichten Meinung in den elektronischen Medien und in den Printmedien.

Man kann sagen: Die Klubs treten mit ihren Klub-TV´s, mit ihrer Homepage, mit ihren Internetaktivitäten auf Facebook oder Twitter in direkte Konkurrenz zum Fernsehen, zum Radio, zu den Zeitungen.

Die Bayern als Branchengigant vertreten diese Entwicklung sehr offensiv. „Niemand kennt den FC Bayern besser als der FC Bayern“, sagt Karl-Heinz Rummenigge. Deshalb wisse der Klub am besten, wie er öffentlich dargestellt werden will, meint der Vorstandschef. Und deshalb wird es immer schwieriger für die unabhängigen Medien, exklusive Informationen und Interviews zu bekommen vom Titelkrösus. Für die Zementierung dieses Trends nehmen inzwischen nahezu alle Bundesligisten sehr viel Geld in die Hand: Die Medienabteilungen werden immer größer und gewichtiger. Dass der Unterschied zwischen PR und Journalismus zuweilen gar nicht mehr erkennbar wird, das nehmen die Klubs billigend in Kauf.

Bleibt vernünftige Recherche etwa auf der Strecke?

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In Dortmund war zuletzt zu beobachten, dass Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke im Streit mit dem am Ende beurlaubten Trainer Thomas Tuchel nur noch mit ausgewählten Medienvertretern kommuniziert hat. Wer nicht bereit ist, den Meinungskurs des Klubs mitzugehen in der öffentlichen Darstellung, der fällt aus dem Informationskreis raus. Da wurden der objektiven Berichterstattung sehr bewusst Grenzen gesetzt. Kritische Geister geraten in eine Bittstellerposition. Und da es vielen Verlagen heute wirtschaftlich nicht mehr gut geht, schwenken immer mehr Zeitungen auf den vorgezeichneten Weg der Klubs ein.

In der jüngsten Ausgabe der Branchenzeitschrift „Der Sportjournalist“ meldet sich dann auch noch Markus Aretz zu Wort. Der Mediendirektor von Borussia Mönchengladbach kritisiert dort in einem Interview, „vernünftige Recherche“ bleibe in den Medien „immer öfter auf der Strecke“. Nehmen wir mal an, diese These hätte einen Wahrheitsgehalt. Dann muss man fragen: Warum? Schlechter ausgebildet als früher sind die heutigen Sportjournalisten nicht. Tatsache ist, dass an vielen Bundesliga-Standorten das Vertrauensverhältnis zwischen Klub und unabhängigen Medien gelitten hat. Die Informationsbeschaffung wird immer schwieriger.

PR-Jubelarien genügen nicht, um sich fundierte Meinung zu bilden

Wichtige Meldungen verbreiten die Klubs zunächst über ihre eigenen Medienportale. Ausschließlich gefiltert. Unangenehme Wahrheiten werden oft geschönt, Kritikpotenzial wird abgeschliffen. Beispiel Verletzungen: Vermeintlich harmlose Vorfälle - „Spieler X fehlt ein paar Tage im Training“ -, wachsen sich still und heimlich aus zu wochenlangen Ausfällen. Warum und weswegen? Keine Meldung. Hat sich halt so ergeben. Einen direkten Zugang zu Vereinsärzten haben Journalisten nicht mehr. Immer öfter werden verletzte oder unerfahrene oder in Ungnade gefallene Profis von den Medien ferngehalten. Da heißt es dann oft, die müssten in einer schwierigen Situation „geschützt“ werden. Als hätte man es da mit Vorschulkindern zu tun…

Wir werden diese Entwicklung in der kommenden Saison sehr genau beobachten. Fußball ist kein Selbstzweck. Wenn die Emotionalisierung und Informierung der Fußballfreunde nur noch von den Unternehmen gesteuert wird, dann driftet das Profigeschäft immer weiter ab in Richtung Paralleluniversum. Um das zu verhindern, dafür braucht es Transparenz, eine Öffnung der Klubs, eine faire Chance zur objektiven journalistischen Begleitung und Kontrolle. Ansonsten verabschiedet sich die Bundesliga - nicht nur wegen der bewegten Gelder im Wahnsinnsbereich – immer mehr aus der Mitte der Gesellschaft. Angestrebte Rekordquoten der Klubs in den sozialen Medien sind jedenfalls kein Beleg für ein verantwortliches Miteinander. Wenn sich Anhänger eine fundierte eigene Meinung bilden wollen, dann genügen keine PR-Jubelarien, dann braucht es eine objektive Berichterstattung. Dem sollten sich gerade die Bundesligisten wieder offensiver stellen. Vorhänge zurückziehen, Türen und Fenster auf. In den seltensten Fällen entstehen daraus Skandale. Kommentierungen auf der Basis von journalistischem Halbwissen sind längst gefährlicher und ärgerlicher für die Klubs.